U21-EM

Über Prag nach Rio

Herthas Nico Schulz träumt mit der deutschen U21 vom EM-Titel und Olympia

Es ist die Tür, die Nico Schulz daran erinnern soll, wo er herkommt und wo er hin will. Jeden Morgen, wenn der Linksfuß von Hertha BSC im Teamhotel der deutschen U21-Nationalmannschaft in Prag aufwacht und das Zimmer verlässt, sieht er Bilder aus der Startphase seiner Karriere. Schulz ist darauf etwa acht Jahre alt und trägt schon ein Hertha-Trikot. Vom Verein gab es zudem einen Brief mit guten Wünschen für die U21-EM in Tschechien.

„Lebe deinen Kindheitstraum!“ Das ist der Slogan, den sich der DFB für die Mission Titelgewinn beim seit Mittwoch laufenden Turnier ausgedacht hat. In ihm steckt Nostalgie und Anspruch zugleich: Euer Weg war lang, aber er ist noch nicht beendet, soll das heißen. Nico Schulz hat immer davon geträumt, Profi zu werden. Das hat schon mal geklappt. Mit sieben Jahren kam er zu Hertha und hat dort gerade seine fünfte Saison beendet. In Tschechien soll sein Weg weiterführen zum Erfüllen des nächsten und vielleicht auch übernächsten Traums.

Die deutsche U21-Nationalelf von Trainer Horst Hrubesch gilt als Favorit bei der EM. Daran hat auch das magere 1:1 zum Auftakt gegen Serbien am Mittwoch nichts geändert. An diesem Sonnabend trifft die DFB-Auswahl in Prag auf Dänemark (20.45 Uhr, ZDF) mit den Bundesligaprofis Pierre Emile Hojbjerg vom FC Bayern und Jannik Vestergaard von Werder Bremen. Hrubeschs Team sollte gewinnen, will es sich als eine von zwei Mannschaften aus der Gruppe A für das Halbfinale qualifizieren. Schulz wird diesmal in der Startelf als Linksverteidiger erwartet. Der Freiburger Christian Günter, der zunächst den Vorzug links in der Viererkette erhielt, sah gegen Serbien die Gelb-Rote Karte.

Für den 22-Jährigen ist das die Gelegenheit, sich zu zeigen. Er träume vom EM-Titel, sagte Schulz dieser Zeitung. Denn mit jener Trophäe verbindet sich seit 2009 auch eine weitere Hoffnung: Vor sechs Jahren wurde die deutsche U21 in Schweden Europameister. Nur ein Jahr später fuhren die Stützen dieses Teams Mesut Özil, Manuel Neuer, Sami Khedira und Jerome Boateng zur WM nach Südafrika mit der A-Nationalmannschaft. 2014 wurden sechs Europameister von damals Weltmeister in Brasilien. Jener goldene Jahrgang schwebt als Verheißung nun über der Nachfolgegeneration. Bundestrainer Joachim Löw hat kürzlich gesagt, dass einige aktuelle U21-Spieler noch Chancen auf die EM 2016 in Frankreich hätten. Und Schulz gab zu: „Ich würde lügen, wenn ich nicht den Wunsch hätte, irgendwann in der A-Nationalmannschaft spielen zu dürfen.“ Die Gelegenheit ist günstig: Außenverteidiger sucht Löw. Schulz weiß aber auch, dass der Weg dorthin für ihn noch ein langer ist: „Ich muss erst mal ein gestandener Bundesligaprofi werden“, sagte er. Zu einem anderen Ziel ist der Weg dagegen kürzer: Sollte die U21 ins EM-Halbfinale einziehen, würde sie sich für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro qualifizieren. Es wäre das erste Mal seit 1988, dass eine deutsche Auswahl dabei wäre. „Nicht jeder Fußballer darf Olympia erleben. Die EM ist der erste Schritt, Rio der nächste“, sagte Schulz. Sein Weg soll ihn über Prag nach Rio führen – vorbei an der Tür mit der eigenen Kindheit.