Fifa

Beckenbauer nimmt Fifa-Präsident Blatter in Schutz

Auch WM-Vergabe 2002 gerät unter Verdacht der Korruption

Franz Beckenbauer hat Fifa-Präsident Joseph Blatter erneut verteidigt. „Ich wehre mich dagegen, dass alles Negative, was im Fußball und in der Fifa passiert, an der Person Sepp Blatter festgemacht wird“, sagte Beckenbauer der „Braunschweiger Zeitung“. Dennoch befürwortet Beckenbauer den angekündigten Rücktritt Blatters als Präsident des Weltverbands. „Es ist richtig, dass man sich vom Druck befreit, der sich auf ihm und der Fifa aufgebaut hat“, meinte Beckenbauer, der seit langen Jahren Weggefährte des umstrittenen Blatter ist. „Wir hatten eine sehr enge Beziehung, das ist sie immer noch“, sagte Beckenbauer.

Blatter hatte vier Tage nach seiner Wiederwahl Ende Mai angekündigt, bei einem außerordentlichen Fifa-Kongress sein Amt zur Verfügung stellen zu wollen. Die Fifa steht seit der Verhaftung mehrerer Spitzenfunktionäre im Zentrum eines Skandals. Die US-Justiz führt Ermittlungen wegen Korruption, Verschwörung sowie organisierten Verbrechens.

Zudem untersucht die Schweizer Staatsanwaltschaft die Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Dabei registrierten die Banken laut Schweizer Bundesanwaltschaft 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche. „Es gibt aber Tausende von Fußball-Funktionären in der Welt. Blatter kann nicht für alles und jeden verantwortlich gemacht werden“, befand Beckenbauer.

Afrikaner meldet Kandidatur an

Nach der brasilianischen Fußball-Legende Zico will auch der liberianische Verbandschef Musa Bilitiy als Nachfolger Blatters kandidieren. „Afrika ist der größte Block in der Fifa“, sagte der 48-Jährige der BBC, „wir müssen die Führung übernehmen, um den Fußball zusammenzubringen.“ Bility, der seit 2010 den Verband des westafrikanischen Landes führt, fühlt sich fähig für das Amt. „Wir alle sind der Meinung, dass der Fußball einen schwierigen Moment erlebt, und es sind schwierige Momente, in denen große Führer hervortreten“, sagte er.

Im Zuge des Korruptionsskandals gerät inzwischen auch die WM 2002 in Südkorea und Japan unter Verdacht. Einem Bericht der spanischen Sporttageszeitung „AS“ zufolge soll sich Japan die Unterstützung des südamerikanischen Verbandes Conmebol im Zuge der erstmaligen Vergabe des Weltturniers nach Asien mit 1,5 Millionen Dollar gesichert haben. Das Blatt beruft sich auf einen ehemaligen Conmebol-Mitarbeiter aus Paraguay als Kronzeugen und zeigt Dokumente, die den Geldtransfer belegen.

Im Zentrum des Verdachts steht der damalige Conmebol-Präsident Nicolas Leoz Almiron. Der 86 Jahre alte Paraguayer, von 1998 bis 2013 Mitglied der Fifa-Exekutive, steht seit einigen Tagen unter Hausarrest; die USA werfen ihm unter anderem Korruption, Bestechung und Geldwäsche vor und haben seine Auslieferung beantragt. Leoz soll die fragliche Summe vom früheren japanischen Verbandspräsidenten Ken Naganuma erhalten haben, der 2008 verstarb.