Triumph

Bayern wie entfesselt

Die Münchner überrollen den FC Porto und stehen im Halbfinale der Champions League

Auf der Tribüne jubelte der verletzte Arjen Robben wie entfesselt. Weiter unten, auf dem Rasen, fielen sich die Spieler des FC Bayern reihenweise um den Hals. Selbst Pep Guardiola, der Startrainer des deutschen Rekordmeisters, feierte derart ausgelassen, dass ihm sogar die Hose seines Designeranzugs schon während des Viertelfinal-Rückspiels in der Champions League gegen den FC Porto riss. Geschenkt an einem Abend, an den sich die 70.000 in der Arena und Millionen an den TV-Geräten noch lange erinnern werden. Die Bayern sind wieder da, und wie – 6:1 (5:0) hieß es nach einer Partie, in der die Münchner die Portugiesen vor allem in der ersten Halbzeit geradezu überrollten. So als wollten sie die Machtverhältnisse, die nach dem 1:3 im Hinspiel durcheinander geraten waren, ohne Gnade wieder gerade rücken.

„Das war wunderbar. Es ist schwer in Worte zu fassen. Besser hätte es nicht laufen können. Das wir so in der ersten Halbzeit spielen, hätte ich auch nicht gedacht“, sagte Thomas Müller. Mit seinem Tor zum 4:0 in der 36. Minute löste der Weltmeister mit nun 27 Toren nicht nur Mario Gomez als deutschen Rekordtorschützen in der Champions League ab, sondern stellte auch unmissverständlich klar: Für Porto gab es an diesem Dienstagabend auf dem Weg ins Halbfinale nichts zu holen.

„Das war ein Riesenaufwand. Man hat ja immer so ein bisschen davon gesprochen, dass wir auf dem Zahnfleisch laufen. Aber es ist ein gutes Zahnfleisch, denke ich“, flachste Müller, wohl wissend um die Bedeutung, die die Partie nach der Unruhe in der vergangenen Woche mit der Hinspiel-Pleite und der Trennung von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte. „Wir haben wenig Situationen im Jahr, in denen wir wirklich etwas gewinnen können. Heute war so eine“, so Müller.

Thiago (14.), Jerome Boateng (22.) und zweimal Robert Lewandowski (27., 40.) schossen neben Müller die höchste Halbzeitführung der Bayern in einem K.o.-Spiel in der Königsklasse heraus. „Weil wir uns gegenseitig geholfen haben“, analysierte Kapitän Philipp Lahm treffend.

Nur eine Veränderung

In der Tat hatte man das Gefühl, als würden elf andere Bayern-Spieler auf dem Platz stehen als noch vergangene Woche. Dabei hatte Guardiola nur eine Änderung vorgenommen. Statt des im Hinspiel unglücklich agierenden Dante stand Holger Badstuber in der Innenverteidigung. Das Spiel über die Flügel wurde angesichts der Abwesenheit der gesperrten Porto-Außenverteidiger Danilo und Alex Sandro deutlich intensiviert – Lahm und Mario Götze wurden dort immer wieder gesucht.

„Das war ein Sieg, der uns wieder einen Schritt weiter ans Finale gebracht hat“, blickte Lahm in Richtung Endspiel am 6. Juni im Berliner Olympiastadion. Erst in der zweiten Halbzeit – als die Bayern einen Gang runterschalteten, wohl auch weil die erste Halbzeit zu viel Kraft gekostet hatte – kam Porto ein wenig auf und durch Jackson Martinez zum Anschlusstreffer (73.). Doch ein Freistoß von Xabi Alonso beseitigte in der 88. Minute alle Zweifel. Zuvor hatte Portos Ivan Marcano nach wiederholtem Foulspiel noch Gelb-Rot gesehen (87.).

„Wir haben in der ersten Halbzeit geil gespielt. Viele Leute haben gedacht, dass wir es nicht schaffen. Aber wir sind die Bayern“, sagte Lewandowski. Plötzlich ist das „Mia san mia“-Gefühl wieder zurück. Zum neunten Mal insgesamt und zum vierten Mal in Serie stehen die Münchner im Halbfinale der Königsklasse. In der heimischen Arena wurde die beeindruckende Europacup-Saisonquote auf fünf Siege und 19:1 Tore ausgebaut. „Nach der Niederlage waren die Spieler meine Helden, jetzt ist es einfach, sie zu lieben“, sagte Trainer Guardiola.

Erstmals wurde von den Bayern ein Zwei-Tore-Rückstand noch aufgeholt – dies war in der Champions League zuvor nur dem FC Barcelona, Manchester United, dem FC Chelsea und AS Monaco geglückt. Pep Guardiola wahrte außerdem seine Serie, in der Champions League mindestens immer im Halbfinale zu stehen. Die Auslosung für die Spiele am 5./6. und 12./13. Mai findet am Freitag statt.

Barcelona ohne Mühe

Neben den Bayern steht auch Torhüter Marc-André ter Stegen mit dem FC Barcelona im Halbfinale. Sechs Tage nach dem 3:1 im Hinspiel setzte sich der spanische Klub auch im heimischen Camp Nou sicher mit 2:0 (2:0) gegen Paris Saint Germain durch. Doppeltorschütze Neymar machte schon vor der Pause mit seinen Treffern in der 14. und 34. Minute für die Mannschaft von Trainer Luis Enrique alles klar. Der Heimsieg des in allen Belangen überlegenen Tabellenführers der Primera Division war hochverdient.