Formel 1

Hamilton, wer sonst!

Der Brite gewinnt im Mercedes auch den Großen Preis von Bahrain. Ferrari-Pilot Vettel verpasst in Sakhir das Podest

Lewis Hamilton hat eine perfekte Vorstellung beim Flutlicht-Rennen in Bahrain mit einem ungefährdeten Triumph, dem 36. seiner Karriere, gekrönt. Und so nahm es nicht wunder, dass er auf den Siegerpodest auch allenfalls Kleinigkeiten zu kritisieren hatte. „Es war ein wenig schwierig, auf die Reifen zu achten. Und meine Bremsen sind etwas zu warm geworden. Aber es war auch kein richtiges Problem. Für mich läuft im Moment alles rund“, so der 30 Jahre alte Brite.

Die frustrierende Nachricht für seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg kam dagegen bereits in der neunten von 57 Runden. „Wir brauchen ein bisschen Reifenmanagement, wir wollen ein bisschen länger draußen bleiben“, lautete der Funkspruch von der Mercedes-Box, eine verklausulierte Aufforderung für den 29 Jahre alten Deutschen, seinen Vorwärtsdrang zu zügeln. Rosberg, von Startplatz drei ins Rennen gegangen, hatte gerade beide Ferrari – erst Kimi Räikkönen, dann Sebastian Vettel – überholt.

Wie schon in Shanghai eine Woche zuvor blieb ein Angriff von Rosberg auf Hamilton aus. Rosberg hatte zunächst genug Probleme, sich dauerhaft gegen Vettel durchzusetzen. Beide tauschten einige Male die Plätze, sowohl nach Boxenstopps als auch auf der Strecke. Vettels, nach einem Ausritt in Kurve 14 und 15 beschädigter und bei einem Zusatz-Stopp ausgetauschter Frontflügel entschied vorerst das Duell um Rang zwei. Denn Hamilton war weit enteilt.

Doch für Rosberg sollte es noch schlimmer kommen. Zwei Runden vor dem Ende des Rennens, seit geraumer Zeit gewaltig unter Druck des schnellen Räikkönen, verbremste er sich (vermutlich wegen eines technischen Bremsdefekts) und der Finne war vorbei. „Am Ende konnte ich mich nicht mehr wehren. Meine Bremsen waren nicht mehr so, wie ich sie gebraucht hätte. Aber Lewis hätte ich nicht schlagen können. Trotzdem ist es dann eine Enttäuschung, den zweiten Platz auf diese Art zu verlieren.“, bleib Rosberg erstaunlich gelassen. Und fast schon sarkastisch fügte er hinzu: „Ich freue mich auf die vielen Rennen, die noch kommen.“

Sebastian Vettel verspielte seinen vierten Podestrang im vierten Lauf zur Formel-1-WM. Weil sich der Ferrari-Star zudem außerplanmäßig eine neue Fahrzeugnase holen musste, blieb dem vierfachen Champion nur Platz fünf. Kimi Räikkönen sicherte sich am Sonntag im zweiten roten Renner Rang zwei – und ging verbal in die Vollen. „Wir sind jetzt als Team in der Situation, in der wir auch Rennen gewinnen können. Als Zweiter ist man eben nicht wirklich zufrieden. Aber es war schon in Ordnung heute“, so der Weltmeister von 2007. Für Räikkönen war es der erste Podestplatz seit Korea 2013.

Titelverteidiger Hamilton baute durch seinen dritten Saisonsieg die Führung in der WM-Wertung weiter aus. Vor dem Europa-Auftakt in Barcelona in drei Wochen (10. Mai) liegt er mit 93 Punkten schon deutlich vor Rosberg (66) und Vettel (65). Dem Heppenheimer blieb es nur, gute Mine zum bösen Spiel zu machen. „Unsere Strategie für das Rennen war eigentlich die richtige. Aber es passieren eben manchmal Fehler, so wie bei meinem Schaden am Frontflügel. Ich war im Kampf mit Rosberg und wollte meine Position behaupten, was mir aber nicht gelungen ist“, sagte der Ferrari-Neueinsteiger. Vettel weiter: „Gut, dass Kimi heute eine so starke Leistung gebracht hat. Es war ein starkes Wochenende für ihn.“

Button darf nur zuschauen

Einen ganz schwarzen Tag erlebte einmal mehr der ehemalige Weltmeister Jenson Button, der wegen unlösbarer Probleme an der Elektronik seines Wagens kurzfristig auf einen Start verzichten musste. Buttons McLaren-Honda blieb in der Garage stehen, nachdem er bereits im Abschlusstraining keine gezeitete Runde zustande gebracht hatte.

Dass Lewis Hamilton seinen neuen Vertrag bei Mercedes noch immer nicht unterzeichnet hat, bot auch in Bahrain Gesprächsstoff. Schließlich endet mit Ablauf des Jahres 2015 nicht nur der Kontrakt des Briten, sondern auch der des Finnen Kimi Räikkönen bei Ferrari. Was in der sportlich eher unspektakulären Saisonphase zu intensiven Spekulationen einlud.

Bevorzugtes Gedankenspiel: Hamilton wechselt – mit dann vielleicht drei WM-Titeln – zu Ferrari. Ein Dream-Team in Rot, wie es selbst der traditionsreichste Rennstall der Formel 1 noch nicht hatte: Vettel und Hamilton. „Es wäre großartig, Lewis bei Ferrari zu sehen“, sagte Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone. „Ob Sebastian das wollen würde, weiß ich nicht.“

Damit es aber überhaupt dazu kommen könnte, müsste Räikkönens Vertrag nicht verlängert werden – beziehungsweise Ferrari auf eine Option verzichten, die die Scuderia nach Aussagen des Finnen auf seine Dienste auch über 2015 hinaus hat. Mit der bisherigen Leistung von Räikkönen sei er glücklich, „aber er muss pushen. Und das weiß er“, sagte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene, 57, in Bahrain.

Räikkönen, 35 Jahre alt und bis dato letzter Ferrari-Weltmeister (2007), musste Ende 2009 schon einmal für einen höher dekorierten Rivalen weichen. Damals wechselte der zweimalige Champion Fernando Alonso zur Marke aus Maranello. Sollte es Hamilton wirklich zu Ferrari ziehen, wäre die Formel-1-Karriere von Räikkönen vermutlich beendet. Denn jeder Wechsel zu einem schwächeren Team als Ferrari kommt für ihn nicht mehr infrage.

Und bei Mercedes würde der Platz neben Nico Rosberg frei werden. Also, legt man obiges Szenario zugrunde, der Platz neben einer Nummer zwei. Ein vorstellbarer Kandidat wäre der Finne Valtteri Bottas, 25, der momentan im Williams sitzt, einem Auto mit Mercedes-Motor. Oder DTM-Jungstar Pascal Wehrlein, der über Testerfahrung im Silberpfeil verfügt. Bei DTM-Testfahrten in Oschersleben bestätigte der 20-Jährige: „Die Formel 1 ist sicher ein Ziel für mich.“ „Dass so viel in der Öffentlichkeit darüber gesprochen wird, liegt daran, dass Lewis eine solch besondere Persönlichkeit und außerdem Weltmeister ist“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Christian Wolff tapfer. Seit Monaten verhandeln der Österreicher und Hamilton angeblich nur noch über „letzte Kleinigkeiten“.