Basketball

Alba fehlt nur noch ein Sieg

Berlins Basketballer liegen in der Halbfinalserie gegen München nach 101:88 wieder vorn

Die Fans von Alba Berlin tanzten ausgelassen auf der Tribüne. Aus den Lautsprecherboxen in der O2 World dröhnte der Song der Toten Hosen „An Tagen wie diesen …“ Doch von all diesen Feierlichkeiten wollte sich Alex King, der Kapitän der Berliner Basketballer, nicht anstecken lassen. „Wir müssen das Spiel heute ganz schnell vergessen“, meinte er nach dem 101:88 (50:44) gegen Meister Bayern München. King verwies darauf, dass noch nichts gewonnen sei.

Dennoch: Alba hat mit dem Erfolg einen großen Schritt in Richtung Finale gemacht. Es steht in der Play-off-Serie nach dem Modus „Best of five“ nach Siegen 2:1 für die Berliner. Sie haben im Halbfinale nun zwei Matchbälle: Entweder sie gewinnen bereits am Dienstag in München, oder sie schaffen beim möglichen Showdown in Berlin am Donnerstag (20 Uhr) den notwendigen dritten Erfolg.

Reggie Redding überragend

„Jetzt machen wir in München den Sack zu“ war sich Akeem Vargas sicher. Er zeigte nicht nur seine Fähigkeiten in der Defensive, sondern war mit zehn Punkten auch ein wichtiger Faktor in der Offensive. Wurden Spiel eins und Spiel zwei bereits mit höchster Intensität geführt, setzten beide Mannschaften in Partie drei noch einen drauf. Kein Millimeter wurde freiwillig preisgegeben, Knochen auf Knochen hieß es. Symptomatisch war ein Duell, das die ersten Minuten prägte: Vargas auf Seiten von Berlin, Anton Gavel bei Bayern. Unglaublich, wie sich die beiden beharkten. Das eine oder andere „nette“ Wort für den Gegenspieler inbegriffen.

Wie gewohnt setzte die Defensive bei den beiden Rivalen erst einmal die Akzente. Und Alba schien in diesem Bereich noch einen kleinen Tick aggressiver und konsequenter zu sein. Was allerdings auch immer wieder auf Kosten von Fouls ging, die von den Schiedsrichtern gegen die Berliner verhängt wurden. Das Trio Robert Lottermoser, Moritz Reiter und Clemens Fritz war um seine Aufgabe nicht zu beneiden: Was war Foul, was nicht? Was war provoziert oder gut geschauspielert?

Bis zur Pause waren es zumeist die Berliner, die in Führung lagen. Es half, dass ihnen einige erfolgreiche Distanzwürfe gelangen. Bis zur Pause waren es fünf (insgesamt 13), während München nur einmal (fünfmal) von jenseits der Drei-Punkte-Linie traf. Und die Berliner waren bei Rebounds besser (am Ende 37:32). Die erste zweistellige Alba-Führung datierte aus der 13. Minute, als Cliff Hammonds einen Dreier zum 31:21 versenkte. Kurz darauf vollstreckte Leon Radosevic sogar zum 36:24.

Alba kam nicht gut aus der Kabine, die Fehler häuften sich. München spielte ruhiger und ließ sich weniger von der Hektik anstecken. Es waren allerdings die Berliner selbst, die sich das Leben schwer machten. Bei Freiwürfen schien immer wieder die Hand zu zittern. 75 Sekunden vor Ende des dritten Viertels lagen die Berliner erstmals seit der vierten Minute wieder in Rückstand (71:74).

Aber Alba ist eben ein Team, das sich nicht beirren lässt. Als spielerisch nichts zu gehen schien, wurde umso härter gekämpft. Sechs Minuten vor Schluss flippten die Alba-Fans unter den 13.133 Zuschauern schier aus, als der überragende Reggie Redding (mit 20 Punkten bester Werfer) zwei Dreier hintereinander zum 85:79 traf. Alba war zurück und konnte seine Führung nach einem Unsportlichen Foul von Münchens Center-Koloss John Bryant sogar auf 94:84 (36.) ausbauen.

Pesic verärgert über Schlussphase

Zweieinhalb Minuten vor Schluss gab Alba-Coach Sasa Obradovic in einer Auszeit noch einmal Instruktionen. Es galt, die Ruhe zu bewahren. Was den Münchnern nicht gelang. Sie verloren die Nerven. Dusko Savanovic wurde nach zwei Technischen Fouls aus der Halle gewiesen.

„Die bessere Mannschaft hat gewonnen“, meinte Obradovic. „Aber es ist noch nicht zu Ende.“ Sein Münchner Kollege Svetislav Pesic war „sehr zufrieden, wie wir 35 Minuten lang gespielt haben“. Zur Schlussphase und zu den Entscheidungen der Schiedsrichter wollte er nichts sagen. „Wenn es das letzte Saisonspiel gewesen wäre, würde ich dazu schon etwas sagen.“ Jetzt werden die Münchner am Dienstag Taten sprechen lassen. „Jedes Spiel in dieser Serie“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „ist wie eine Schlacht.“