Motorsport

Eismann in der Wüste

Finne Räikkönen beweist mit Platz zwei in Bahrain, dass Ferrari zwei starke Formel-1-Piloten hat

Das Bild des Abends lieferte der Mann, der sich am liebsten gar nicht fotografieren lassen würde. Arm in Arm mit Partnerin Minttu Virtanen schlenderte Kimi Räikkönen nach seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Bahrain durch das nächtliche Fahrerlager und ließ sich anschließend von seinen Ferrari-Kollegen beglückwünschen. Um den überraschenden Erfolg – und den ersten Sieg im teaminternen Zweikampf mit Sebastian Vettel – gebührend zu feiern, verlangte er unverblümt: „Ich will ein Bier.“ Doch im streng islamischen Königreich, wo bereits auf dem Podest mit Formel-1-untypischem Rosenwasser anstelle von Champagner gespritzt worden war, gab es nur eine Cola für den vorzugsweise „Iceman“ genannten Finnen.

„Ich kann ganz offiziell sagen: Kimi is back“, sagte Räikkönens Teamchef Maurizio Arrivabene später bestens aufgelegt: „Jetzt weiß jeder, dass wir zwei schnelle Fahrer haben. So soll es sein.“ Dass sich sein bisheriger Toppilot Vettel mit zwei Fahrfehlern jede Chance auf einen Podestplatz verbaut hatte und nur Fünfter wurde, störte den Italiener kaum: „Ich mag Sebastians Ehrlichkeit. Er ist sofort gekommen und hat sich beim Team entschuldigt. Er ist ein guter Junge. Wenn alles perfekt gelaufen wäre, hätten wir beide auf dem Podest gesehen.“

Noch hat der Hesse als WM-Dritter mehr als zwanzig Punkte Vorsprung vor seinem Garagennachbarn (65:42). Doch schon vor Vettels finalem Patzer, bei dem er sich seinen Frontflügel beschädigte, ließ Räikkönen via Funk seine Mannschaft wissen: „Ich bin schneller als er. Lasst mich vorbeifahren.“ Die Hierarchie bei Ferrari ist momentan noch so offen wie die Badminton-Duelle, die sich die beiden Fahrer regelmäßig liefern. Für Arrivabene könnte die Situation vor dem Auftakt der Europarennen in drei Wochen in Barcelona kaum besser sein.

Sowohl Vettel als auch Räikkönen haben bewiesen, dass sie die Dominanz der Silberpfeile zumindest teilweise durchbrechen können. Weltmeister Lewis Hamilton war in der Wüste zwar wieder einmal zu schnell für den Rest des Feldes; dessen Stallgefährten Nico Rosberg konnte das rote Duo jedoch von Beginn an unter Druck setzen. Als der Finne zwei Runden vor Schluss an dem Deutschen vorbeizog, weil dessen Bremsen versagt hatten, vollführte Arrivabene in der Ferrari-Garage einen Jubeltanz. Der 57-Jährige steht nach wie vor bei den Roten unter Leistungsdruck. Und Räikkönen? „Wir sind als Team in der Lage, um Siege zu kämpfen“, lautete sein Fazit.

Der Rückstand der Roten auf die Silbernen ist deutlich geschrumpft. Bei großer Hitze ist man fast auf Augenhöhe. „Mercedes ist unser Ziel“, sagte Vettel: „Sie wollen wir eines Tages knacken können.“ Wie allgegenwärtig diese Gefahr beim Sterne-Team ist, verdeutlichte Motorsportchef Christian Wolff mit seiner Reaktion auf Vettels Resultat. „Dass er nur Fünfter geworden ist, ist gut. So hat er ein paar Punkte verloren. Es war ein Dämpfer zur rechten Zeit für ihn.“ Mit dem Großen Preis von Spanien am 10. Mai beginnt die Europasaison. Dorthin kommen alle Top-Teams mit wesentlich veränderten Autos ins Fahrerlager. Dann wird man sehen, wie nahe Ferrari den Silberpfeilen wirklich schon gerückt ist.