FIFA

Blatter: „Beckenbauer hat Niersbach zusammengefaltet“

Nach wilden Tiraden gegen die USA und die Uefa hat Fifa-Präsident Joseph Blatter den verbalen Feldzug gegen seine Widersacher fortgesetzt.

Seinen Freund Franz Beckenbauer benutzte er dabei als vermeintlichen Kronzeugen für einen Frontalangriff gegen die Spitze des deutschen Fußballs. „Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte“, sagte Blatter der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“. Beckenbauer und der damit massiv angegangene DFB-Chef Wolfgang Niersbach dementierten dies umgehend.

„Ich habe mit Wolfgang Niersbach freundschaftlich diskutiert. Von Zusammenfalten kann überhaupt keine Rede sein“, sagte Beckenbauer der „Bild“. Niersbach, seit Freitag Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee, ließ verlauten: „Ein Telefonat mit dem Inhalt hat nicht stattgefunden.“ Mit seinen Anschuldigungen setzte Blatter sein unsouveränes Gebaren nach der knapper als erwarteten Wiederwahl fort. Eine Strategie für den Weg aus der größten Krise des Weltverbandes nach dem jüngsten Korruptionsskandal gab der 79-Jährige dagegen nicht vor.

Auch am Sonntag gab es Neuigkeiten zum Skandal um Betrug und Bestechung, der nach Ermittlungen des US-Justizministeriums auch die WM-Vergabe 2010 betraf. Der frühere Chef des Organisationskomitees in Südafrika hat eine Sonderzahlung von zehn Millionen Dollar eingeräumt. Das Geld sei jedoch entgegen einer Anklageschrift der US-Justizbehörden keine Bestechung der Fifa gewesen, sagte Danny Jordaan der Zeitung „Sunday Independent“. Das Geld sei 2008 an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika Concacaf bezahlt worden, um den Sport dort zu fördern. Deren Präsident war zu dem Zeitpunkt der Blatter-Vertraute Jack Warner, der diese Woche zeitweise festgenommen worden war.

Beckenbauer soll von der Schweizer Bundesanwaltschaft in den Ermittlungen zu den Abläufen bei der Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar vor gut fünf Jahren befragt werden. Das berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf Justizkreise. Hintergrund von Beckenbauers geplanter Vorladung ist ein im vergangenen März eingeleitetes Strafverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf „Unregelmäßigkeiten bei den WM-Vergaben für 2018 sowie 2022“.