Leichtathletik

Alles eine Frage der richtigen Matte

Wie die Istaf-Macher den Weltleichtathleten Lavillenie überzeugten, in Berlin zu springen

Superstars haben ihre Eigenheiten. Will man sie für eine Veranstaltung verpflichten, äußern sie gern mal Sonderwünsche – ein bestimmtes Bett, in dem sie weich (oder hart) schlafen, ein Restaurant, in dem sie ungestört zu speisen bevorzugen. Genügend Freikarten für ihre Entourage sind ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

Renaud Lavillenie ist ein Superstar des Sports, Weltleichtathlet 2014, Stabhochsprung-Olympiasieger und Weltrekordler mit überquerten 6,16 Metern. Der Franzose wird in diesem Jahr die Hauptattraktion des Internationalen Stadionfestes (Istaf) im Berliner Olympiastadion sein, wie Meeting-Direktor Martin Seeber am Mittwoch stolz verkündete. Als man sich über die finanziellen Modalitäten geeinigt und der 28-Jährige am vergangenen Donnerstag beim Sportfest in Oslo sein Ja-Wort gegeben hatte, äußerte Lavillenie nur noch eine Bitte: Wenn er sich am 6. September in die Höhe, im Optimalfall über eine Weltrekordhöhe schraubt, möchte er anschließend auf einer ganz besonderen Matte landen.

Ein Wunsch, dem die Istaf-Macher gern nachkommen. Lavillenie geht es nämlich weniger um ein weiches Aufkommen, sondern darum, dass die Matte am Einstichkasten besonders flach ist. Der Weltrekordler benutzt besonders weiche Stäbe, die sich extrem biegen. Ist die Matte am Einstichkasten aber hoch, kann es eine Berührung mit dem empfindlichen Arbeitsgerät geben, was wiederum den noch sensibleren Sportler stört. Um den Kontakt zu verhindern, wurde von der Firma Dima eine spezielle Matte entwickelt. Im Notfall würde nun sogar ein Abholdienst nach Paris geschickt, ein dort gelagertes Exemplar abzuholen.

Begeistert vom Fest in der Halle

Unabhängig davon ist Seeber und seiner Crew mit der Verpflichtung Lavillenies ein Coup gelungen. Schon beim Hallen-Istaf im Februar hatte er die Zuschauer in der ausverkauften O2 World begeistert – und sie ihn. „Renaud war extrem angetan, wie wir es schaffen, eine solche Verbindung zwischen Fans und Athleten zu schaffen“, berichtete Medienchef Claus Frömming. Schon da kam die Idee auf, dass der Franzose erstmals beim Istaf im Freien starten solle, denn auch im Olympiastadion nimmt die Show einen wichtigen Teil der Veranstaltung ein. Hauptsponsor Nike wurde ins Boot geholt, der den Großteil der Startgage übernahm, die bei rund 100.000 Euro liegen dürfte.

Der Athletenetat von rund 450.000 Euro wurde kaum belastet, so dass das Ziel realisiert werden kann, ein auch in der Breite hochklassiges Teilnehmerfeld anzubieten. 160 Athleten kommen nach Berlin, „mein Ziel bleibt, dass in zehn von 15 Wettbewerben die aktuellen Weltmeister starten“, sagte Seeber. Die WM findet vom 22. bis 30. August in Peking statt. Groß ist die Hoffnung, dass bis dahin die schwere Knieverletzung von Diskus-Riese Robert Harting auskuriert ist und er mit seinem Bruder Christoph in den Ring steigen kann. Außerdem bemühen sich die Veranstalter, neben Lavillenie weitere französische Topathleten zu verpflichten; sie wollen das Istaf zu einem „Fest der deutsch-französischen Freundschaft“ machen.

Seeber und Co. sind überzeugt von ihrem Weg, die Leichtathletik mit ihrem „Istaf 3.0“ populärer zu machen. Es gibt ja auch bereits Nachahmer gewisser Neuerungen. So wurde beim Diamond-League-Meeting in Birmingham vor Kurzem wie in Berlin mit Pyro-Effekten und LED-Banden gearbeitet. Das öffentliche Fernsehen wird diesmal fast zwei Stunden aus dem Olympiastadion senden, nachdem im Vorjahr die Resultate (14 Prozent Quote, 2,2 Millionen Zuschauer) die besten seit Jahren waren.

Als nächste Neuheit soll es im September mithilfe der Istaf-App für das Publikum möglich sein, Ergebnisse und Zeitplan auch auf Smartphones und Tablets zu verfolgen. Seit dem Champions-League-Finale zwischen FC Barcelona und Juventus Turin gibt es nämlich WLAN im Stadion. Nach Angaben Frömmings wurden bisher 32.000 Tickets verkauft, etwas mehr als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt. „60.000 bleiben unser erklärtes Ziel“, sagte Seeber.