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Tuchel muss sich für Dortmund neu erfinden

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Umworbener Nachfolger für Klopp gilt als eher introvertiert

Jürgen Klopp und Thomas Tuchel sind schon oft verglichen worden. Beide Trainer haben sich stets gewehrt, als eineiiger Zwilling des anderen zu gelten. Doch was sollten sie machen? Ihre Klubs, Borussia Dortmund und Mainz 05, spielten so frisch auf, dass sie den Mief der alten Trainergarde aus der Liga bliesen. Außerdem waren sie ja quasi aus einem Stall: Klopp hatte Mainz zur Bundesligareife getrimmt, und als er 2008 nach Dortmund wechselte, dauerte es genau ein Jahr, bis Tuchel sich vom A-Jugend-Trainer zum Profidompteur hochgearbeitet hatte und Klopps Arbeit fast nahtlos fortsetzte.

Nun wird Klopps Platz bald wieder frei, und wieder wird Tuchel als Nachfolger gehandelt. Die „Bild“ will erfahren haben, dass der BVB dem 41-Jährigen einen Vertrag bis 2019 angeboten hat. Angeblich steht Tuchel der Offerte aufgeschlossen gegenüber. Doch kann Tuchel wirklich beim BVB bestehen?

Eines wird oft vergessen im beinah schon ekstatischen Tuchel-Rausch, der die Liga erfasst hat: Zwar hat der Mann in Mainz wirklich gute Arbeit geleistet und den Mittelklasseklub bis in die Europa League geführt. Um zum gehyptesten Trainer Deutschlands zu werden, ist das aber zu dünn. Erst in Tuchels Sabbatjahr wandelte sich die allgemeine Wertschätzung in eine fast mystische Verklärung. Ja, er ist ein akribischer Arbeiter, ein mitunter genialer Taktiktüftler mit exzellentem Blick für Talente. Doch in Dortmund ist ein Trainer mehr als ein Trainer – erst recht nach Jürgen Klopp! „Kloppo“ spielte mit den Massen und den Medien. Ein Charmeur, ein Rüpel, ein Menschenfänger, stets bereit für einen Seelenstriptease und den Doppelpass mit der Südtribüne. Tuchel ist eher introvertiert, liebt die Tüftelei im Hintergrund. Der große Auftritt ist nicht Tuchels Antrieb. Doch er wird sich auch in diese Richtung öffnen müssen. Wie in kaum einem anderen Verein verlangen die BVB-Fans nach Nähe, nach Herzenswärme. „Was die Öffentlichkeit über mich denkt, ist mir auch nicht wichtig. Sehr wichtig ist mir hingegen, wie ich intern rüberkomme, dass alles stimmig ist zwischen mir und meiner Mannschaft“, sagte Tuchel.

Bereits 2011 merkte er an, dass er sich sehr wohl zutrauen würde, auch große Vereine zu trainieren: „Aber das Wann ist entscheidend. In welcher Lebenssituation bin ich, und in welchen Situationen sind der aufnehmende und der abgebende Klub? Es muss passen.“ Es sei sehr reizvoll für ihn, einen Klub zu prägen und Fußspuren zu hinterlassen. In Dortmund wird er extrem große vorfinden.