Hertha BSC

Mühsam dem Ziel entgegen

Hertha macht mit der Nullnummer gegen Köln nur einen kleinen Schritt zum Klassenerhalt

Das Ende des Nachmittages war so wie die vorangegangenen 90 Minuten. Hertha-Torwart Thomas Kraft bedankte sich bei Schiedsrichter Knut Kircher. Genki Haraguchi tauschte das Trikot mit seinem japanischen Landsmann Yuya Osako vom 1. FC Köln. Herthas Co-Trainer plauderte mit Jörg Schmadtke, dem Kölner Sportdirektor. John Brooks sorgte bei den Fans für gute Stimmung, indem er sein Trikot über die Bande reichte. Ein Nachmittag, der niemandem weh getan hat, der aber auch spätestens am Montag vergessen sein wird: 0:0 trennte sich Hertha BSC vom 1. FC Köln.

Damit ist es nichts geworden mit dem erhofften Sieg, der dem Hauptstadt-Klub den ersehnten Klassenerhalt nach nun 29 Bundesliga-Runden sichergestellt hätte – Matchball vergeben. Die andere Seite der Medaille: Mit der ersten Nullnummer dieser Saison im Olympiastadion baut Hertha seine Serie auf nun sieben Spiele ohne Niederlage aus. Zum fünften Mal in dieser Serie stand bei den Berlinern hinten die Null. Der Lohn dieser Eichhörnchen-Taktik: Da die Mitbewerber im Kampf um den Klassenerhalt Paderborn, Hannover und Freiburg alle verloren, hat sich Hertha mit 34 Punkten mittlerweile einen Vorsprung von sieben Zählern auf die Abstiegszone erarbeitet.

Mittelfeldspieler Nico Schulz sagte: „Wir wussten, dass es zäh werden konnte. Wir können mit dem Punkt leben.“ Es war eine Partie wie ein Marshmallow. Das Spielfeld leuchtete sattgrün in der Frühjahrssonne. Die Kulisse mit 51.203 Zuschauern und 22 Profis auf dem Platz versprach einen netten Fußball-Nachmittag. Doch wer in Erwartung eines flotten Fußballspiels zur Schaumzuckerware griff, wurde enttäuscht. Das Spiel hatte keinen Biss, kein Spektakel. Beide Torwarte, Thomas Kraft und Timo Horn, hatten kaum einmal eine Gelegenheit, um sich auszuzeichnen.

Kein Platz für den Gegner

In der ersten Hälfte erlebten die Zuschauer eine typische Halbzeit im Dardai-Style. Die Hausherren standen defensiv sicher. Die Innenverteidiger Sebastian Langkamp und John Brooks sowie davor die Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld mit Per Skjelbred und Fabian Lustenberger ließ dem Gegner keinerlei Platz. Es ging intensiv zur Sache, auch auf den Außenbahnen wurde mit Hingabe um jeden Ball gekämpft. Ein Trainer mag so etwas, weil somit im eigenen Strafraum so gut wie keine gefährlichen Szenen zustande kommen. Es dauerte bis zu 40. Minute, ehe Torwart Kraft die erste brenzlige Szene zu überstehen hatte: Im Anschluss an eine Kölner Ecke flog ein Kopfball von Dominic Maroh knapp über das Berliner Tor.

Für die Besucher im Olympiastadion hinterlassen diese Hertha-Vorstellungen kaum Geschmack. Weil Hertha sich bei eigenem Ballbesitz weiter schwer tut, den Gegner unter Druck zu setzen. Im ersten Durchgang brachten es die Hausherren auf lediglich einen gefährlichen Angriff. Skjelbred spielte sich im Doppelpass mit Nico Schulz im FC-Strafraum frei, schob den Ball jedoch überhastet aus 13 Metern neben das Kölner Tor (30.).

Nach der Pause hatten die Hausherren eine starke Phase. Die begann mit einem Freistoß von Marvin Plattenhardt, den Valentin Stocker per Kopf ins lange Eck verlängerte, doch FC-Torwart Horn lenkte den Ball um den Pfosten (48.). Dann spielte Genki Haraguchi mit einem schwungvollen Solo vorbei an drei Gegenspielern Salomon Kalou frei, der im Kölner Strafraum den Ball nicht unter Kontrolle brachte (53.). Stocker drückte eine Eingabe von Peter Pekarik am FC-Tor vorbei (59.) – das war es dann mit Herthas Angriffsschwung.

Trainer Dardai stand an der Seite und dirigierte seine Mannschaft, die Räume zwischen den Mannschaftsteilen würden zu groß werden. Sofort rückten alle wieder enger zusammen. Folge: Hertha wurde nicht ausgekontert, erspielte sich aber fortan keine Chance mehr. In der Schlussphase zog sich der geplante Wechsel von Marcel Ndjeng an der Berliner Bank so lange hin, bis es auch dem Schiedsrichter reichte. Knut Kircher pfiff die Begegnung nach 89:57 Minuten ab.

Dardai überraschte mit der Aussage, dass das Spiel „für Fußball-Menschen ein gutes gewesen ist, aber für die Zuschauer wohl nicht so“. Sein Gegenüber, FC-Trainer Peter Stöger, sagte: „Ich weiß, man hat schon bessere Fußballspiele gesehen. Aber wir sind mit dem Punkt nicht unzufrieden. In der Endphase der Meisterschaft muss man auch mal mit einem Punkt gegen einen direkten Konkurrenten leben.“

Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger meinte: „Wir nehmen einen Punkt mit, haben wieder zu Null gespielt und sind seit sieben Spielen ungeschlagen. Unsere Basis ist die Defensivarbeit, damit können wir zufrieden sein.“ Plattenhardt sagte mit Blick auf die anstehenden Spiele gegen die Bayern, Mönchengladbach und Dortmund: „Jetzt kommen harte Wochen auf uns zu. Aber wer sagt, dass wir da nicht auch Punkte holen können? Wir sind eine aggressive Mannschaft. So können wir auch mal gegen die Großen gewinnen.“