Weltmeisterschaft

Eishockey von einem anderen Planeten

Selten hat ein Team eine WM so beherrscht wie Kanada. Superstar Crosby im erlauchten Kreis

Das Dauergrinsen im Gesicht von Sidney Crosby sprach Bände. Nachdem der Kapitän der kanadischen Eishockey-Künstler um 23.13 Uhr den WM-Pokal im Konfettiregen ohne große „Sid-Show“ nur kurz in die Höhe gestemmt hatte, wollte der Superstar den Pott in der Interview-Zone und im Teamhotel kaum noch aus den Händen geben. Der Anblick der Trophäe zauberte Crosby immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, genau wie zuvor Kanadas Fabel-Auftritte den Fans auf der ganzen Welt. Wie ein Wirbelsturm war der Olympiasieger durch das Turnier in Tschechien gefegt, im Finale zerlegte er selbst Rekord-Weltmeister Russland in alle Einzelteile. Mit einer 6:1 (1:0, 3:0, 2:1)-Gala, mit „Eishockey von einem anderen Planeten“, wie nicht nur DEB-Präsident Franz Reindl fand, gelang Kanada der perfekte Abschluss einer perfekten WM.

„Das ist großartig. Wir haben das erreicht, für das wir alle hergekommen sind“, sagte Crosby siegestrunken. Das gilt vor allem für ihn selbst. Mit dem noch fehlenden WM-Titel wurde der Stanley-Cup-Gewinner von 2009 und zweimalige Olympiasieger als 26. Mitglied in den legendären Triple Gold Club aufgenommen. Der „Triple Gold Captain“ ist sogar der einzige Spieler im erlauchten Kreis, der jeweils als Kapitän sein Team zum Triumph geführt hat.

„Es ist eine große Ehre für mich“, sagte der 27-Jährige. Eine Selbstinszenierung machte der Stürmerstar der Pittsburgh Penguins daraus aber nicht: „Ich hatte das Glück, dass ich immer in großen Mannschaften gespielt habe.“

Dieser Teamgedanke ist weder gespielt noch aufgesetzt, er ist – neben der unbestrittenen Extraklasse im Kader der Kanadier – der Grundpfeiler für das erste WM-Gold des Eishockey-Mutterlandes seit acht Jahren. Die NHL-Stars stellten allesamt ihr Ego hinten an. Auch Crosby murrte nicht, als ihm WM-Torschützenkönig Tyler Seguin (9) oder Scorerkönig Jason Spezza (14) zwischenzeitlich die Show stahlen.

Dass die Ahornblätter nur wegen des gemeinsamen Erfolges nach Europa gereist waren, verdeutlichte auch die Art, wie sie die Sonderprämie von einer Million Schweizer Franken für zehn Siege in regulärer Spieldauer zur Kenntnis nahmen. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt“, sagte Jordan Eberle. Kein Wunder, dass Crosby schwärmte: „Wir sind eine verschworene Truppe.“

Im Finale schlug auch Crosbys große Stunde. Mit einem Traumtor zum 3:0 (28.) sorgte er für die Vorentscheidung zu Kanadas 25. WM-Titel und für lange Gesichter bei den Russen, allen voran bei seinem ewigen Rivalen Alexander Owetschkin. Der Ausnahmekönner war nach dem Play-off-Aus mit den Washington Capitals erst am Freitag in Prag eingeflogen. „So dürfen wir kein Finale spielen“, haderte Owetschkin nach der Vorführung erster Klasse. Waldimir Putin schaute sich die Pleite der Sbornaja in Sotschi an – und das sicher wenig begeistert. Auf Twitter kursierte nach dem WM-Finale ein Bild von Russlands Staatspräsident in Spielkleidung und mit dem fiktiven Zitat: „Das nächste Mal mache ich es lieber selbst.“