Fußball

Für die DFB-Frauen beginnt die WM jetzt richtig

Am Donnerstag geht es gegen Norwegen um Einzug in die nächste Runde. Brasilianerin Marta jetzt Rekordtorschützin

Diese Chance ließ sich Marta nicht entgehen. Zwar lautet eine ungeschriebene Regel beim Männer- wie beim Frauenfußball, dass der oder die Gefoulte einen Elfmeter nicht selbst schießen soll. Aber die brasilianische Stürmerin kümmerte sich nicht um solche Bedenken. Nachdem sie von der ungestümen Südkoreanerin Cho Sohyun im Strafraum umgesäbelt worden war, legte sie sich den Ball auf den Elfmeterpunkt – und verwandelte mit der Innenseite ihres linken Fußes unhaltbar ins linke untere Eck. Es war in der 53. Minute der 2:0-Endstand für das brasilianische Team gegen die Asiatinnen bei der Frauen-WM in Kanada.

Ein Tor durch Marta, eigentlich nichts Besonderes, doch dieser Treffer am Mittwoch in Montreal hatte eine historische Dimension und wurde von Marta auch entsprechend euphorisch bejubelt. Denn es war ihr 15. Tor bei einer Weltmeisterschaft. Damit ist sie nun alleinige Rekordtorschützin. Bisher musste sie sich diesen Titel mit Deutschlands ehemaliger Ikone Birgit Prinz (14) teilen.

Nur schade, dass das Publikum überschaubar war, das Martas Rekordtor live miterlebte. Zwei- bis dreitausend Unentwegte werden es gewesen sein. Offiziell wurden zwar 10.175 Zuschauer gemeldet, aber es wurden wohl einfach die Fans dazugezählt, die sich beim Spiel zwischen Spanien und Costa Rica (1:1) in der Arena befunden hatten, das vorher stattgefunden hatte.

Leere Ränge in Montreal

Offenbar ist die WM in Montreal noch nicht so richtig angekommen. In Edmonton, beim Auftaktspiel der Gastgeberinnen gegen China, waren hingegen 54.000 Fans dabei, bei Deutschlands 10:0-Kantersieg gegen die Elfenbeinküste schauten in Ottawa immerhin gut 20.000 Interessierte zu.

Auch am Donnerstag (22 Uhr, ARD) wird es in Ottawa sicherlich einen guten Zuschauer-Zuspruch geben. Schließlich stehen sich mit Deutschland und Norwegen zwei Topteams gegenüber. Im „EM-Finale reloaded“ geht es ans Eingemachte. Nach dem Torfestival gegen die Elfenbeinküste (10:0) wartet ein ganz anderes Kaliber auf die deutschen Fußballerinnen. „Das wird ein Spiel auf Augenhöhe. Das sind die Spiele, in denen man schon mal richtig grätschen kann, das macht auf jeden Fall Bock“, sagte Mittelfeldspielerin Simone Laudehr voller Vorfreude auf die zweite Etappe der Titelmission in Kanada. 683 Tage nach dem 0:1 im EM-Finale in Schweden dürften die Norwegerinnen besonders heiß auf die Neuauflage sein. Siegtorschützin war damals Anja Mittag, die auch diesmal dabei ist. Klar, dass sich die 30-Jährige noch bestens an den triumphalen Augenblick am 28. Juli 2013 erinnert. Das Datum hat sie sich sogar auf den Arm tätowieren lassen.

Auch das Wiedersehen mit Nadine Angerer könnte bei den Skandinavierinnen alte Wunden aufreißen. Die Torhüterin parierte in Solna sensationell zwei Elfmeter der Norwegerinnen. Die DFB-Spielführerin erwartet im 39. Aufeinandertreffen ein Spiel ohne Geheimnisse: „Wir haben schon so oft gegeneinander gespielt. Das wird ein 50:50-Spiel.“ Gegen kein anderes Team der Welt hat Deutschland so oft gespielt wie gegen Norwegen. In 38 Duellen siegten die DFB-Frauen 20 Mal, 14 Partien gingen verloren.

Ein Remis würde reichen, um als punktgleicher Tabellenführer zum letzten Gruppenspiel gegen Thailand nach Winnipeg zu reisen. Norwegen hatte die Asiatinnen 4:0 bezwungen. Im Fernduell käme es dann am Montag (22 Uhr, ZDF und Eurosport) wohl zu einem Wettschießen der beiden Ex-Weltmeister gegen die beiden WM-Debütanten (Norwegen trifft auf die Elfenbeinküste), da bei Punktgleichheit zunächst die bessere Tordifferenz über die Platzierung entscheidet. Bei einem Erfolg wäre der Sieg in Gruppe B – bei allem Respekt vor Thailand – nur noch Formsache.