Bundesliga

Keine Siege, aber Hannover hält an seinem Trainer fest

Tayfun Korkut hat 2015 noch kein Pflichtspiel gewonnen

Eigentlich verdient das Applaus. Hannover 96 nähert sich zielstrebig dem Abgrund und hält doch weiter an Tayfun Korkut fest. Die Chance, dass Verein und Trainer gemeinsam in die Zweite Liga abstürzen, erhöht sich von Woche zu Woche. Trotzdem behauptet sich der 41-Jährige im Amt und darf seine mäßigen Durchhalteparolen wiederholen. „Die Mannschaft wollte unbedingt“, sagte Korkut über ein Team, das mit 0:4 bei Bayer Leverkusen verloren und nicht den Hauch einer Chance besessen hatte.

Dass Hannovers Präsident Martin Kind trotzdem an Korkut festhält, liegt an zwei Dingen. Er prophezeit dem Trainer, den er geholt hat, eine große Zukunft. Und der 96-Boss will aus den vielen Entlassungen der Vergangenheit gelernt haben. Hannovers Schicksalsgemeinschaft zwischen Präsident und Trainer, die durch Sportdirektor Dirk Dufner ergänzt wird, sieht von außen betrachtet merkwürdig aus. Wie eine Ehe, die gar nicht mehr funktioniert, aber bloß nicht geschieden werden darf. Wie ein Experiment, das nicht enden darf, weil sein Ergebnis etwas ganz Wunderbares verspricht.

Das Bündnis wird jedoch stark belastet, weil 96 in diesem Jahr noch kein Pflichtspiel gewonnen hat. „Das Spiel in Leverkusen war ein ganz klarer Schritt zurück. Das wird nicht reichen“, gesteht Korkut. Für einen, der seinen ersten Job als Profi-Cheftrainer bekleidet, beweist er erstaunliches Stehvermögen. Dass er darauf verzichtet, einzelne Spieler an den Pranger zu stellen, ehrt ihn. Leider versäumt es die Mannschaft, sich mit einer guten Leistung zu revanchieren.

Der öffentliche Tayfun Korkut sieht, vor allem wenn viele Fernsehkameras auf ihn gerichtet sind, oft weinerlich aus. Tatsächlich gehört ein ordentliches Stück Selbstvertrauen zu seinen ständigen Begleitern. Wer ihn abseits des Liga-Getöses fragt, ob ein Rücktritt für ihn gar nicht in Frage kommt, erhält eine sehr klare Antwort. „Rücktritt? Das bin ich nicht. Verantwortung wegschieben – das gibt es in meinem Leben nicht“, versichert der frühere türkische Nationalspieler. Korkut wird es mitten im Abstiegskampf auch noch mit Würde ertragen müssen, dass sein Vorgänger als sein möglicher Nachfolger gehandelt wird. Mirko Slomka war im Dezember 2013 mangels Erfolg in Hannover entlassen worden. Seine Wiedereinstellung wäre ein Versuch, sich auf der Saisonzielgeraden eines Retters zu bedienen, der keine Eingewöhnungszeit benötigt.