Bundesliga

Boateng vermiest Stevens die Rückkehr

Der Berliner führt Schalke zum 3:2 gegen Stuttgart und den Ex-Coach

Huub Stevens blickte hilfesuchend an die Decke. „Unser lieber Herr da oben...“, sagte der Trainer des VfB Stuttgart nach dem unglücklichen 2:3 (1:1) bei seinem Ex-Klub Schalke 04 schulterzuckend und grübelte: „Vielleicht sollten wir auch ins Kloster gehen.“ Gerade hatte der Niederländer mit dem Bundesliga-Tabellenletzten an seiner alten Wirkungsstätte erneut einen Vorsprung aus der Hand gegeben, war dem ersten Abstieg seiner Karriere wieder ein Stück näher gekommen – und wirkte ratlos.

Wie die Schalker in der Krise die Ruhe in der Nähe eines Klosters zu suchen, sei „auch eine Überlegung“, meinte Stevens. Das Glück, das dem VfB in den vergangenen Wochen fehlt, sollte „ganz schnell zurückkommen“. Es wird auch Zeit: Drei Spieltage vor Schluss trägt der Traditionsklub in der schlechtesten Saison seiner Vereinsgeschichte weiter die Rote Laterne, der Rückstand auf den Relegationsplatz ist auf drei Punkte angewachsen. „Wir machen Woche für Woche unsere Fehler“, stellte Stevens resigniert fest.

Seine erste Pleite als Gästetrainer bei seinen Schalkern, deren Fans ihn zwischenzeitlich mit Gesängen feierten, schmerzte besonders. 2:1 hatte der Tabellenletzte beim Champions-League-Achtelfinalisten geführt – völlig verdient mit mehr Spielkultur als die taumelnden Königsblauen und Chancen zum dritten Tor. „Wenn du das 3:1 machst, gehst du mit drei Punkten hier weg“, meinte Stevens.

Doch Klaas-Jan Huntelaar, der schon in der Anfangsphase (9.) nach einem kapitalen Fehler von Georg Niedermeier seine Torflaute nach 1196 Bundesliga-Minuten beendet hatte, mit seinem zweiten Treffer (78.), und Florian Klein, der einen Volleyschuss des ehemaligen Herthaners Kevin-Prince Boateng ins eigene Netz ablenkte (89.), besiegelten die vierte Auswärtsniederlage in Folge. Die sehenswert herausgespielten Tore von Martin Harnik (22.) und Filip Kostic (51.) waren zu wenig.

Stevens wirkte nach dem erneuten Rückschlag mitgenommen. „Ich kann ja nicht sagen: Leckt mich am Arsch“, merkte er an, „wenn der Verein meint, ein anderer kann es besser als ich, dann müssen sie eine Entscheidung treffen. Aber ich versuche, jeden Tag zu kämpfen.“ Die Rückkehr nach Gelsenkirchen wäre für Schalkes Jahrhunderttrainer vor 61.000 Zuschauern beinahe zum Triumphzug geworden.