Kriminalität

Fifa-Skandal: 53 Mal Verdacht auf Geldwäsche

Ermittlungen aber vielleicht erst nach der WM 2018 beendet

Michael Lauber, 50, ist der erste Bundesanwalt, der vom Schweizer Parlament nach der ersten Amtszeit noch einmal bestätigt wurde. Beim ersten Auftritt nach seiner Wiederwahl am Mittwoch nahm der smarte Anwalt gleich zu dem Thema Stellung, das inzwischen den Ruf seiner Nation gefährdet – zum Korruptionsskandal im Fußballweltverband Fifa mit Sitz in Zürich. Lauber mühte sich dabei klarzumachen, dass auch die Schweiz dem Treiben bei der Fifa nicht untätig zuschauet. „Ich habe nichts dagegen, wenn dies woanders zu Kollateralschäden führt“, sagte Lauber zu den Ermittlungen seiner Staatsanwaltschaft, die seit einer von der Fifa selbst gestellten Anzeige gegen Unbekannt im November 2014 laufen. Es bestehe der Verdacht auf kriminelle Misswirtschaft und Geldwäsche beim Vergabeprozess, hatte es geheißen.

Bei der Financial Intelligence Unit seien von Schweizer Banken seither 53 Verdachtsfälle für Geldwäsche gemeldet worden. Sollten sich dabei nun direkte Verbindungen zwischen Geldtransaktionen und den WM-Vergaben für 2018 und 2022 finden lassen, könnte die juristische Grundlage für eine Neuvergabe der Turniere in Russland oder Katar gegeben sein – und wohl auch für hohe Schadenersatzforderungen an die Fifa.

Verdacht gab es seit der umstrittenen Vergabe im Dezember 2010 zuhauf. Erst in den vergangenen Tagen waren neue Anschuldigungen gegen Brasiliens früheren Verbandschef Ricardo Teixeira aufgekommen. Er soll 30 Millionen Euro aus Katar auf einem Konto in Monaco erhalten haben. Lauber wollte aus ermittlungstaktischen Gründen keine Einzelheiten zu seinen Erkenntnissen preisgeben.

Der Fall sei auch angesichts der neun Terabyte großen Menge an bei der Fifa beschlagnahmten Daten „groß und komplex“ und könne sich lange hinziehen. „Diese Untersuchung wird länger gehen als die berühmten 90 Minuten“, sagte der Jurist. Es ist nicht mal sicher, ob vor der WM 2018 überhaupt Ermittlungsergebnisse vorliegen. „Der Zeitplan der Fifa ist mir völlig egal. Mich interessiert nur das Strafverfahren. Ich mache keine Politik“, betonte Lauber. Auch würden Dokumente und Erkenntnisse nicht automatisch mit den ebenfalls ermittelnden US-Behörden geteilt.

Für Fifa-Präsident Joseph Blatter entsteht also kein unmittelbarer Druck. Dass der 79-Jährige wie angekündigt seinen Platz räumt, bleibt also abzuwarten.