Eishockey

Nur einer mittendrin

Von den deutschen Profis mischt Marcel Goc im NHL-Play-off richtig mit

Wer in einem Team mit Namen wie Sidney Crosby und Jewgeni Malkin spielt, die zu den absolut Besten der Welt gehören, der darf sich Hoffnung auf Titel machen. Vor ein paar Wochen tat Marcel Goc das noch, stand mit seinen deutschen Kollegen Christian Ehrhoff und Thomas Greiss bei den Pittsburgh Penguins unter Vertrag. Jetzt, wo das Play-off in der National Hockey League (NHL) beginnt, ist Goc sogar froh, dass er inzwischen zu den St. Louis Blues getauscht wurde. Der Stürmer ist derjenige der deutschen NHL-Profis, der die besten Chancen hat, dem Stanley Cup ganz nah zu kommen.

Abschreiben darf auch die Penguins niemand. Wie schnell sich alles anders entwickeln kann, erlebten gerade Titelverteidiger Los Angeles Kings und die Boston Bruins mit Verteidiger Dennis Seidenberg als punktbestes Team der vergangenen Saison – beide sind diesmal nicht im Play-off dabei. „Wer hätte das im Herbst vorausgesagt“, so Ehrhoff. Sein Klub konnte sich erst im Endspurt den Platz unter den besten 16 sichern, als Achter im Osten. Dafür müssen die Penguins nun gegen den Ersten ran, die New York Rangers. Der Vorjahresfinalist, der mit 53 Siegen und 113 Punkten Klubbestwerte aufstellte, gilt vielen sogar als Favorit auf den Cup neben den Chicago Blackhawks. Vor einem Jahr schalteten die Rangers die Penguins in der ersten Runde aus.

Als hoffnungsvoller Außenseiter geht zumindest St. Louis mit Goc das Titelrennen, das in der Nacht zum Donnerstag beginnt. „Wir werden alle Hände voll zu tun haben, um die Serie zu gewinnen“, betont Goc, der im Westen Zweiter wurde mit seinem Klub und nun auf die Minnesota Wild trifft. Vor den Blues rangierten nur die Anaheim Ducks, worüber sich Korbinian Holzer freuen könnte. Doch seit dem Wechsel des Verteidigers von Toronto nach Anaheim, das auf Winnipeg trifft, vor sechs Wochen wurde er allerdings noch nicht eingesetzt. Auch anderen Klubs gehören deutsche Spieler an, allerdings dürften sie im Play-off kaum zu sehen sein. David Wolf ist von den Calgary Flames vor dem Play-off-Start gegen Vancouver zurück ins Farmteam geschickt worden. Bei den Washington Capitals, die gegen New York Islanders antreten, gehört Philipp Grubauer als dritter Torwart zum Team.

Sechs deutsche Profis haben also irgendwie irgendetwas mit dem Play-off in der NHL zu tun, mit allerdings sehr bescheidenem Einfluss. Torhüter Greiss ist in Pittsburgh der Ersatzmann; Ehrhoff, ein arrivierter Verteidiger, hat eine Saison mit vielen Verletzungen hinter sich. Er erholt sich noch von einer Gehirnerschütterung, ob und wann er eingesetzt werden kann, ist nicht klar.

Bleibt also vorerst nur Goc, der richtig mitmischen kann. Schon zum neunten Mal unternimmt der Schwarzwälder einen Anlauf auf die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt. „Bis auf ein Jahr war ich immer im Play-off“, erinnert er sich, „aber ich war noch nie im Finale. Ich hätte nichts dagegen, wenn es diesmal so weit wäre.“ Mit den San Jose Sharks, den Nashville Predators, den Florida Panthers und den Pittsburgh Penguins rannte er seinem Kindheitstraum vergeblich hinterher. In seiner ersten NHL-Saison schaffte er es als 20-Jähriger bis ins Halbfinale, danach war spätestens in der zweiten Runde Schluss. Die Aussichten, dass die Saison mit den Blues – die noch nie den Stanley Cup gewinnen konnten – jetzt wieder länger dauert für den 31-jährigen Bully- und Unterzahlspezialisten, sind gar nicht schlecht. Besser als mit Crosby und Malkin.