Schwimmen

Randfiguren bei der Rekordjagd

Deutsche Athleten schwimmen bei Meisterschaften der Behinderten hinterher

So richtig wussten Veranstalter und Trainer nicht wohin mit ihren Emotionen nach den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten (IDM) in Berlin. Ganze 47 Weltrekorde und Topresultate am laufenden Band auf der einen, eine Minimalbeteilung der hiesigen Asse an dieser Ausbeute auf der anderen Seite – die Gefühle von Hauptstadt-Stützpunktchef und Cheftrainer Matthias Ulm waren gespalten. Hier ein großartiges Event mit starken Auftritten der Besten unter den fast 600 Teilnehmern aus 41 Nationen, da aber eine mitunter kaum wahrnehmbare deutsche Präsenz, die sich mit gerade drei Bronzemedaillen im Nationenranking dokumentierte.

IDM-Organisator Ulm dachte dennoch zunächst positiv und sagte: „Die Idee der Veranstaltung ist es, die Weltelite des paralympischen Sports nach Berlin zu holen, da uns das Geld für die Reisen zu den Wettkämpfen in der Welt fehlt. Dieser Plan ist angesichts der Ergebnisse voll aufgegangen. Einerseits spiegelt er den Unterschied zwischen den professionell geförderten Nationen und uns wieder, andererseits fehlten einige deutsche Top-Athleten“. In dieser Aussage steckt ein ganzer Berg von Problemen, einer, für dessen Bewältigung es neuer Ansätze und kreativer Ideen bedarf. Eine IDM ohne deutschen Sieg in den Open-Wettbewerben, das hatte es bis dato noch nie gegeben. Immerhin hatte sich der Potsdamer Brustschwimmer Torben Schmidtke mit zwei persönlichen Bestmarken und einer Medaille an der Ausbeute beteiligt.

In vielen Disziplinen wurden A- oder B-Finals erst gar nicht erreicht. „Wir müssen was tun, bei den Strukturen, beim Personal, bei der Förderung – soviel ist klar“, wiederholte Matthias Ulm mehrfach. Besonders spürbar wurden die Defizite bei dem sonst selten praktizierten Modus der IDM, der alle 14 Startklassen gemeinsam schwimmen lässt und über ein Punktsystem miteinander vergleicht. Ulm: „Ein Platz im A-Finale der Top10 ist definitiv Weltklasse, denn in den meisten der 34 Einzelrennen bekam man es dann überwiegend mit Paralympics-Siegern und Weltmeistern zu tun.“ Die deutschen Schwimmer waren immerhin über 20 Mal vertreten.

Zu denen, die diese Grenzmarke bewältigten, gehörte die 18-jährige Emely Telle vom Berliner Schwimmteam. Eines der nicht gerade im Übermaß vorhandenen deutschen Talente. Sie war bereits WM- und EM-Zweite, schwamm Weltrekord. Nun bestätigte sie mit Platz neun über 50 Meter Brust die Norm für die WM in Glasgow. „Sie ist eine, die wir pflegen und weiterentwickeln müssen“, sagt Ulm. Für die Öffentlichkeit sei die Neunte kein Wort wert, „dabei kann man Emely zu diesem Signal unter den Weltbesten nur gratulieren“. Die Thüringerin, angeboren sehbehindert, kam vor knapp drei Jahren aus Weimar nach Berlin an die Sportschule und hat sich durchgesetzt. „Sie wusste und weiß ziemlich genau, was sie will“, hat ihr Trainer Maik Zeh festgestellt. Der ganz große Traum von Telle sind die Paralympics 2016 in Rio, die ihre ersten wären. „Dafür trainiere ich und daran denke ich fast jeden Tag. Sie sind das Wichtigste. Alles andere sind Zwischenstationen.“