Pferdesport

Den Stars ist das Springderby viel zu gefährlich

Der Duft von frisch gemähtem Gras gaukelt Idylle vor.

Aber beim Blick vom Großen Wall, der das härteste Hindernis beim Deutschen Derby der Springreiter darstellt, ist eines sicher: Dass man am Sonntag, wenn im Klein Flottbeker Derbypark die 86. Auflage der schwersten Springreitprüfung der Welt ausgeritten wird (ZDF ab 16 Uhr), weder Ross noch Reiter sein möchte. Drei Meter hoch und 80 Grad steil ist der Hügel, den die Paare gemeinsam bewältigen müssen. Die Momente, in denen die Tiere beim Anblick dieses Abgrunds scheuen, faszinieren das Publikum. Und auch Hindernis Nummer 14, Pulvermanns Grab, ist längst auf der ganzen Welt bekannt. Der Kaufmann Eduard F. Pulvermann, der den Pacours mit 26 Sprüngen über 17 auf 1250 Metern verteilten Hindernissen im Jahr 1920 entwarf, hat ihn selbst übrigens nie fehlerfrei bezwingen können. Und überhaupt gab es seither erst 150 makellose Ritte.

Die vom Ausrichter diesmal angekündigten Erleichterungen für die Pferde, speziell am Großen Wall, erwiesen sich am Freitag als Muster ohne Wert. Von der angeblichen Abflachung des mächtigen Hindernisses war kaum etwas zu sehen, es gab in der zweiten Qualifikation Stürze und zahlreiche Verweigerungen. Neben Hans-Jörn Ottens (auf Crashman), Andre Thieme ( Quonschbob) und Carsten-Otto Nagel (Lex Lugar) blieb auch Janne-Friedrike Meyer (Anna) fehlerfrei – sie wäre bei erst die fünfte siegreiche Frau insgesamt und die erste seit 40 Jahren. 1975 siegte die Britin Caroline Bradley.

Nur die Global Champions Tour lockt

In diesem Jahr gibt es für das Blaue Band die Rekordsumme von 120.000 Euro zu gewinnen. Das meiste Geld gab es aber bereits am Samstag beim Großen Preis von Hamburg, den Kent Farrington (USA) auf Voyeur gewann. Nur diese 300.000 Euro und Punkte für die Millionenserie Global Champions Tour lockten Starter aus 19 Nationen an, darunter die Prinzensöhne aus dem Öl-Scheichtum Katar oder Athina Onassis, die jüngste Milliardärin der Welt. Ihre sündhaft teuren Championats-Pferde lassen sie aber wegen der höheren Verletzungsgefahr nicht auf den Derby-Platz. „Die Pferde, die das Derby gehen können, sind ganz andere“, meint Bundestrainer Otto Becker. Solche Spezialisten haben nur die wenigsten im Stall. Es dauert, bis diese Pferde die Derby-Reife haben. Und ihre Einsatzmöglichkeiten sind begrenzt. Aber damit kann Veranstalter Volker Wulff gut leben, ohne die Global Champions Tour wäre das Derby in Hamburg nur noch regional bedeutend: „Wenn wir den Schritt 2008 nicht gemacht hätten, hätten wir heute sicherlich nicht den Stellenwert.“