Personalien

Verwirrspiel um Hertha-Trainer Dardai hält an

Bleibt der 39-Jährige doch Coach der Nationalelf Ungarns?

Die Aussagen von Pal Dardai nach dem Sieg der ungarischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation in Finnland (1:0) werden nicht jedem gefallen haben, der Hertha BSC zugetan ist. So wurde der 39-Jährige in Medien aus seiner Heimat zitiert: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich gern beende, was ich begonnen habe.“ Was nicht weiter verwirrend wäre, hätte Dardai nicht gerade erst einen Vertrag als Cheftrainer des Berliner Fußball-Bundesligisten unterschrieben. Macht er nun, da sich die Ungarn anschicken, die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft seit 1972 zu realisieren, doch einen Rückzieher?

Fakt ist: Dardai ist in Doppelfunktion tätig, als Coach bei Hertha und dem ungarischen Verband MLSZ. Nach dem knappen Klassenerhalt in der vergangenen Saison hat der Verein den ehemaligen Profi mit einem Einjahresvertrag als Cheftrainer ausgestattet. Sollte er das Vertrauen nicht erfüllen, könnte er zurückkehren in seine frühere Funktion als Hertha-Jugendtrainer.

In Ungarn, dessen Nationalteam er seit September 2014 betreut, läuft sein Vertrag noch bis Ende der Qualifikation im November. MLSZ-Präsident Sandor Csanyi hatte erst Anfang Mai erklärt: „Mein Gefühl sagt mir, dass Dardai die Nationalelf bis November 2015 leiten wird.“ Ein entsprechender Vertrag sei von allen drei Parteien – Hertha, MLSZ und Dardai – unterschrieben, so Csanyi. Bei Hertha wiederum ist man von der Doppelfunktion alles andere als begeistert, weshalb es eine Klausel gibt, die Dardai von seinen Pflichten gegenüber den Ungarn entbindet. Von dieser Klausel will der Klub nun offenbar Gebrauch machen.

Gespräche sind für Juli angesetzt

Dardais Äußerungen in den Medien seines Heimatlandes lassen jedoch vermuten, dass er die Magyaren doch gern zur EM führen will. Wer will sich schon gern die Chance entgehen lassen, ein Volksheld zu werden? „Ich weiß nicht, was in meinem Vertrag steht“, wird er zitiert. Und: „Von hier aus ist es sehr schwierig, mich zu zerreißen. Mein Herz schlägt ungarisch.“ In der Morgenpost hatte der Trainer die Aufgabe bei Hertha als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet.

Ungarn liegt in der Gruppe F mit elf Punkten hinter Rumänien (14) und Nordirland (13) in Lauerstellung. „Das Ziel ist Platz zwei“, so Dardai – und damit die direkte Qualifikation für Frankreich.

Hertha-Manager Michael Preetz ließ per Klubhomepage mitteilen: „Wir freuen uns mit Pal über diesen wichtigen Sieg und wünschen ihm jetzt erst mal ruhige Tage der Erholung.“ Nach dem Trainingsstart (28. Juni) soll es im Juli Gespräche mit Dardai über das weitere Vorgehen geben. Danach will man mit Ungarns Verband reden.