Bundesliga

Auf der Suche nach Leichtigkeit

Bei Hertha rücken sie vor dem Spiel gegen Frankfurt zusammen. Ein Stimmungsbericht

Es gibt Applaus, als die Spieler von Hertha BSC und ihr Trainer Pal Dardai am Dienstag auf den Schenckendorffplatz marschieren. Verhalten zwar, aber immerhin. 50 Leute sind gekommen, um sich das Training vor dem Schlüsselspiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonnabend (15.30 Uhr) anzusehen. Bei anderen Klubs wäre das wenig. Für Hertha-Verhältnisse ist das viel.

Es ist schwül an diesem Nachmittag. Die Sonne drückt hinter Schleierwolken. Und irgendwo dahinten zieht ein Gewitter heran. Es riecht schon nach Regen. Wer weiß, ob das Team und sein Trainer, ja ob der Verein noch rechtzeitig ins Trockene kommen. Oder ob sie am Ende doch alle begossen dastehen werden.

Die Möglichkeit, dass Hertha im Endspurt der Saison noch ein Unwetter bevorsteht, hängt über dem Trainingsplatz. Wurden in den vergangenen Wochen hier oft Witze gemacht, wurde gelacht und sich wohl als Mannschaft gefühlt, so ist die Unbeschwertheit nun weg. Gelacht wird jetzt kaum noch, auch wenn sich Dardai darum bemüht. Den Spaß zurückbringen nach bleiernen Monaten des Drucks unter Vorgänger Jos Luhukay war einer der Hebel, mit denen er sein Team auf dem Weg zum Klassenerhalt geführt hatte. Aber nun, nach drei verlorenen Partien in Folge und fünf Spielen ohne Sieg, macht es eben keinen Spaß, Profi zu sein. Nur drei Punkte Abstand zur Abstiegszone. Zurück ist der Druck.

Jetzt ist es still auf dem Feld. Und wenn doch etwas zu hören ist, sind es Sätze, die wachrütteln sollen. Co-Trainer Rainer Widmayer brüllt während einer Passübung: „Nicht nur so hopp hopp die Bälle spielen! Das ist Scheiße! Ich will Körperspannung sehen.“ Körperspannung zeigt ein anderer: Herthas Manager Michael Preetz ist gekommen. Das ist nicht oft der Fall. Diesmal steht er mit fliederfarbenem Hemd und durchgedrücktem Rücken am Rand. Das ist natürlich in zweierlei Richtung gemeint – nach innen und nach außen: Wir rücken zusammen. Ohnehin wirkt es, als hätten sie bei Hertha noch mal alle mobilisiert: Auch die Scoutingabteilung sieht zu. Mit Dardai steht Preetz auf dem Rasen. Man redet. Dardai wirft immer mal die Hände in die Luft. Ein Gestengedicht. Er sieht unzufrieden aus. Das könnte an den schlechten Nachrichten liegen: Änis Ben-Hatira fällt die letzten zwei Saisonspiele aus. Der Zeh heilt nicht. Dazu fehlen an diesem Tag auch Verteidiger Sebastian Langkamp und Angreifer Valentin Stocker, die beiden Besten der letzten Wochen. Gegen Frankfurt soll es gehen. Wenn nicht, würde es schlecht aussehen.

Beim Abschlussspiel gibt es wieder kaum Tore. Das geht schon die ganze Saison so. Dardai lässt zum Ende noch Elfmeter schießen. Beim ersten Fehlversuch hat man verloren. Eine Drucksituation sollte das sein, erklärt er. Druck gibt es ja auch gegen Frankfurt. Dardai ist nun einmal ein Typ für Symbolträchtiges, und deshalb gibt er sich in der schwersten Phase seiner noch jungen Trainerkarriere auch betont gelassen. „Ich brauche jetzt nicht in Panik verfallen“, sagt er. Und dann findet er noch, dass ein Team gut trainiert habe. „Ich habe ein viel besseres Gefühl als in der vergangenen Woche“, sagt er. Da wirkte die Mannschaft seltsam lethargisch. Nun wirkt sie angespannt. Wer es gut meint, sagt konzentriert. Nach anderthalb Stunden marschiert sie in die Kabine zurück. Bevor der Regen kommt.