Die blaue Luft ist raus

| Lesedauer: 3 Minuten

Das neue Jahr traf viele Gäste vom Berghain hart. Kaum in 2008 gelandet, mussten sie sich an eine neue Sitte in dem sonst so sittenlosen Club gewöhnen.

Das neue Jahr traf viele Gäste vom Berghain hart. Kaum in 2008 gelandet, mussten sie sich an eine neue Sitte in dem sonst so sittenlosen Club gewöhnen. "Hier wird nicht geraucht", machten die Türsteher die überraschten Gäste aufmerksam. Alle Raucher wurden vor die Tür geschickt.

Seit dem 1. Januar ist das Nichtrauchergesetz in Berlin in Kraft. Zwar werden in einer Übergangszeit von einem halben Jahr Raucher noch nicht bestraft, dennoch haben viele Clubs sich dem Gesetz gefügt.

Der "Privatclub" im Keller der Markthalle in Kreuzberg hat einen eigenen Raucherraum eingerichtet. Der überdachte Garten ist nun für Raucher reserviert und "alle halten sich daran", sagt Betreiber Norbert Jackschenties. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn der Extraraum ist gemütlich und liegt direkt neben dem Dancefloor. Es ist nicht die Bereitschaft der Raucher, die den Clubmacher überrascht. "Es kommen wieder Gäste in den Club, denen es früher zu verraucht war", sagt Jackschenties, der auch für das "Lido" an der Schlesischen Straße verantwortlich zeichnet. Er erhielt Anrufe, ob in der Konzertlocation noch geraucht werde. Doch auch im "Lido" gibt es einen eigenen Rauchraum.

Viele Clubbetreiber und Gäste hatten Angst vor dem neuen Gesetz. Es wurden Umsatzeinbußen und schlechte Stimmung befürchtet. Von letzterem merkt DJ Calvin Bosco, Resident-DJ im "Maxxim", nichts. "Ich dachte, dass vielleicht die Stimmung bei einer Party einbricht, wenn alle rauchen gehen", sagt er. Das Gegenteil ist der Fall. Tausend Gäste feierten vergangenes Wochenende im Club, die neue, lilafarbene Raucherlounge war zwar gut besucht, doch die meisten Partygänger stapelten sich auf dem Dancefloor. In der "Maria" gehen nicht nur die Gäste brav in die Raucherkammer. "Auch meine Türsteher und Barleute rauchen nicht mehr am Arbeitsplatz", sagt Chef Ben de Biel.

Doch nicht immer und überall kommt Nichtrauchen gut an. Nach der strengen Politik vom Berghain gab es eine Massenwanderung in den musikalischen Bruderclub "Watergate". Dort wird auf dem unteren Dancefloor das Rauchen noch toleriert. Clubbetreiber Stoffel zeigt sich von dem Gesetz nicht begeistert. "Wir müssten extra Personal einstellen, um alle vom Rauchen abzuhalten", sagt er.

Gerade Clubs aus dem elektronischen Bereich tun sich mit der Umsetzung des neuen Nichtraucherschutzgesetzes schwer. "Watergate", "Cookies" und "Weekend" haben zwar die Aschenbecher weggeräumt und Nichtrauch-Schilder aufgehängt, doch so recht wollen viele der Gäste vom Rauchen nicht lassen.

Das sorgt bei den Nichtrauchern im Club für Empörung - und verursacht sogar Denunziantentum. Ein Gast muss sich bereits beschwert haben, denn das "Watergate" erhielt vom Wirtschaftsamt einen mahnenden Brief. Selbst wenn die Behörden noch keine Bußgelder verhängen, so bekommen Clubs, die rauchende Gäste tolerieren, einen negativen Eintrag in die Akte und setzen ihre Konzession aufs Spiel. Clubs wie das "Weekend" haben daher reagiert. Ab nächster Woche wird der Dancefloor im 15. Stock zum Raucherbereich erklärt.

Das Rauchverbot erreicht auch das 103. Der Club schließt am 16. Februar für eine Woche, denn es wird eine Smoking Area gebaut. Im Zuge des Umbaus entstehen im ersten Stock auch eine Galerie und ein Café.

Tina Molin