Fußball

Wenn der Pokal dein bester Freund ist

Der VfL Wolfsburg löst mit dem Titel von Berlin den BVB als ersten Bayern-Jäger ab

Frenetischer Jubel ertönte in der Arena in Wolfsburg. 30.000 Fans waren gekommen, um den ersten DFB-Pokalsieg des VfL Wolfsburg zu feiern. Als Torwart und Kapitän Diego Benaglio den Pott in die Höhe stemmte, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Am Sonntagmittag war der grün-weiße Tross mit einem Sonderzug von Berlin aus in Wolfsburg angelandet. Tausende Anhänger säumten dann die Straßen, als die Mannschaft in offenen Cabrios vom Vereinssponsor langsam durch die Innenstadt gerollt war.

Ehe es in Richtung Stadion ging, wurde ein Stop am Rathaus eingelegt. Die Spieler und die Verantwortlichen trugen sich ins Goldene Buch ein.

Zwei Stunden für drei Kilometer

Der VfL ist schwer angesagt in Wolfsburg: Für die drei Kilometer Strecke wurden zwei Stunden benötigt. Immer wieder hielten Kevin De Bruyne & Co an, um mit den Fans Erinnerungsfotos zu machen oder einen kurzen Plausch zu halten. In der Arena kam Trainer Dieter Hecking auf das Selbstwertgefühl des Klubs zu sprechen. „Man hat uns belächelt, weil wir dienstags abends mit 157 Fans zum Auswärtsspiel nach Frankfurt gefahren sind. Heute haben alle gesehen, wie gut wir feiern können. Dortmund war am Ende mausetot“, sagte Trainer Hecking. Mit 3:1 (3:1) hatte der VfL vor 75.815 Zuschauern im Olympiastadion Borussia Dortmund bezwungen und damit BVB-Trainer Jürgen Klopp den Abschied vermasselt.

In der vor allem in der ersten Hälfte mitreißenden Partie hatte Wolfsburg das Blatt durch Tore von Luiz Gustavo (22.), De Bruyne (33.) und Bas Dost (38.) gewendet, nachdem die Dortmunder früh in Führung gegangen waren (Pierre-Emerick Aubameyang/5.).

Für den Sieg im 72. Wettbewerb um den DFB-Pokal strich der VfL die Rekordprämie von 3,5 Millionen Euro ein. Im Moment seines bisher größten Triumphes legte der sonst so zurückhaltende Hecking sogar seine Bescheidenheit ab. Nach dem verdienten Sieg zog er eine Baseballkappe mit der Aufschrift „King“ auf. „Meine beiden Söhne liefen heute mit der Mütze herum. Der eine hat gesagt, wenn du den Pokal holst, dann setzt du bitte diese Mütze auf“, erzählte Hecking: „Und ein Vater kann seinem Sohn nichts ausschlagen. Deswegen sitze ich hier mit der Mütze. Aber sie passt.“

Allerdings überstand das gute Stück die Pressekonferenz nicht. Unverhofft erschienen die VfL-Stars Naldo und Vieirinha barfuß und mit freiem Oberkörper, nur mit der weißen Sporthose bekleidet, und kippten ihrem Vorgesetzten zwei große Gläser mit Bier über den Kopf. Hecking nahm diesen Profi-Brauch mit einem Schmunzeln. Meinte allerdings mit Blick auf die patschnasse Kopfbedeckung: „Das war’s dann für die Mütze.“

In Berlin feierte der VfL mit Manager Klaus Allofs, Hecking, dem Chef des VfL-Mutterkonzerns Volkswagen, Martin Winterkorn, sowie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei Rotwein und Bier in einem Szeneklub in Kreuzberg. „Was wir noch nicht alle realisiert haben, ist die rasante Entwicklung, die wir in diesem Jahr genommen haben“, sagte Allofs. „Das sind Dinge, die eine große Verantwortung für die nächste Saison sind.“

Manager Allofs will nachlegen

In dieser Saison hat Wolfsburg als Liga-Zweiter hinter dem FC Bayern und als Pokalsieger dem BVB überzeugend die Rolle als erster Verfolger des Branchenprimus aus München entrissen. Allofs kündigte an, es damit nicht bewenden zu lassen. „Jetzt müssen wir wieder draufsatteln und noch kompakter werden, vielleicht noch ein bisschen Qualität dazu holen. Dann ist es gut.“ Auch Hecking hatte noch in den Katakomben des Olympiastadion gesagt, dass die Konkurrenz Wolfsburg künftig anders wahrnehmen werde. „Wir werden die Gejagten sein. Darauf müssen uns vorbereiten.“ In jedem Fall zeigten die Verantwortlichen Respekt für den Pokal. Nach diversen Unfällen mit dem Pott bei unterschiedlichen Vereinen in den zurückliegenden Jahren war der VfL-Trainer auf Nummer sicher gegangen. „Der Pokal war die ganze Nacht auf unserem Zimmer“, sagte Hecking.

Beim Geldgeber hatte man das große Ganze im Blick. Der wohlhabende Werksklub möchte gern als Verein des Volkes wahrgenommen werden. Garcia Sanz, Vorstandsmitglied bei Volkswagen und Aufsichtsratsvorsitzender der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, sagte: „Der Imagegewinn ist sehr groß. Wir haben heute viele Sympathiepunkte gemacht.“ Auch Manager Allofs formulierte: „Das war ein Tag, an dem uns viele ins Herz geschlossen haben.“

Abwehrchef Naldo gehörte zu den wenigen Spielern, die nicht die ganze Nacht durchfeierten. Der Brasilianer sagte nach lediglich drei Stunden Schlaf am Tag danach in Wolfsburg: „Die Mannschaft ist besser geworden. Wir wollen mehr. Die Erwartungen werden größer sein.“