Fußball

Wie in seinen besten Zeiten

Ein überragender Mesut Özil führt Arsenal ins Finale des FA-Cups. Mertesacker muss verletzt ausgewechselt werden

Mesut Özil zauberte wie an besten Tagen, doch Kapitän Per Mertesacker konnte sich über die starke Leistung seines Teamkollegen und den Einzug ins FA-Cup-Endspiel des FC Arsenal nicht uneingeschränkt freuen. Während Özil und Co. die baldige Rückkehr des Titelverteidigers nach Wembley feierten, humpelte Mertesacker mit einem schützenden Schuh am linken Fuß aus der Kathedrale des englischen Fußballs.

„Was soll ich sagen? Ich bin etwas niedergeschlagen. Ich habe mir den Knöchel verdreht und muss die Untersuchung abwarten, aber ich bin natürlich auch erfreut, dass wir im Finale stehen“, sagte der deutsche Fußball-Weltmeister. „Es sieht nicht gut aus“, sagte der eher skeptische Teammanager Arsene Wenger über Mertesackers Verletzung an dessen Knöchel.

Der Abwehrchef war wegen der Blessur in der 63. Minute des Halbfinalspiels im Wembley-Stadion gegen den Zweitligisten FC Reading beim Stand von 1:1 ausgewechselt worden. Garath McCleary (54.) hatte Arsenals Führung durch Alexis Sanchez (40.) – nach klugem Zuspiel Özils – ausgeglichen. Und so musste Spielführer Mertesacker zuschauen, wie sich Arsenal in einer wahren „Nervenschlacht“ (Wenger) weiter aufrieb. „Wir haben sehr gelitten. Reading war bereit, auf dem Platz zu sterben. Für unsere Nerven war es eine Zerreißprobe. Es war schwer. Am Ende haben wir ein bisschen Glück benötigt“, sagte Wenger.

Glück – und Özil. Der Weltmeister legte Sanchez auch das 2:1 (105.+1) auf, bei dem der Chilene zudem die gütige Hilfe von Readings bedauernswertem Torhüter Adam Federici erhielt. Der bis dahin starke Australier ließ Sanchez’ wenig gefährlichen Schuss durch Hände und Beine ins Tor gleiten und ermöglichte so den 19. Finaleinzug der Gunners.

Im Endspiel am 30. Mai im Wembley-Stadion soll dieser Bestmarke mit dem zwölften Pokalsieg gegen Aston Villa, das am Sonntag überraschend den FC Liverpool mit 2:1 (1:1) bezwang, der nächste Rekord folgen.

Eine Schlüsselrolle dürfte dabei abermals Özil zukommen. Der 26-Jährige befindet sich derzeit in seiner besten Verfassung seit seinem Wechsel nach London im Sommer 2013. „Es war eine Freude, ihm zuzusehen, wenn er den Ball hatte“, schrieb die „Daily Mail“, der „Independent“ lobte den „Strippenzieher im Mittelfeld“ – und gab ihm mit der 8 von 10 gar eine bessere Note als Doppel-Torschütze Sanchez (7). Dieses Duo habe „den Unterschied gemacht“, hieß es im „Guardian“.

Der Pokal ist wie im Vorjahr Arsenals letzte Titelchance. In der Premier League hielten die Kanoniere (66 Punkte) nach dem 0:1 des drittplatzierten Manchester United (65) bei Spitzenreiter FC Chelsea Rang zwei; der Rückstand auf den Tabellenführer ist mit zehn Zählern bei jeweils noch sechs Spielen allerdings zu groß, um noch von einer Meisterschaft zu träumen.

Blick geht nach Wembley

Am nächsten Sonntag kommt es in Englands höchster Spielklasse zum direkten Duell, weshalb Wenger meinte: „Lasst uns erst mal einen guten Abschluss in der Liga hinbekommen.“ Dann gehe es zurück nach Wembley, „und da werden wir alles tun, um den Pokal behalten zu dürfen“. Das letzte Mal gelang dies übrigens Chelsea 2010, Arsenal glückte dieses Kunststück 2003 noch ohne Deutsche. Angesichts der Seltenheit eines doppelten Pokalgewinns sagte Per Mertesacker, der seit 2011 beim FC Arsenal unter Vertrag steht, fast schon ehrfürchtig: „Es wäre eine große Ehre, den FA-Cup verteidigen zu können.“