Fußball

„Es gibt immer eine Chance“

Salomon Kalou setzt auf Hertha, trotz des Ausfalls von Torwart Thomas Kraft gegen die Bayern

Zwei Profis bei Hertha BSC haben sich besonders gefreut auf die Rückkehr nach München: Salomon Kalou, der 2012 mit dem FC Chelsea überraschend im Elfmeterschießen gegen den hohen Favoriten FC Bayern im „Finale dahoam“ in der Champions League gewonnen hat (4:3 i.E., 1:1, 0:0). Und Thomas Kraft, der die Torwart-Ausbildung beim FC Bayern durchlaufen hat und 2011 seine ersten elf Bundesliga-Spiele im Trikot des deutschen Rekordmeisters absolviert hat.

Doch Kraft ist nicht dabei, wenn Hertha am 30. Bundesliga-Spieltag an diesem Sonnabend beim Tabellenführer FC Bayern antritt (18.30 Uhr, Liveticker bei immerhertha.de). Herthas Nr. 1, die bei 28 der bisher 29 Saisonspielen zu Beginn auf dem Platz stand, zog sich im Training am Donnerstag eine Rippenprellung zu. Kraft blieb in Berlin. Stattdessen sind Sascha Burchert, 25, und Marius Gersbeck, 19, mit nach München geflogen.

Auch Jarstein fehlt verletzt

Rune Jarstein, der norwegische Nationaltorwart, steht wegen Rücken-Problemen derzeit nicht zur Verfügung.

„Wenn der Stammtorwart ausfällt, ist das immer schlecht“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. „Gleichzeitig bietet so eine Situation die Chance für den Ersatzmann, sich zu beweisen, zumal, wenn es zum FC Bayern geht.“

Wahrscheinlich wird Burchert, der seit längerem die Nummer zwei ist, im Tor stehen. Torwarttrainer Richard Golz lobte unter der Woche, als niemand wissen konnte, dass Kraft ausfallen würde: „Sascha trainiert sehr gut. In Stuttgart hat er bewiesen, dass er sofort da ist, wenn er gebraucht wird.“ Am 6. März war Burchert nach 83 Minuten eingewechselt worden, als Kraft wegen einer Gehirnerschütterung vom Platz musste. Burchert trug seinen Teil zu einem hart erkämpften 0:0 beim VfB bei.

Gersbeck gilt als großes Talent und hatte mit seinem Profi-Einstand, dem 2:1-Sensationssieg gegen Dortmund im Dezember 2013 einen bärenstarken Einstand. Doch zuletzt war der Junioren-Nationaltorwart acht Monate am Knie verletzt und trainiert erst seit vier Wochen wieder.

Burchert hat eine bisher eigentümliche Karriere. Sein Bundesliga-Debüt gab er im September 2009, einem 0:4 gegen den SC Freiburg. Bis heute, sechs Jahre später, weist die Statistik bei Burchert erst sechs Erstliga-Spiele aus. Immerhin verfügt er aktuell über einen Spielrhythmus. Burchert stand am vergangenen Wochenende für Herthas U23 im Tor und hielt ein 1:0 gegen den ZFC Meuselwitz fest.

Die Partie gegen den FC Bayern ist richtig wichtig. Hertha BSC ist zwar krasser Außenseiter, hofft im Kampf um den Klassenerhalt aber auf einen Zähler beim klaren Tabellenführer. Allerdings setzten die Münchener unbedingt auf einen Sieg. „Wir wollen an diesem Wochenende Deutscher Meister werden“, sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola. Dafür braucht der FC Bayern einen Sieg gegen Hertha, und Sonntag darf Verfolger Wolfsburg seine Partie in Mönchengladbach nicht gewinnen. Treten diese beide Komponenten ein, heißt es: Meister-Weizen im April.

Nach außen hin tun die Verantwortlichen bei Hertha alles, um den Ball flach zu halten. Manager Preetz, Herthas Rekordtorjäger, der hier und da mal ein Remis aus München mitgebracht hat, sagt: „Zu unserer Zeit war’s mal möglich, wenn bei den Bayern nicht alles gepasst hat, und wir einen sehr guten Tag erwischt haben, einen Punkt mitzunehmen.“ Aber der Fußball habe sich rasant entwickelt. Preetz: „Und der FC Bayern ist eines der besten Teams der Welt.“ Ganz zu schweigen von einem Sieg, Hertha hat zuletzt am 29. Oktober 1977 beim FC Bayern gewonnen. Salomon Kalou jedoch findet, bange machen gilt nicht. Der Champions-League-Sieger von 2012, mittlerweile für Hertha aktiv, gibt sich unbeeindruckt von der beeindruckenden Vorstellung der Bayern gegen den FC Porto (6:1). „Die Champions League ist ein anderer Wettbewerb. Heute geht es um Punkte in der Bundesliga.“ Kalou sagt: „Es gibt gegen jede Mannschaft eine Chance.“

Bayern tritt mit B-Elf an

Doch wie es aussieht, werden die Gastgeber eine – natürlich immer noch hochkarätige – B-Elf aufbieten. Arjen Robben, Franck Ribéry und Holger Badstuber fallen verletzt aus. Mit Blick auf das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund (Dienstag, den 28. April) und die Halbfinals in der Champions League gegen den FC Barcelona (6. und 12. Mai) werden gegen Hertha die leicht angeschlagenen Rafinha, Jerome Boateng, Juan Bernat und Robert Lewandowski geschont.

Allerdings wird Hertha nicht nur verteidigen können, sondern muss auch mutig nach vorn spielen. Da trifft es sich schlecht, dass Torjäger Kalou in der Rückserie erst einmal getroffen hat. „Klar frustriert mich das“, sagt Kalou. „Aber ich habe das Toreschießen nicht verlernt. Ich werde treffen, wenn die Mannschaft es meisten nötig hat.“