Leichtathletik

Auf Schlangens Spur bis in die Weltspitze

800-Meter-Läufer Timo Benitz folgt seinem Vorbild nach Berlin

Bei einer Bandprobe ist Timo Benitz schon länger nicht mehr gewesen. Der deutsche Meister und letztjährige EM-Finalist über 1500 Meter spielt seit seiner Jugend nebenbei Posaune, doch seit der Mittelstreckenläufer vor einigen Monaten nach Berlin gezogen ist, schafft er es nur noch selten zu den wöchentlichen Treffen seines Musikvereins. Benitz stammt ursprünglich aus dem Schwarzwald und startet auch jetzt noch für die LG Farbtex Nordschwarzwald. Dass er nach Berlin übergesiedelt ist, hat vor allem mit Carsten Schlangen zu tun.

Der Vizeeuropameister von 2010 über 1500 Meter und Timo Benitz waren Anfang 2014 gemeinsam im Trainingslager gewesen. Benitz absolvierte zu diesem Zeitpunkt noch ein duales Studium (Luft- und Raumfahrttechnik) in seiner Heimat, das sich schwer mit dem Training vereinbaren ließ. Schlangen überzeugte den Kollegen von den Vorzügen eines Studiums an der TU Berlin, wo man Leistungssportlern besonders entgegenkommt. Also siedelte der 23-Jährige im Herbst 2014 nach Berlin über und bezog ein Zimmer im Sportforum Hohenschönhausen.

Auf dem gleichen Gang wohnt dort mit 800-Meter-Läufer Dennis Krüger vom 1. VfL Fortuna Marzahn noch ein weiteres Berliner Lauf-Ass. Die beiden trainieren allerdings nur selten miteinander. „Ich laufe eher längere Strecken“, erklärt Timo Benitz. Manchmal wird er dabei von Carsten Schlangen begleitet. Zwar hat der Läufer der LG Nord Berlin seine Karriere nach zwei Olympia-Teilnahmen und etlichen deutschen Meistertiteln im Herbst offiziell beendet, doch fit ist der 31-jährige Architekt immer noch. Zehn Jahre lang war Schlangen das Aushängeschild des Berliner Laufsports als gebürtiger Emsländer ebenfalls als Zugereister. Diese Rolle soll künftig Benitz übernehmen.

„Ich begleite seinen Einstieg in den Spitzensport ein bisschen“, erzählt Carsten Schlangen. „Wir telefonieren regelmäßig und ich gebe ihm auch per E-Mail häufiger Tipps.“ Beide Sportler gehen oder gingen ihren eigenen Weg. Im Winter wird hauptsächlich auf Langlaufskiern geübt, einen Aufenthalt im Höhentrainingslager lehnt Benitz kategorisch ab. Der Erfolg gibt ihm recht: Im vergangenen Jahr steigerte Timo Benitz seine Bestzeit mal eben um sechs Sekunden auf 3:34,94 Minuten und wurde erstmals deutscher Meister, zudem siegte er bei der Team-EM. Bei der EM in Zürich landete er trotz schmerzender Achillessehne auf Platz sieben. Im Vorfeld des Rennens hatten Fans und Funktionäre sogar mit einer Medaille geliebäugelt. „Ich weiß nicht, ob es wirklich so viel bringt, die Athleten unter Druck zu setzen. Im Finale fehlte mir einfach die Lockerheit.“

Saisonstart an Himmelfahrt

Auch 800-Meter-Mann Dennis Krüger war bei der EM in Zürich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Muskuläre Probleme bremsten den 22-Jährigen, der den Endlauf deshalb klar verpasste. „Ich bin unter großen Schmerzen gelaufen und habe daher nicht das zeigen können, was ich kann“, sagt er. Trotzdem war 2014 für ihn ebenfalls das bislang erfolgreichste Jahr seiner Karriere. Mit 1:45,79 Minuten lief der Marzahner so schnell wie noch nie zuvor, dafür gab es Gold bei den Deutschen Meisterschaften.

Im Unterschied zu Benitz war er in Kenia im Trainingslager und traf dort auch auf 800-Meter-Weltrekordler David Rudisha. Die Kenianer hätten nicht schlecht gestaunt, in welcher Geschwindigkeit er seine 200-Meter-Sprints absolvierte, berichtet Dennis Krüger stolz. Am Himmelfahrtstag steigt er beim Marzahner Läufermeeting (11 Uhr, Sportplatz Allee der Kosmonauten) in die Saison ein. Timo Benitz startet bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Münster.