US Open

Jäger erfüllt sich seinen Golftraum auf die harte Tour

Deutscher erreicht die US Open auf ungewöhnlichen Umwegen

Chambers Bay im US-Staat Washington ist einer jener Golfplätze, in die man sich sofort verliebt. Eine wilde Ansammlung von Dünen, durch die sich die 18 Bahnen ziehen, auf denen am Donnerstag die US Open starteten. Ein paar Schiffchen treiben im vorgelagerten Wasser. Chambers Bay ist erst acht Jahre alt, auf derartig neuen Plätzen findet das zweite Major-Turnier des Jahres sonst nicht statt. Die Anlage bekam den Zuschlag, weil sie die Vorgabe der United States Golf Association voll erfüllt: Es soll das härteste Turnier des Jahres werden.

Neben Titelverteidiger Martin Kaymer und Marcel Siem durfte auch der Münchner Stephan Jäger, 26, erstmals bei einem Major starten, die deutschen Stars lernen den Landsmann dort erst kennen. Denn Jäger lebt seit fast zehn Jahren in Chattanooga/Tennessee und ging in Sachen Profigolf bislang die harte Tour: „Ich hatte es mir ja nicht so mühsam vorgestellt“, gab er zu: „Aber diese Jordan Spieths gibt es eben nur ganz selten.“ US-Masters-Champion Spieth ist 21 Jahre alt. Von Jäger trennen ihn Welten. Während der Deutsche auf der zweitklassigen Web.com-Tour in dieser Saison bislang 33.562 US-Dollar erspielte, verbuchte der Texaner bereits über sechs Millionen. Während Jäger nun den Cut überstehen will, geht es bei Spieth um den nächsten Major-Sieg. Er ist das Supertalent, Jäger der klassische Durchschnitts-Pro, der hartnäckig versucht, seinen Weg in die US PGA Tour, die oberste Liga, zu finden.

Als 16-Jähriger entschied sich Jäger, für ein Highschool-Jahr in die USA zu gehen, er blieb dann auch fürs College – jetzt lebt der Golfprofi bereits fast zehn Jahre in der 170.000-Einwohner-Stadt. „Am Anfang war es schwer so allein ohne Familie, aber nach ein paar Monaten kam ich da ganz gut zurecht“, erinnert er sich. „Die USA sind eine gute Heimat zum Arbeiten.“ Eine Rückkehr nach Europa war und ist keine Option: „Hier sind die Spielbedingungen und das Wetter besser.“ Selbst als es 2014 nicht mal für eine Tourkarte auf der zweitklassigen Web.com-Tour reichte, tingelte Jäger auf der PGA Tour Latinoamerica lieber durch Peru, Chile, Kolumbien und Argentinien. „Ich habe das Jahr in Südamerika sehr genossen“, sagt er. 13.284 Dollar hat er dort gewonnen. „Millionär bin ich noch nicht“, sagt Jäger lachend. „Aber auf der Straße lebe ich auch noch nicht. Und ich kann mich nicht beschweren, da viele meiner Freunde in Europa noch studieren oder gerade angefangen haben zu arbeiten.“ Jäger glaubt fest daran, dass er es noch bis in die lukrative PGA-Tour schafft. „Ich glaube, golferisch fehlt nichts. Ich muss nur zum richtigen Zeitpunkt gut spielen.“