Fifa

Niersbach fordert plötzlich schnellen Rücktritt Blatters

Offener Brief des DFB-Chefs mit Forderungen zur Fifa-Reform

Nach der Kritik an seinem Auftreten rund um den Skandal beim Weltverband Fifa ist Wolfgang Niersbach mit einem offenen Brief an die deutsche Fußball-Basis in die Offensive gegangen. Darin formuliert der DFB-Präsident zehn Vorschläge für eine Reform des Weltverbandes und verteidigt das deutsche Sommermärchen 2006. „Fußball ist Lebensfreude, Freundschaft, Gemeinschaft und Gesellschaft. All das dürfen und werden wir uns nicht kaputt machen lassen“, schrieb Niersbach in dem Brief an die rund 26.000 Vereine des größten Sportfachverbandes der Welt.

Niersbachs geht es in seinem Zehn-Punkte-Plan vor allem um die Umsetzung von Demokratisierungsprozessen bei der Fifa wie eine Amtszeitbeschränkung oder den Integritätscheck für Top-Funktionäre durch externe Experten. Punkt eins seiner Botschaft betrifft den Wechsel an der Spitze: „Bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung erweist Sepp Blatter sich und dem gesamten Fußball keinen Gefallen damit, seinen von ihm selbst angekündigten Rücktritt hinauszuzögern.“ Es müsse zügig ein neuer Präsident gewählt werden, „der für einen überzeugenden Neubeginn steht“. Der Kongress mit der Wahl soll am 16. Dezember stattfinden.

Zudem dürfe „Korruption im Fußball keinen Platz haben. Kriminelle Machenschaften müssen konsequent aufgedeckt und geahndet werden“. Konkrete Vorschläge macht Niersbach zum WM-Vergabeverfahren, in denen künftig Menschenrechtsfragen berücksichtigt werden sollen. Recht vage bleibt der 64-Jährige bei den Themen „Kontrolle der Geldflüsse“ oder der Stimmgewichtung im Fifa-Kongress, wo alle 209 Mitglieder bislang gleichberechtigt sind, was dem großen DFB schon lange missfällt.

Besondere Herzensangelegenheit ist Niersbach die Verteidigung der WM 2006 in Deutschland gegen jeden Korruptionsverdacht. Es sei traurig zu sehen, „wie Gier und fehlende Moral einiger weniger den gesamten Fußball unter einen Generalverdacht stellen, bis hin zu unserem wunderbaren Sommermärchen“, so Niersbach. „Wir haben bei unserer Bewerbung nicht mit unlauteren Methoden agiert, vielmehr bekam Deutschland nach acht Jahren akribischer Arbeit 2000 in einem sauberen Verfahren den Zuschlag und präsentierte sich 2006 der Welt als freundlicher, freundschaftlicher Gastgeber“, schreibt der DFB-Chef, der damals als rechte Hand von Franz Beckenbauer maßgeblich beteiligt war.

Zuletzt hatte es aus der deutschen Politik Forderungen nach einer Untersuchung der WM-Vergabe gegeben. Mehrere andere Turniere, besonders die WM 2010 in Südafrika, stehen unter akutem Verdacht, durch Millionenbestechungszahlungen an Fifa-Funktionäre ermöglicht worden zu sein. Südafrika war Deutschland bei der Abstimmung für das Turnier 2006 mit 11:12 Stimmen knapp unterlegen gewesen.