Das Comeback der Partymeile Kudamm

| Lesedauer: 3 Minuten

Auf die Frage "Wo feiert man cool im Westen?" antworteten Clubgänger stets mit ahnungslosem Schulterzucken.

Auf die Frage "Wo feiert man cool im Westen?" antworteten Clubgänger stets mit ahnungslosem Schulterzucken. Damit ist nun Schluss, nun locken gleich drei Clubs an den Kurfürstendamm.

"Ich bin ein Ku'Damm-Boy", sagt Adriano Hess. Der 28-Jährige ist der Besitzer vom "Club Noir" am Ku'Damm, das diesen Freitag eröffnet. "Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung", sagt er, denn nun möchte er die Clubber wieder auf die Prachtstraße locken.

Der Tanztempel, der das schaffen soll, befindet sich im alten "Far Out" am Lehniner Platz. Sechs Monate hat Hess umgebaut, aus der Alternativ-Disko einen edlen Club gemacht. Möbel, Wände und Fliesen erstrahlen in den Farben blutrot und anthrazit, und die zwei Bars schmiegen sich stromlinienförmig die Wände entlang.

Im Ex-Club der Bhagwan-Sekte gibt es nun einen VIP-Bereich. Die finanzkräftige Klientel muss ihre Boliden nicht mehr in der zweiten Spur parken, sondern kann einen der 20 Garagenstellplätze in der Tiefgarage unterhalb der Lokalität nutzen.

Adriano Hess ist ein Neuling im Nachtleben. Zwar betrieb er das Restaurant "Visconti", doch das "Noir" ist sein erster Club. Er möchte einen House-Club der Spitzenklasse etablieren, nach dem Vorbild des "Pacha" auf Ibiza. Daher lässt er jedes Wochenende internationale DJs aus Ibiza und L.A einfliegen. Geld spielt keine Rolle.

Den ambitionierten Clubmacher plagt eher eine andere Sorge: "Die Berliner müssen lernen, richtig zu feiern", sagt er immer wieder im Gespräch. Hoffentlich lehrt Berlin den Neuling nicht eine harte Lektion, denn sein Konzept von House, älteren Clubgängern und möglichst wenig Party-Veranstaltern birgt ein hohes Risiko.

Die angestrebte Generation 30plus lässt sich nur noch selten in den Clubs blicken. Die Jugend regiert das Nachtleben von Brandenburger Tor bis Grunewald. Zwar feiert das "Noir" seine Eröffnung mit "Stöpsel und die Helden der Nacht" - doch eigentlich will Hess den Club als eigenständige Marke etablieren. Am liebsten ohne Veranstalter. "Ich möchte mich nicht abhängig machen", erklärt er. So hat es auch das "Cascade" an der Kantstraße probiert - seit Dezember 2007 ist die Location geschlossen.

Mit House beweist Hess zwar Trend-Gespür, doch das "Maxxim" an der Joachimstaler Straße hat sich für die Ku'Damm-Kids bereits als House-Club etabliert. Seit einem Jahr gibt es den kleinen Tanzpalast jetzt. Anfangs ein einsamer Party-Leuchtturm, läutete er das Comeback der Prachtstraße als Partymeile ein. Sogar Paris Hilton tanzte dort auf dem Tisch.

Auch die Bar "Puro" im 20. Stock des Europa Centers hat seit seiner Eröffnung im Januar einen guten Start hingelegt. Beim Opening stand DJ Tom Novy hinter den Decks und nun steigt regelmäßig die Afterwork-Party "Lieblingstag". "Das "Puro' belebt die Gegend", sagt auch Adriano Hess. Als Konkurrenz nimmt er die Clubbar nicht wahr, lieber träumt er vom "Noir" in zehn Jahren. "Dann soll der Club eine Institution sein", sagt er.

Club Noir , Ku'Damm 156, Eröffnung 7.3., sonst Do-Sbd, www.club-noir.com

Maxxim , Joachimstaler Str. 15, Mo/Fr/Sbd., www.maxxim-berlin.de

Puro , Tauentzienstraße 11, Di-Sbd, www.puro-berlin.de

Tina Molin