Freundschaftsspiel

Freunde fürs Leben

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Alexander Laux

Vor dem DFB-Länderspiel gegen die USA schwelgen Joachim Löw und Jürgen Klinsmann in gemeinsamen Erinnerungen

Beim Boxen hätte der Ansager ordentlich was zu tun gehabt. In der einen Ecke der 55-jährige amtierende Weltmeister mit einem Rekord von 80 Siegen und 22 Remis in 119 Spielen bei nur 17 Niederlagen, WM-Dritter 2006 und 2010, Vize-Europameister 2008. Der 50-jährige Herausforderer, der immer noch sein Kampfgewicht von 76 Kilo hält, holte 2013 als Trainer den Concacaf Gold Cup und erreichte bei der WM 2014 das Achtelfinale. Nicht zu vergessen die Welt- und Europameister-Ehren als Spieler. Joachim Löw versus Jürgen Klinsmann, dieser gemeinsame Auftritt vor dem Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und den USA (20.45 Uhr, ARD) hätte durchaus eine Einlaufmusik verdient gehabt.

Hätte. In der Mercedes-Zentrale dudelte nur seichte Jazzmusik vom Cooltrane Quartet, bevor erst Klinsmann und später der Bundestrainer das Podium betraten. Und als umkämpft durfte das Duell nur hinsichtlich der Frage bezeichnet werden, wem es gelingt, den anderen noch überschwänglicher zu loben und zu bewundern. „Seit 2001 haben sich die USA deutlich in allen Bereichen gesteigert“, hob Löw an, „das hohe taktische Niveau, die mutige Einstellung auf dem Platz, das Tempo, die Intensität und überhaupt das ganze professionelle Arbeiten zeugen von einer unglaublichen Entwicklung der USA. Und all das sind ja Charaktereigenschaften, die auch auf Jürgen zutreffen.“ Treffer.

Prompt ging Klinsmann zur Gegenattacke über. „Unvergessen ist, wie uns der Jogi beim Trainerlehrgang in 30 Sekunden das Verschieben der Viererkette erklärt hat“, sagte der gebürtige Schwabe. Wissendes Lächeln beim Nebenmann. „Egal wo ich bin: Alle reden von Jogi und seiner Truppe. Die Arbeit in der Bundesliga ist vorbildlich, alle in der Welt schauen auf Deutschland. Meine Jungs sollen den Moment genießen.“ Treffer.

Aber ernsthaft: Der größte Verdienst Klinsmanns liegt wohl darin, den Teamgedanken gefördert zu haben. „Für mich, der seit 1998 in Amerika lebt und viel von anderen Sportarten und Geschäftsbereichen gelernt hat, ist es wichtig, Leute mit Verantwortung um mich zu haben, die in ihrer Rolle ihre Aufgabe erledigen und auch die Anerkennung erhalten. Anders als der deutsche Cheftrainer, der rumkommandiert“, sagte Klinsmann kurz nach seinem Amtsantritt 2011. Diese Verantwortungsübergabe praktizierte er auch von 2004 und 2006 im DFB-Team.

Gelingt es Klinsmann nun mit dem US-Team, den Titel beim Gold-Cup (Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik nehmen teil) zu verteidigen, ist die Teilnahme am Confed-Cup 2017 in Russland gesichert. Ein großer Erfolg wäre das, doch Klinsmann weiß, dass erst das Vorstoßen in ein Viertelfinale bei einer WM für einen weiteren Schub in seiner neuen Heimat sorgen würde. „Unser Ziel ist es, eines Tages das Halbfinale zu erreichen, aber hier liegt noch ein gewaltiger Weg vor uns. Sportarten wie Football, Basketball und Baseball stehen vor uns. Aber wir sind im Kommen.“

Und heute Abend? Klinsmann gab zu, dass er wieder aufpassen muss, nicht bei einem deutschen Treffer zu jubeln. „Ein Schuss Fan steckt noch immer in mir drin.“ Die Hymnen wird er beide mitsingen. Doch ganz am Ende ist es mit der Diplomatie dann doch vorbei. „Die USA-Hymne ist die schönste auf der Welt.“