Kommentar

Guardiola liefert nicht

Lars Wallrodt über Bayerns Trainer

Die deutsche Meisterschaft ist der ehrlichste Titel, und seine Mannschaft sei „sehr erfolgreich“ gewesen in dieser Saison. „Überhaupt kein Vorwurf“ sei ihr zu machen nach den Messi-Festspielen in Barcelona. Meinte zumindest Matthias Sammer. Nun ist es genau seine Aufgabe, solche Monologe zu halten. Er schmeißt sich vors Team, wenn es brennt, und wenn die Dinge ihren gewohnten Gang gehen, stichelt er, um die Spannung hochzuhalten. Das muss wissen, wer sich über die Lobeshymnen wunderte. Denn ein 0:3 im Halbfinale der Champions League ist ein Debakel, da gibt es nichts zu beschönigen.

Moment, sprechen nun die Freunde des FC Bayern, schließlich haben wir Verletzungssorgen. Ende. Und Barcelona mit Messi, Neymar und Co. ist keine Laufkundschaft. Das ist korrekt. Barca ist derzeit kaum zu schlagen. Doch hat der FC Bayern nicht genau dafür einen Zauberer geholt? Zumindest wurden Pep Guardiola magische Eigenschaften zugeschrieben, als er 2013 nach München kam. Mit Röntgenblick könne er den Gegner durchleuchten, hieß es. Das brachte ihm den vermutlich höchstdotierten Trainervertrag der Welt ein.

Doch nun ist die Erfolgsquote unter Guardiola rückläufig. Sein Vorgänger Jupp Heynckes (wird Samstag 70) hatte zum Abschied das Triple geholt. Ein Jahr später heimste Guardiola zwar beide nationale Titel ein, scheiterte im Halbfinale der Königsklasse aber mit 0:1 und 0:4 an Real Madrid. In dieser Saison bleibt unterm Strich wohl die Meisterschaft. Und zu einem 0:3 hätte auch Co-Trainer Hermann Gerland die Truppe gecoacht.

Es ist natürlich zu billig, alles allein dem Trainer zuzuschieben. Die Ausfälle von Ribéry, Robben und Alaba sind eklatant, bis zur 75. Minute verkauften die Bayern sich sehr ordentlich und Lionel Messi ist nun einmal ein so derartiger Ausnahmespieler, dass er jederzeit auch die beste Abwehr der Welt ausspielen kann. Aber Guardiola setzte nun einmal auf seine Stars Robben und Ribéry – wohl wissend, wie verletzungsanfällig beide sind. In Barcelona gelang es seiner Mannschaft nicht, das Spiel zusammenzuhalten. In der Nachspielzeit einen Konter zum 0:3 zu bekommen ist so fahrlässig, dass dabei auch der Trainer nicht aus der Verantwortung entlassen werden kann. Genau wie gegen Dortmund im Pokal-Halbfinale schafften es Guardiolas Bayern nicht, eine gute Partie erfolgreich zu finalisieren. So etwas einem Team beizubringen ist Aufgabe des Trainers. Guardiola hat den Seinen diverse Systeme eingeimpft, sie kann mühelos zwischen 4-3-3, 3-6-1 oder 4-4-2 wechseln wie ein gut dressiertes Hündchen. Doch in der Crunshtime, wenn sich große Spiele verdichten und die Entscheidung naht, offenbart der FC Bayern sein Defizit.

Guardiola sollte der Garant dafür sein, dass der Klub in der absoluten Weltspitze bleibt. Das ist ihm bislang nicht gelungen. Bis 2016 läuft sein Vertrag, ihm bleibt ein Jahr Zeit, seine Mission zu erfüllen. Oder er schafft Dienstag ein Wunder.