Champions-League

Überflieger Bale gibt Real Madrid Rätsel auf

100-Millionen-Euro-Mann wird von Mitspielern geschnitten

„Tregua“ flehte die Sportgazette „Marca“ zu Wochenbeginn in riesigen Lettern: „Waffenruhe“. Es ging dabei nicht um Gaza oder Syrien, die Ukraine oder Kolumbien. Für Spaniens meistgelesene Zeitung ist die fragliche Angelegenheit keine Frage von Leben und Tod, sondern, wie der legendäre Bill Shankly gesagt hätte, viel wichtiger: Es geht um Fußball, um Real Madrid und sein Champions-League-Halbfinale.

Wird es das Bernabeu-Stadion am Mittwoch (20.45 Uhr, Sky) schaffen, während der anvisierten Aufholjagd gegen Juventus Turin (Hinspiel 1:2) komplett hinter seinem Team zu stehen? „Der Madridismus wird gegen die Juve zusammenstehen“, prophezeite Trainer Carlo Ancelotti. Doch seit 1987 hat Real in Hin- und Rückspiel kein italienisches Team eliminiert. Die Meisterschaft ist durch das 2:2 gegen Valencia so gut wie verloren. Es drohen eine titellose Saison und viele Debatten, auch über Gareth Bale.

Der 100-Millionen-Euro-Mann kam zuletzt so wenig vor im Fußball Reals, dass sein Agent Jonathan Barnett jetzt unterstellte, er würde absichtlich geschnitten: „Bekäme er öfter den Ball abgegeben, wäre er Madrids bester Spieler“. Als Adressat fühlte sich auch Ancelotti. Der Italiener, der jede Polemik sonst mit seiner berühmten Augenbraue wegzuckt, konterte wirsch: „Es gibt Leute, die zu viel reden. Der Berater von Bale hat nie ein Training von uns gesehen. Die Mitspieler lieben Bale, und Bale liebt sie.“

Tatsächlich belegen Statistiken, dass Cristiano Ronaldo pro Spiel im Schnitt sieben Pässe mehr bekommt als Bale und von den Offensivkollegen Karim Benzema, James Rodriguez und Isco sogar fast doppelt so oft bedient wird. Der einzige Kollege, der öfter zu Bale spielt, ist Luka Modric – sein Ex-Teamkollege bei Tottenham und einziger Freund im Team.

Die Integration Bales ist verbesserungswürdig. Abseits des Platzes hindern ihn seine Probleme mit der Sprache, auf dem Platz die mit der Taktik. Ancelotti ließ seinen englischen Assistenten Paul Clement monatelang Sondereinheiten mit Bale abhalten, um sein Spiel ohne Ball zu verbessern. Der Trainer soll das Experiment inzwischen beendet haben: Bale würde so nur verwirrt. Der Rekordeinkauf begeistert nur Präsident Florentino Perez und seine Führungsriege. Dort sieht man ihn nach wie vor als baldigen Nachfolger von Superstar Cristiano Ronaldo.