Motorsport

„Ich sehe nur uns und Ferrari“

Glückliche Tage für Nico Rosberg: Sieg in Barcelona, Mercedes dominiert und er wird Vater

Mercedes-Pilot Nico Rosberg ist für den Kampf um den Formel-1-WM-Titel in diesem Jahr gut gerüstet. Der 29-jährige Deutsche wirkt konzentriert wie motiviert, besonders, weil er auch privat gerade rundum glücklich ist. Seine Frau Vivian und er erwarten im Sommer ihr erstes Kind.

Berliner Morgenpost:

Sie haben mit dem Erfolg beim Grand Prix von Spanien Ihre Ambitionen auf den WM-Titel untermauert. Gibt es neben Mercedes und Ferrari weitere Teams, denen Sie den WM-Titel zutrauen?

Nico Rosberg:

Nein, ich sehe nur uns und Ferrari.

Die Scuderia hat im Winter offenbar einen guten Job gemacht. Das WM-Titel-Rennen ist in diesem Jahr deutlich spannender.

Für die Fans und die ganze Formel 1 ist das eine coole Angelegenheit. Obwohl ich natürlich lieber alleine vorneweg fahren würde, rein egoistisch gesehen.

Das Duell zwischen Ferrari und Mercedes ist historisch geprägt und mit etlichen Legenden verwoben. Ist dieser mythische Zweikampf jetzt auch in der Moderne angekommen?

Ich bin von diesem Duell auch deshalb total begeistert, weil es eben ein Formel-1-Klassiker ist. Ich liebe auch die Schwarz-Weiß-Bilder von den alten Rennen. Geschichten wie von Rudolf Caracciola (prägte die Silberpfeil-Ära von 1934 bis 1939, d. Red.) oder die alten Filmaufnahmen von Juan Manuel Fangio (fünfmaliger F-1-Weltmeister zwischen 1950 und 1958, d. Red.) – das fasziniert mich. Auch die alten Geschichten von der Mille Miglia begeistern mich, vom verrücktesten Langstreckenrennen der Welt.

Sind es die Fahrer, die Strecken oder die Autos, die Ihr Herz höherschlagen lassen?

Es ist die Zeit. Es war und ist aus heutiger Sicht der reine Mythos. Wahrscheinlich beeindruckt mich zudem die Bereitschaft der Fahrer zum fast unkalkulierbaren Risiko damals. Die sind mit Vollgas über eine Bodenkuppe gedonnert und wussten nicht, ob sie heil landen. Unglaublich.

Was imponiert Ihnen besonders an den alten Rennsport-Haudegen?

Ich denke diese Einstellung der Fahrer, wegen ihrer Passion mit ihrem Leben zu spielen, das beeindruckt mich. Ich glaube, das war nur möglich, weil sie nichts anderes kannten. Ich bin mir dabei sicher, dass sie sich nicht ins Auto gesetzt haben mit der düsteren Vision, dass sie ihr Leben riskieren.

Sondern?

Die haben einfach geglaubt, da passiert schon nichts. Anders kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Das macht doch sonst kein Mensch.

Bewundern Sie diese Einstellung?

Ja, klar.

Wie beurteilen Sie Ihren Fahrstil im Vergleich zu den Legenden?

Ich würde ihn als nicht so übermäßig draufgängerisch, sondern als eher kontrolliert und rational beschreiben.

Eine Wesensart von Ihnen?

Ja, möglicherweise. Ich denke, ich ticke mehr rational als emotional.

Hat Ihr Vater Keke, der 1982 mit einem Williams Weltmeister wurde, Ihnen mit seiner Erfahrung geholfen?

Na ja, mein Vater ist ja eher das Gegenteil von mir, hat ja eher eine Art südländisches Temperament. Oder so kennen ihn zumindest viele Leute.

Zurück zum brisanten Silberpfeil-Duell: Trotz Ihres Sieges in Barcelona liegen Sie in der WM-Wertung noch 20 Punkte hinter Lewis Hamilton zurück. Mit welchem Anspruch fahren Sie nächsten Sonntag in Monte Carlo? Vergangenes Jahr haben Sie auf dem engen Stadtkurs triumphiert.

Keine spezielle Einstellung. Und immer die gleiche Absicht, mein Optimum abzurufen, um damit ein tolles Resultat zu erreichen. Daran ändert sich nichts.

Gibt es Strecken, wie jetzt in Monaco, von denen Sie vermuten, dass sie Ihnen besser liegen als Hamilton?

Ja, klar. Aber ich will jetzt keine erwähnen. Außerdem ändert sich das immer von einem Jahr zum anderen.

Wie das ?

Das ist situationsbedingt, ob man gut in das Rennwochenende hineinfindet und abhängig davon, ob man die perfekte Balance des Autos für sich findet. Das ist in der Regel eine schwierige Angelegenheit. Wir fangen freitags mit zwei freien Trainingsläufen an und gehen dann ins Qualifying. Bis dahin muss alles passen. Wir haben zur Abstimmung aber nicht viele Runden, weil wir sparen müssen, vor allem bei Reifen und den Motoren, eigentlich überall. Daher ist es schwierig, das Auto jedes Mal wieder neu auf den Punkt zu bringen.

Wie wichtig ist Kreativität?

Sehr, sehr wichtig. Man muss dynamisch, sehr anpassungsfähig sein. Keine Runde, keine Kurve ist jemals die gleiche. Ich fahre eine Runde, muss jede Kurve im Kopf haben, in jeder einzelnen Kurve wissen, was ich in der nächsten Runde anders machen muss, wie ich besser sein kann. Denn die Strecke verändert sich ständig. Und es sind, je nach Strecke, pro Runde durchschnittlich zwanzig Kurven.

Ist es eigentlich ein Vorteil, als deutscher Fahrer auch in einem deutschen Team zu fahren?

Die Silberpfeile sind eine deutsche Legende. Ich bin zudem großer Oldtimerfan, und diese Mercedes-Klassiker, die Flügeltürer und Grand-Prix-Rennwagen von damals, das sind für mich Kunstwerke. Das ist ja alles ein Teil der Geschichte, von der ich jetzt ein Teil bin. Wir sind das Weltmeister-Team. Für mich ist das, glaube ich, mehr wert, weil ich mich als Deutscher eben mehr damit identifizieren kann als ein englischer oder amerikanischer Rennfahrer das tut.

Sie werden im Sommer voraussichtlich Vater einer Tochter. Hat das Ihre Einstellung zum Leben und zu Ihrem Beruf verändert?

Ich habe in der letzten Zeit ein paar große Schritte gemacht: Hochzeit, im August erwarten wir unser erstes Kind, es entsteht ein großes Gefühl von Familie. Ich freue mich gewaltig auf das, was da noch kommt.