Handball

Mach’s noch einmal, Tino!

Füchse-Star Igropulo wünscht sich zum Abschied ein perfektes Pokal-Wochenende

Es war das Bild jenes denkwürdigen Wochenendes in Hamburg, verbreitet von Konstantin Igropulo über Twitter. Der Modellathlet stand in der Kabine der Füchse Berlin, quasi nackt, fast platzend vor Freude. Die Goldmedaille baumelte an seiner Brust. Vor den Schoß hielt er den Deutschen Handball-Pokal, den sein Team soeben gewonnen hatte. Igropulo war mit 16 Treffern an den zwei Tagen in der O2 World, neun davon im Finale gegen Flensburg, neben dem überragenden Torhüter Silvio Heinevetter Anführer einer Mannschaft, deren Auftritt Manager Bob Hanning so würdigte: „Wir haben das Wort Leidenschaft neu definiert.“

Die Füchse feierten den ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte, natürlich auch das mit Hingabe. „Dieser 13. April: Ich wünsche jedem Sportler so einen Tag“, erinnert sich Igropulo, der in der Party-Nacht 29 wurde und sich zudem auf die Geburt seines ersten Kindes freute, „das war wie ein Jackpot.“ Ein gutes Jahr und manche Enttäuschung später kehren der Linkshänder und die Füchse zurück an die Stätte ihres Triumphs. Im Halbfinale am Sonnabend (16.45 Uhr, Sport 1) treffen sie auf den SC Magdeburg, zuvor spielen die SG Flensburg-Handewitt und die Rhein-Neckar Löwen den ersten Endspielteilnehmer aus. Igropulo sagt: „Es ist schon komisch im Sport. Du kannst eine Kack-Saison haben. Dann gewinnst du etwas, und die Leute sagen: ist doch perfekt!“

Riesiges Verletzungspech

Die Füchse und er haben die Gelegenheit, eine nicht nach Wunsch verlaufene Spielzeit innerhalb weniger Tage in ein anderes Licht zu rücken. Da widerspricht Hanning vehement: „Die Ergebnisse sind nicht schlechter als letztes Jahr“, sagt er, „wir stehen auf Platz sechs in der Bundesliga und in zwei Finalturnieren – davor muss man den Hut ziehen.“ Nach dem Final Four um den deutschen Pokal kämpfen die Berliner am Wochenende darauf in eigener Halle um den EHF-Pokal. Die „andere Seite der Wahrheit“ verschweigt der Geschäftsführer freilich nicht: „Wir haben es nicht geschafft, die Emotionen und die Leidenschaft aus der letzten Saison mitzunehmen.“

Verschiedene Ursachen sieht er dafür. Die Doppelbelastung von ihm und Trainer Dagur Sigurdsson, die als DHB-Vizepräsident und Bundestrainer an ihre Grenzen stießen. Dazu hatten die Füchse riesiges Verletzungspech, unter anderem mit den Ausfällen von Abwehrchef Denis Spoljaric und Spielmacher Bartlomiej Jaszka. Es gab weitere Rückschläge. Die Torhüter-Leistungen ließen nach, und von Spielern wie Pavel Horak, Mattias Zachrisson oder Igropulo habe es nicht „das Mehr gegeben, das wir von ihnen brauchen. Tino hat in seinen ersten beiden Jahren auf deutlich höherem Niveau gespielt. Das jetzt ist Durchschnitt.“ Igropulo gehörte zu den Spielern, denen der Manager mitteilte, dass sie sich einen neuen Klub suchen können.

Der Russe hat einen gefunden. Mit KIF Kolding (Dänemark) wird er nächste Saison in die Champions League zurückkehren. Er wäre gern geblieben und die Schelte hat ihn getroffen. „Ich werde dazu jetzt nichts sagen, weil ganz wichtige Turniere vor uns stehen“, sagt er, „das Wichtigste ist die Mannschaft, und ich möchte keine Unruhe reinbringen.“ Der Pokal, sagt der 30-Jährige, sei sehr speziell. „Du kannst in der Bundesliga das ganze Jahr gut oder schlecht spielen, das ist vergessen, wenn du zum Final Four kommst. Jetzt zählt nur Magdeburg.“ Eine große Chance für die Füchse, die neun der letzten zehn Partien gegen den SCM gewannen. Und er? Kann er wieder 16 Tore beisteuern, sein besseres Gesicht zeigen? „Wenn ich die Einsatzzeit bekomme“, antwortet er lächelnd, kehrt aber sofort um. Die Mannschaft zählt. „Wir haben die Chance, das noch einmal zu machen“, sagt Igropulo.