Porträt

Tim Donner ist das Gesicht der Spandauer Zukunft

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Klaus Weise

Der 22-Jährige steht mit den Wasserballern im Finale

Alle Jahre wieder: Spandau 04 kontra ASC Duisburg, so lautet erneut die Finalpaarung um die deutsche Wasserball-Meisterschaft. Mit Ausnahme des Titel-Duells von 2006 zwischen den Berlinern und dem SV Cannstatt – mit dem Sieg der Schwaben – ist es seit 2003 die Daueraufführung mit nahezu identischem Ausgang: Spandau gewinnt, Duisburg wird Vize. Nur 2013 war es anders. Da holten sich die Westdeutschen nach dem Pokal und der Meisterschaft (3:1 Siege) sogar das Double. Im Jahr darauf stellten die Hauptstädter mit dem Gewinn beider nationaler Wettbewerbe die alte Hierarchie wieder her. Am Mittwoch steht das erste Spiel der Serie „Best of three“ in Duisburg auf dem Programm.

Insgesamt haben die Wasserfreunde 82 Pokale seit Beginn ihrer Dominanz im Jahr 1979 in ihren Trophäenschränken stehen: 33 Mal waren sie Deutscher Meister, 30 Mal Pokalsieger, 13 Mal holten sie den unregelmäßig ausgetragenen Supercup, vier Mal den Europacup der Landesmeister, zweimal den europäischen Supercup. Tim Donner, 22, war gerade mal bei vier dieser 82 Titelgewinne dabei – Meisterschaft und Pokalsieg 2013/14, Supercup- und Pokaltriumph 2014/15. Er gehört zu den Jungen beim Titelverteidiger, zu denen noch Vincent Hebisch, 20, Philipp Gottfried, 21, der Serbe Petar Markovic, 21, und Maximilian Costa, 18, zählen.

Donner ist derjenige von ihnen, der sich zuletzt am besten entwickelt hat, die größten Spielanteile bekommt und bereits bei mehreren Nationalteam-Lehrgängen dabei war. „Er ist zu einem Faktor in unserem Spiel geworden, einer, dem der Gegner nicht zu viel Raum lassen darf, wenn er nicht bestraft werden will“, lobt Manager und Co-Trainer Peter Röhle. Donner sei „mutiger und frecher“ geworden. Donner ist in den Augen des einstigen Weltklasse-Torwarts Röhle, der bei allen 82 Titeln als Aktiver oder Verantwortlicher dabei war, so etwas wie „das Gesicht der Spandauer Zukunft“. Der 1,94 Meter große und 87 Kilogramm schwere Athlet ist seit 1998 Mitglied des Klubs und sogar in Spandau geboren.

Bis 2006 war er Schwimmer, nach eigenem Bekunden „vielleicht 20 bis 30 Mal Berliner Meister“. Dann wurde ihm das „Kachelzählen“ zu öde – und er landete bei den Wasserballern. Natürlich hat er das Schwimmtalent in die artverwandte Disziplin mitgenommen, womit eine der Stärken des als Allrounder einsetzbaren Studenten (Mathe/Physik für Lehramt) an der Humboldt-Uni damit genannt ist. „Schubweise“ habe er sich entwickelt, sagt Donner und schiebt schnell nach, „dass ich dabei aber noch lange nicht am Ende bin.“ Das Beste soll erst noch kommen. 2012 war er mit Spandaus A-Jugend Deutscher Meister, 2014 mit den Männern. Natürlich ist die Nationalmannschaft sein Ziel: „Das ist der Grund, warum ich das alles mache.“

Start am Mittwoch in Duisburg

Es ist nicht einfach, Studium und Sport zu verbinden. Morgens Training, dann Uni, später manchmal noch weitere Einheiten. „Es ist machbar, es geht“, sagt er vorsichtig. Donner spricht aber auch davon, dass er in diesem engen Zeitrahmen eben auch mal ohne Essen auskommen muss. Bis Januar stand er im B-Kader, dann ist er im Personal- und Kader-Tohuwabohu des Verbandes nach den Querelen um Bundestrainer Nebojsa Novoselac aus diesem Kreis herausgefallen.

Wasserball aufzugeben, das ist dem mit seiner Freundin, einer Pharmaziestudentin, in Schöneberg lebenden Athleten noch nie eingefallen. Allerdings müsse man sich hierzulande mit Blick auf die Förderung der olympischen Sportart entscheiden, was man will. „Wenn man unten nicht investiert, kann oben nichts herauskommen.“ Fürs Studium Mathematik/Physik habe er sich entschieden, „weil ich es mag, wenn man bei Aufgaben genau sagen kann, was richtig und was falsch ist.“ Das wünscht er sich im deutschen Wasserball auch.