Aufstieg

Die Zukunft beginnt in Tempelhof

Sauerland präsentiert in der Columbiahalle seine künftigen Boxchampions wie Tyron Zeuge

Premieren haben ihren eigenen Reiz, nicht nur im Theater oder beim Film. Und so sehen die Verantwortlichen bei Deutschlands größten Profiboxstall Sauerland mit Spannung dem Kampfabend am Sonnabend in der Columbiahalle (ab 17.20 Uhr) entgegen. „Großer Sport auf kleiner Bühne“ könnte das Motto lauten, wäre da nicht die knallharte Zielsetzung der Berliner.

Die Gallionsfiguren Arthur Abraham, Jürgen Brähmer und Yoan Pablo Hernandez – alle drei amtierenden Weltmeister – brauchen einen starken Unterbau. Denn nur mit den werberelevanten WM-Titeln ist das Geschäft lukrativ. Was liegt also näher, als einige Sauerland-Kämpfer, die in die Fußstapfen der Champions treten können, am Sonnabend in Tempelhof zu präsentieren.

„Wir haben hier in Berlin ganz hervorragende Boxer. Und die wollen wir lokal öfter und stärker in den Fokus rücken“, begründet Sauerland-Geschäftsführer Chris Meyer die Entscheidung für die 2000-Zuschauer-Halle. Was den Druck auf die Protagonisten keineswegs kleiner werden lässt. Stellvertretend für das Team formuliert Cheftrainer Ulli Wegner die Ansprüche. „Wir haben es in der Hand, dass das Boxen populär bleibt. Wenn ich sehe, welche Qualitäten unsere Jungs mitbringen, ist mir auch nicht bange. Aber wir müssen die Leistungen abliefern. Immer und immer wieder.“

Am Sonnabend trifft das in erster Linie auf Super-Mittelgewichtler Tyron Zeuge zu. Er ist der Mann hinter Abraham. Sein Gegner, Nikola Sjekloka, ist ein echter Gradmesser, stand der 36 Jahre alte Montenegriner doch bereits mit König Arthur im Ring und unterlag am 3. Mai 2014 in Berlin nur nach Punkten. „Er ist ein erfahrener Mann, aber ich denke schon, dass ich ein paar Vorteile habe“, zeigt sich Zeuge optimistisch. Dass ihn sein Gegner zumindest verbal unterschätzt („Er ist nur ein Junge, ich bin ein Mann“), lässt Zeuge kalt. Schließlich steht der 22-Jährige, der von Trainer Karsten Röwer gedrillt wird, im Anforderungsprofil des Berliner Teams klar unter der Rubrik „künftiger Weltmeister“.

Was auch für Enrico Kölling, 24, zutrifft. Seine Situation ist aber eine besondere. Kölling musste sich am 21. Februar dieses Jahres in Berlin mit seiner ersten Niederlage als Profi abfinden. Der Italiener Mirco Ricci erwies sich als zu clever. Oder wie Kölling es ausdrückte: „Ich habe zu wenig gemacht.“ Da helfen dann klare Worte. „Ich habe nur einen Tag Pause gemacht und bin dann sofort wieder ins Training zurückgekehrt“, lacht Halbschwergewichtler Kölling heute, wird dann aber ernst: „Mein Trainer und Jürgen Brähmer haben mir ein paar harte, klare Dinge gesagt. Ich denke, das hat mir geholfen.“ Sein heutiger Gegner Andrej Maurer ist ein unbeschriebenes Blatt, was die Teamerwartungen aber erhöht. Kölling muss überzeugen.

Dritter Lokalmatador ist Schwergewichtler Burak Sahin. „Für mich geht es um ein ganz großes Ding. Wenn ich gewinne, kann ich mir Hoffnung auf einen festen Vertrag bei Sauerland machen. Das ist wie ein Jackpot als Boxer“, konzentriert sich der 24-jährige auf die bislang wichtigste Aufgabe in seiner Karriere. Für Karsten Röwer lohnt der Blick auf Sahin. „Der ist so etwas wie ein Rohdiamant. Ziemlich selbstbewusst, aber er dreht nicht durch. Burak weiß, dass er irgendwann vor einem richtigen Prüfstein steht und wird sich dementsprechend verhalten. Klar ist aber, er hat noch viel Arbeit vor sich.“