Zehlendorfer Nächte sind lang

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"Es gibt in Westberlin keine Electroparty", sagt Timi Arowolo. Mit "Selectronic" möchte der Eventmacher dem Missstand nun ein Ende setzen und lädt am Sonnabend in eine undergroundige Location ein: den Bunker am Kurfürstendamm.

"Es gibt in Westberlin keine Electroparty", sagt Timi Arowolo. Mit "Selectronic" möchte der Eventmacher dem Missstand nun ein Ende setzen und lädt am Sonnabend in eine undergroundige Location ein: den Bunker am Kurfürstendamm.

Timi Arowolo geht neue Wege - auch für sich selbst. Denn der Veranstalter ist eigentlich für seine Party "Sternennacht", die er mit Daniel Stern betreibt, bekannt - und die hat gar nichts mit Underground zu tun. Bei der Veranstaltung feiern Rich Kids - und bestellen auf Papas Kreditkarte.

",Sternennacht" steht für Champagner und Schickimicki", sagt Arowolo. "Bei ,Selectronic" geht es hingegen um Musik." Weil es ihm in der Electro-Szene an Glaubwürdigkeit fehlt, hat er sich illustre Partner geholt: Mantu und Fetzo von "Döner Lounge" sowie die DJs Stassy und Fat Tony Crew.

"Die Leute sehnen sich nach etwas Neuem", erklärt Arowolo. Tatsächlich wittern immer mehr Partymacher neue Bedürfnisse bei ihren Kunden.

Arowolos Partner Daniel Stern gründete mit Vernen Liebermann von Vitamin D das Sub-Label Sababba für jüdische Partys. Stephan Dau veranstaltet neben dem Club Reich & Schön die "Zehlendorfer Nächte". "Die Partygänger fühlen sich immer stärker Communitys zugehörig", erklärt Dau. Bei seiner Party feiern daher Cliquen, Kiez-Schulen und lokale Sportvereine zusammen. Das gibt der Metropole schon mal etwas Dörfliches.

Doch nicht immer ist ein neues Partylabel sinnvoll. Die neue Zielgruppe muss sich eindeutig von der alten unterscheiden, sonst droht Verwirrung. Außerdem braucht man Glaubwürdigkeit in der neuen Szene. Stephan Dau sucht daher gerade für weitere Kiez-Partys authentische Bezirksgrößen. Doch diese Kooperationen bergen auch Risiken. Timi Arowolo musste seine Idee vom "Club Pi" beerdigen, weil es Schwierigkeiten mit den neuen Partnern gab.

Max von "Helden der Nacht" geht bei der Spezialisierung noch einen Schritt weiter. Mit Freunden gründete er die "Geheime Gesellschaft". Nur wer im Besitz einer grauen Chipkarte ist, wird eingeladen. Die Party funktioniert völlig unabhängig von "Helden der Nacht". "Wir nutzten nicht einmal die E-Mail-Verteiler", erklärt Max.

Seine Intention dabei? "Mir geht es darum, Spaß zu haben und auch einmal mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten", erklärt er. Mit diesem altruistischen Ansatz steht er jedoch allein da. Stephan Dau nennt noch einen anderen Grund für die Schwemme an neuen Partylabels. "Man muss mehrere Babys am Start haben, sonst verdient man kein Geld", sagt er.

Tina Molin