Hockey

Auf den Spuren der Indianer Nordamerikas

Am Wochenende wurden beim Berliner HC die Deutschen Meister im Lacrosse ermittelt

Wer einen Hang für außergewöhnliche Sportarten hat, der bekam am vergangenen Wochenende Gelegenheit, sein Bedürfnis danach zu stillen. Auf der Anlage des Berliner Hockey Clubs fand das Final Four um die Deutsche Meisterschaft statt. Nein, nicht im olympischen Spiel mit dem Krummstab, der Sportart Nummer eins im BHC, sondern im Lacrosse. Auch das war übrigens mal olympisch. Aber das ist lange her.

Selbst Sportfans der Hauptstadt wissen kaum, dass Berlin im Lacrosse eine feste Größe ist. Dafür stehen zwei Vereine: der BHC, der bei den Männern 2014 Deutscher Meister war, und der SCC BLAX, der in seiner Geschichte ebenfalls bereits zu Titelehren kam. BLAX hatte eine Woche zuvor die 21. Berlin Open ausgerichtet, das größte Lacrosse-Turnier Europas. Gewonnen haben es das Nationalteam der Niederlande (Frauen) und der tschechische Spitzenklub Jizni Mesto bei den Männern.

Nun also nur kurz danach das nächste Highlight in der Hauptstadt. Lacrosse, und damit zum Grund-Schnellkurs, stammt von den Indianern des heutigen Kanada und der USA, die es Baggataway nannten. Ein französischer Jesuitenmissionar in Ontario erwähnte es 1634 erstmals und gab dem Spiel wegen der an einen Bischofsstab erinnernden Schläger das französische Wort dafür: La Crosse. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Montreal der erste Klub gegründet. Wenig später begann der Siegeszug der Sportart, die schnell auf andere englischsprachige Länder übergriff. Auch Frauen begannen ab 1890 mit dem Spiel.

1904 und 1908 gehörte Lacrosse zum olympischen Programm, mehrmals war es später Demonstrationssport. In Kanada wurde Lacrosse 1994 vom Parlament sogar zur Nationalsportart erklärt. Gespielt wird auf einem 55 Meter breiten, 102 Meter langen Feld. Das Tor ist 1,83 Meter mal 1,83 Meter groß und steht wie im Eishockey etwas innerhalb des Feldes, sodass auch hintenrum gespielt werden kann, was viele taktische Varianten ermöglicht. Bei den Männern beträgt die Spielzeit 4x20 Minuten, bei den Frauen 2x30 Minuten. Die Schläger für Angreifer (Short Stick) und Verteidiger (Long Stick) sind unterschiedlich lang. Am Kopfende des Schlägers befindet sich ein taschenartiges Netz (Pocket), das gleichzeitig präzises Passen und Ballkontrolle ermöglichen soll.

Dem Eishockey ähnlich

Eine Lacrosse-Mannschaft besteht aus bis zu 23 Spielern, von denen sich maximal zehn gleichzeitig auf dem Feld befinden dürfen – in der Regel drei Angreifer, drei Mittelfeld-, drei Abwehrspieler und ein Torwart. Gewechselt werden kann beliebig oft. Alles in allem gibt es viele Ähnlichkeiten mit anderen American Sports, vor allem Eishockey, aber auch Football. Begriffe für Regelverstöße wie Slashing, Tripping, Cross Checking oder Holding belegen das.

Zu sehen gab es all dies und jede Menge rasante Spielzüge und Tore beim BHC zuhauf. Leider ohne Berliner Beteiligung in beiden Konkurrenzen. Sowohl Titelverteidiger BHC als auch BLAX hatten bei der Play-off-Qualifikation als Fünfter und Sechster die nötige Platzierung unter den Top 4 verpasst. So wurde bei den Männern HLC München durch einen 11:4-Finalsieg über den ABV Stuttgart Meister. Bei den Frauen ist der DHC Hannover nach einem 13:12 über HLC München neuer Champion.

Beim BHC hatte nach dem Titelgewinn vor Jahresfrist ein Generationswechsel stattgefunden, zehn Spieler wechselten oder beendeten die Karriere. „Insofern haben wir eigentlich keinen Grund, groß enttäuscht zu sein. Schade ist natürlich, dass wir die Chance, vor Heimpublikum anzutreten, nicht nutzen konnten“, sagt Männer-Trainer und BHC-Abteilungschef Henrik Neumann. Der 43-jährige Rechtsanwalt, einst Nationalverteidiger, hat ein Team aufgebaut, das in den vergangenen Jahren immer zu den deutschen Top 4 gehörte – als Vizemeister 2010, Dritter 2012 und 2013, Champion 2014.

Neumann macht den Job ehrenamtlich, die stärksten Konkurrenten haben meist hauptamtliche Coaches aus Übersee. Bei der WM 2014 in Denver, Colorado, waren dennoch gleich acht BHC-Akteure im Einsatz: drei für Deutschland, je einer für die Niederlande (16.) und Kolumbien (37.), drei für Tschechien (14.). Ein Randsport also mit hoher Qualität.