Champions League

Das Wunder bleibt aus

Bayern verabschiedet sich mit einem Sieg aus der Champions League. Barcelona kommt mit Messi und Co. zum Finale nach Berlin

Die Hoffnung dauerte acht Minuten. Acht Minuten, in denen sich die Optimisten bestätigt fühlen durften, dass es doch ein Wunder von München geben wird. Und die Pessimisten sich schon überlegt haben dürften, welche Art von Abbitte sie leisten werden. Acht Minuten, nach dem Medhi Benatia mit einem wuchtigen Kopfball zur furiosen Aufholjagd des FC Bayern geblasen hatte und Berlin sich im Endspiel am 6. Juni im Olympiastadion vielleicht doch noch auf die Teilnahme einer deutschen Mannschaft freuen durfte.

Acht Minuten – bis Neymar, der brasilianische Superstar, diesen Traum beendete. Statt der Bayern macht sich nun der FC Barcelona auf den Weg in die Hauptstadt. Für die Münchner und deren Trainer Pep Guardiola war hingegen erneut im Halbfinale der Champions League Schluss. Immerhin verabschiedeten sich die Bayern mit einem 3:2 (1:2) aus der Königsklasse. Die 0:3-Hypothek aus dem Hinspiel erwies sich jedoch als zu schwer.

Der Moment der Enttäuschung darüber, das Unmögliche doch nicht mehr möglich gemacht zu haben, war nach dem Abpfiff auch auf den Rängen spürbar. Allerdings nur kurz, denn dank des Sieges können die Bayern die europäische Bühne erhobenen Hauptes verlassen. Lange standen die Spieler vor der Südkurve und nahmen die Ovationen entgegen. Ein wenig Balsam auf die Seele nach vier Niederlagen in Folge, inklusive des Ausscheidens im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund. Auch auf der anschließenden Ehrenrunde feierten die Fans ihre Mannschaft, die sich gegen die wohl beste Mannschaft der vier Halbfinalisten vor allem in der ersten Halbzeit zahlreiche Chancen erspielte, jedoch nur eine nutzen konnte.

„Wir haben alle an das Wunder geglaubt. Leider hat es nicht gereicht, weil wir schnell den Ausgleich kassiert haben“, analysierte Philipp Lahm: „Diese Spieler komplett auszuschalten, ist nicht möglich. Und wenn solch ein Gegner zwei Tore macht, ist das Spiel fast schon gelaufen. Es ist aber auch klar, dass wir nicht heute ausgeschieden sind.“ Lahm spielte damit auf die desaströse Schlussphase im Hinspiel an, in denen die Bayern eine bessere Ausgangslage verspielt hatten.

Barcelona nur kurz beeindruckt

Dennoch legten sich alle Münchner noch einmal ins Zeug – auch die Anhänger. Ihre Choreografie vor dem Anpfiff ergab unter anderem den Schriftzug „Eine Stadt, ein Traum“. Tatsächlich dauerte es nur 6:45 Minuten, da lag der Ball im Netz hinter Marc-Andre ter Stegen. Nach einem Eckball von Xabi Alonso war Benatia unbedrängt zum Kopfball gekommen.

Genau dies hatten sich die Bayern erhofft, und sie legten nach, drängten Barcelona, das tatsächlich ein wenig beeindruckt wirkte, in die eigene Hälfte. Angesichts des Superstar-Trios Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar war es jedoch nur eine Frage der Zeit, wann Barcelona den Rückstand verdaut hat. Zumal die Bayern es dem Gegner wie schon im Hinspiel durch eigene Fehler leicht machten.

So konnte Messi unbedrängt Suarez freispielen, der Uruguayer lief alleine auf Neuer zu – legte aber quer, statt selbst zu schießen: Neymar musste den Ball nur noch ins leere Tor schieben (15.). Und trotzdem versuchte es der FC Bayern weiter tapfer – und hatte Riesenchancen. Es war die Phase, in der ter Stegen die Münchner fast zur Verzweiflung bachte: Thomas Müller scheiterte mit einem Kopfball am überragend reagierenden deutschen Torhüter (19.), der auch die Schüsse von Robert Lewandowski (27.) und erneut Müller (29.) parierte.

So kam es, wie es wohl kommen musste: Die Bayern kassierten den nächsten Gegentreffer, und das nach fast dem gleichen Muster. Messi gewann einen Kopfball, Suarez schnappte sich den Ball – und legte ihn Neymar vor: 1:2 nach 29 Minuten. Ärgerlich, denn Barcelonas Abwehr war und blieb anfällig, vielleicht auch im Gefühl, sicher im Finale zu stehen. Lewandowski hatte daher kurz vor der Pause noch eine Riesenchance zum 2:2. Ter Stegen parierte erneut sensationell und wischte den an ihm vorbeikullernden Ball von der Torlinie.

Siegtreffer durch Lewandowski

In den ersten 15 Minuten nach der Pause schien es, als hätten sich beide Mannschaften mit dem Resultat abgefunden. Die Bayern, die zum vierten Mal nacheinander im Halbfinale standen, wussten, dass es wie im Vorjahr gegen Real Madrid nicht für das Endspiel reichen würde. Und Barcelona konnte sich sicher sein, dass es zum achten Mal nach dem Henkelpott greifen würde. So konnten die Münchner dank der Treffer von Lewandowski (60.) und Müller (74.) wenigstens noch für einen versöhnlichen Abschluss sorgen. Und für eine stimmungsvolle Verabschiedung durch die Fans. „Die Unterstützung war selten so groß wie heute“, sagte Müller. Mit bitterem Lächeln fügte er jedoch hinzu: „Es ist schön, dass wir mithalten konnten und das Spiel auch gewonnen haben. Aber dafür können wir uns nichts kaufen.“