American Football

Ein Adler wie Tchato kennt keinen Schmerz

Football-Derby gegen die Rebels unter völlig neuen Vorzeichen

Als Thierry Tchato Freunden in Kamerun erzählte, er sei jetzt Bundesliga-Footballer, dachten die meisten, er habe es zum Fußballprofi geschafft. „Ich musste erst einmal erklären, was American Football überhaupt ist“, sagt Tchato. In seiner Heimat ist der Sport nahezu unbekannt, es gibt nicht mal einen Verband. Er selbst lebt seit vielen Jahren in Deutschland und machte 2002 bei einem Spiel der NFL Europe Bekanntschaft mit American Football. Das Spiel mit dem Ei faszinierte Tchato, doch er traute sich anfangs nicht zum Training, weil dort alle deutlich größer und kräftiger waren als er. Erst 2009, sieben Jahre nach einem Thunder-Spiel im Olympiastadion, schloss er sich dem Team der Berlin Adler an. Als Mitglied der Offensive Line ist er dort seither für den Schutz des Quarterbacks zuständig.

Am Sonnabend (18 Uhr, Mommsenstadion) treffen die Adler im Stadtderby auf die Berlin Rebels. Dass dieses Spiel überhaupt stattfindet, ist bereits ein Erfolg: Anfang des Jahres steckten die Adler in Schwierigkeiten; erst eine Crowdfunding-Aktion, die dem Verein rund 40.000 Euro einbrachte, sicherte den Verbleib in der Bundesliga. Allerdings verließen zahlreiche Leistungsträger den Klub. Viele von ihnen heuerten beim Lokalrivalen an. Ihren Platz haben überwiegend Talente aus der Jugendabteilung eingenommen.

An Tchatos Seite spielen jetzt zwei Jungadler. „Ich versuche ihnen die Angst vor dem Körperkontakt zu nehmen. Mir tut es auch weh, aber der Schmerz vergeht“, sagt er. „Früher hatten wir Spieler mit langjähriger Bundesligaerfahrung, in deren Schatten die Talente ins Team hineinwachsen konnten. Jetzt werden sie ins kalte Wasser geworfen“, erzählt Cheftrainer Eric Schramm. Doch er ist überzeugt: „Sie zerbrechen nicht daran, sondern sie wachsen mit ihren Aufgaben.“

Zwar hat das junge Adler-Team in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen, mit null Punkten steht der Klub am Tabellenende, vier Punkte hinter den Rebels. Doch die Fortschritte sind offensichtlich, seit mit Lemar Johnson ein neuer Quarterback aus den USA verpflichtet wurde. „Wir werden von Woche zu Woche besser“, meint Schramm. Absteigen können die Berliner nicht, dank des Rückzugs der Cologne Falcons. Sie können also nach oben schauen, bei zwei Siegen gegen den Lokalrivalen wäre sogar das Play-off ein Thema. „Wir haben keine Angst vor den Rebels“, betont Thierry Tchato.