Weltserie

Gold ist nicht alles

Wasserspringer Patrick Hausding schwächelt nach einer Reise um die Welt bei der Heim-EM

Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ machte den französischen Schriftsteller am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem wohlhabenden Mann. Bis in die heutige Zeit hat solch ein Trip trotz Digitalisierung und Überschall noch immer seinen besonderen Reiz. Zumindest für Wasserspringer Patrick Hausding.

Ab Mitte März startete der Berliner auf allen sechs Stationen der Weltserie, von Peking reiste der 26-Jährige nach Dubai, über Kasan (Russland) und London ging es bis Ende Mai nach Windsor (Kanada) und Merida (Mexiko). Neben Reiseabenteuern und besonderen Erlebnissen – in Großbritannien hatte es beispielsweise erstmals ein Flitzer vor laufenden TV-Kameras auf den Sprungturm geschafft – gab es auch Prämien, die Hausding in dieser kurzen Zeit schnell mal 30.000 Euro verdienen ließen. In einem Randsport wie Wasserspringen gibt es das nicht oft.

„Diese Jetset-Leben macht Spaß, ist aber auch anstrengend“, erzählt Hausding. Das zeigt sich gerade bei der Europameisterschaft in Rostock, wo der Dreifachsieger des Vorjahres bislang „nur“ Silber und Bronze gewann. „Natürlich waren wir nicht gut vorbereitet. Bei der ganzen Reiserei geht schon die Fitness etwas zurück, und es schleichen sich kleine technische Fehler ein“, erklärte Hausding: „Aber unter den Scheffel stellen muss ich mich deswegen sicher nicht.“ Immerhin hat der erfolgreichste Springer des Kontinents nun insgesamt 25 EM-Medaillen gewonnen. Zudem gibt es am Sonntag (14 Uhr, ZDF) noch eine Titelchance vom Turm im Synchronspringen mit Sascha Klein, mit dem er seit 2008 sieben Mal in Serie gewonnen hat. „Wir haben ihm nicht den Kopf abgerissen“, betonte Bundestrainer Lutz Buschkow: „Er ist halt auch nur ein Mensch.“ Im nächsten Jahr werde man für die Olympischen Spiele in Rio sicher andere Prioritäten setzen. Das gilt auch für Nora Subschinski und Tina Punzel (Berlin/Dresden), die am Sonnabend vom Drei-Meter-Brett Silber holten. Eine Sensation gelang dem Dresdner Martin Wolfram, der Gold vom Turm gewann.

In den sechs Wochen bis zur WM in Kasan will sich Hausding regenerieren und viel Zeit daheim verbringen. Auch um die Schmerzen am Knie zu kurieren, wegen denen er zuletzt nur mit Schmerztablette in Wettkämpfe ging („Um mental frei zu sein“). In Russland will er nachholen, was ohne EM-Titel in Rostock bisher misslang: einen Quotenplatz für Olympia sichern. „Dafür reicht ein Platz im WM-Finale der besten Zwölf, das ist machbar, deswegen war diese EM auch nur eine Durchgangsstation.“ Und Gold für einen Weltreisenden nicht alles.