Fußball

Weltmeister im Sommermodus

Niederlage für müde DFB-Elf – Ein Tor von Götze ist gegen Klinsmanns US-Boys zu wenig

Die USA räumen gerade mächtig im Weltfußball auf. Die amerikanische Staatsanwaltschaft in New York wühlt sich durch die Sumpflandschaft des Weltverbandes Fifa und bringt alte Größen zu Fall. Und dann ist da ja auch noch diese Fußballnationalmannschaft aus Übersee, trainiert vom Deutschen Jürgen Klinsmann. Auch sie gefällt sich derzeit ziemlich gut darin, alte Machtverhältnisse ins Wanken zu bringen. Sportlich versteht sich. Vor Kurzem gewann das US-Team 4:3 gegen die Niederlande, immerhin WM-Dritter. Und am Mittwochabend musste sich sogar der Weltmeister aus Deutschland dem Fifa-Weltranglisten-27. in Köln mit 1:2 (1:1) geschlagen geben.

Schlechte Chancenverwertung

Die Elf von Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich dabei zwei Wochen nach Ende der Bundesliga-Saison und drei Tage vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am Sonnabend im portugiesischen Faro reichlich uninspiriert. Nach dem Führungstreffer von Mario Götze (12.) glich Mikkel Diskerud aus (41.). Drei Minuten vor Schluss traf Bobby Wood zum nicht unverdienten Sieg für die USA. „Mit der ersten Halbzeit bin ich sehr, sehr zufrieden“, sagte Löw, „aber in der zweiten Halbzeit sind uns zunehmend die Kräfte geschwunden.“

Die Auswahl des DFB nennen sie ab sofort nur noch „Die Mannschaft“. Gegen die USA hätte sie allerdings „Die halbe Mannschaft“ heißen müssen: In der Startelf standen nur sechs Profis, die in Brasilien zum Weltmeisterkader gehörten. Der Bundestrainer hatte einigen verdienten Spielern wie Thomas Müller erspart, ihren Urlaub zu unterbrechen. Für den abwesenden Manuel Neuer stand Ron-Robert Zieler im Tor. Die Abwehrreihe um den Local Hero Jonas Hector vom 1. FC Köln, den gebürtigen Berliner Antonio Rüdiger, Shkodran Mustafi und Sebastian Rudy konnte gerade mal auf eine durchschnittliche Länderspielerfahrung von fünfeinhalb Partien zurückblicken. Sie sollte später auch einige Male wackeln.

Zudem durfte Patrick Herrmann sein Debüt in der Nationalmannschaft geben. Er hat sich damit die Etikette verdient, der 100. Spieler zu sein, den Löw in seiner Zeit als Cheftrainer seit August 2006 einsetzte. Herrmann war schon vor mehr als zwei Jahren mal gegen Kasachstan beim DFB-Tross dabei, kam aber nicht zum Einsatz. Vielleicht wollte der 24-Jährige sich gerade deshalb nun besonders zeigen. Das Spiel war noch keine Viertelstunde alt, da riss Herrmanns Sololauf die halbe US-Abwehr auseinander, der Gladbacher steckte durch auf Götze, und der schob zum 1:0 ein (12.). „Patrick hat es heute sehr gut gemacht, weil er diesen Zug zum Tor hatte“, lobte Löw.

Ansonsten aber wendete sich der Bundestrainer auffällig oft kopfschüttelnd vom Spiel ab und setzte sich murrend auf die Trainerbank. Zum Beispiel, als Götze das 2:0 auf dem Fuß hatte, allerdings freistehend zu lässig vergab (32.). „Wir hätten nachlegen müssen“, bemängelte Zieler, und auch Löw war das vermutlich ein bisschen zu viel lauer Sommerfußball bei diesem ungeliebten Testspieltermin. Das Problem war nämlich, dass sich die USA keineswegs im Urlaubsmodus befanden: Als Titelverteidiger steht Klinsmanns Elf vor der Kontinentalmeisterschaft, dem Gold Cup Anfang Juli im eigenen Land und Kanada. Und so ging das Team auch zu Werke: entschlossen, kraftvoll, selbstbewusst. Wie man es eben von Klinsmanns Mannschaften kennt. 2006 hatte er so die deutsche Auswahl bekanntlich zu Platz drei bei der Heim-WM geführt. Ein einfacher Diagonalpass von Michael Bradley überwand den schwachen Rudy rechts in der Viererkette, und Diskerud traf aus spitzem Winkel zum Ausgleich (41.).

John Anthony Brooks bejubelte dessen Treffer etwas verhalten. Zum ersten Mal stand der Innenverteidiger von Hertha BSC gegen sein Geburtsland in der Startelf des US-Teams. Auch er möchte gern zum Gold Cup. Brooks empfahl sich mit einem guten Stellungsspiel und einigen feinen Pässen.

Khedira trifft nur die Querlatte

6000 Plätze blieben am Mittwochabend in Köln leer. Die verbleibenden 40.348 Zuschauer freuten sich dafür umso mehr, als Löw zur zweiten Halbzeit Lukas Podolski einwechselte. Der „Ur-Kölner“ aber blieb blass wie so oft zuletzt. Löw wechselte insgesamt fünf Profis ein, was auch nicht förderlich für den Spielfluss war. Der Weltmeister hatte Glück, als der eingewechselte Jordan Morris knapp das deutsche Tor verfehlte (75.) und Zieler den strammen Schuss von Bradley aus kurzer Distanz gut parierte (83.). Dem Flachschuss aus 20 Metern des eingewechselten Wood aber konnte der Hannoveraner nichts entgegenhalten (88.). Deutschland verlor, weil ein Kopfball vom eingewechselten Sami Khedira in der Nachspielzeit nur an der Latte landete.