Formel 1

Scharte ausgewetzt – Vierter Sieg für Hamilton

Fragwürdiger Funkspruch von der Mercedes-Box – Vettels fulminante Aufholjagd von Platz 18 endet auf Rang fünf

Die Pseudo-Spannung beim vermeintlichen Duell zwischen den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg beim Großen Preis von Kanada konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man bei den Silbernen die Monaco-Scharte auswetzen musste. Im Fürstentum hatte eine eklatante Fehleinschätzung an der Box Hamilton um den Sieg gebracht. Rosberg profitierte.

Auf der Ile Notre Dame vor den Toren Montreals galt es das Ergebnis umzudrehen, was glückte, aber irgendwie nicht befriedigte. Rosberg ist die Nummer zwei, daran gibt es keine Zweifel mehr. Was nicht zuletzt durch einen mindestens fragwürdigen Funkspruch in Richtung Hamilton untermauert wurde. Der Silberpfeil-Kommandostand unterrichtete die Nummer eins im Team über den Zustand der Rosbergschen Bremsen und dessen Spritverbrauch. Das ist verboten, aber einmal gesagt nicht rückgängig zu machen. Eine entsprechende Frage Rosbergs in Richtung Box wurde sinngemäß mit „Dürfen wir doch nicht sagen“ beantwortet. Was nichts an der fehlerfreien Fahrt von Hamilton zu seinem vierten Saisonsieg änderte. Rang drei ging an den Finnen Valtteri Bottas im Williams.

„Nico ist sehr, sehr schnell, aber ich hatte ihn insgesamt unter Kontrolle. Trotzdem war es sehr intensiv und hat Spaß gemacht“, blieb Hamilton in seichtem Fahrwasser. Und Rosberg? Ganz Team-Player sagte der 29 Jahre alte Deutsche: „Ich wollte Lewis schon unter Druck setzen, aber er hat keinen Fehler gemacht. Es war eine gute Leistung von uns beiden.“

Sebastian Vettel hatte seine Chancen auf einen Podestplatz im Prinzip am Sonnabend eingebüßt. Wegen eines Technik-Defekts an seinem Ferrari war er in der ersten K.o.-Runde der Qualifikation ausgeschieden. Zudem stuften ihn die Rennkommissare wegen eines Überholmanövers unter Roter Flagge im Training um fünf Ränge zurück. Letztlich musste Vettel von Position 18 aus eine mühevolle Aufholjagd starten.

Fast-Kollision mit Hülkenberg

Dies tat der vierfache Champion aus Heppenheim, verlor dann aber bei seinem frühen ersten Boxenstopp mit kleinen Problemen wertvolle Sekunden. Mit tollen Rundenzeiten demonstrierte Vettel, dass für ihn ohne die diversen Zwischenfälle ein Podiumsrang realistisch gewesen wäre. Im 44. Umlauf wäre er allerdings beinahe mit seinem Landsmann Nico Hülkenberg kollidiert. Der Force-India-Pilot aus Emmerich, am Ende Achter, verhinderte durch einen Dreher indes einen spektakulären Crash. Vettel zu Rang fünf: „Ich wäre schon ganz gern ein wenig weiter nach vorn gekommen, aber wenn man hinten losfährt ist eben nicht mehr drin.“

Hamilton liegt nach seinem insgesamt 37. Grand-Prix-Erfolg in der WM-Wertung nach sieben von 19 Läufen mit 151 Punkten an der Spitze. Rosberg (134) ist Gesamtzweiter vor Vettel (108).

Unabhängig vom Kanada-Ergebnis dreht sich die Formel 1 auf der Suche nach einem Weg aus der momentanen Krise im Kreis. In der quälenden Reformdebatte stritten sich die Grand-Prix-Gewaltigen um die immer gleichen Themen – und fanden doch keinen Konsens. Stattdessen sprachen sich die Teams plötzlich gegen die gerade erst von ihnen mitbeschlossenen Pläne für eine Rückkehr des Nachtankens aus. „Wir sollten aufhören, herumzualbern und nach Meinungen zu fragen“, sagte Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone, genervt von den vielen ergebnislosen Diskussionsrunden.

Das jüngste Gerücht ist ein altes: Mit Kundenautos, also einem kompletten Mietwagen-Paket, sollen die großen Rennställe die kleinen Teams versorgen. Die klammen Hinterherfahrer wären damit sportlich zwar in der Theorie konkurrenzfähig, im Umkehrschluss aber auch weitgehend abhängig von den Branchenriesen wie Ferrari, Mercedes und Red Bull. „Die Teams, die das anstreben, wollen sich damit Mehreinnahmen sichern, an die sie sonst nicht kommen würden“, vermutete Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn finanzielle Interessen hinter den Plänen. Neben den großen Teams gilt auch Boss Ecclestone als Befürworter. Sauber, Lotus und Force India wollen ihre Freiheit als Autobauer aber nicht eintauschen.