Basketball

Kein Blick zurück: Wie Alba den Kopf frei bekommen will

Mit dem Spiel am Mittwoch gegen Hagen beginnt für das Berliner Basketballteam das Rennen um den Meistertitel erst so richtig

Der freie Tag hat gut getan. „Komplett ausgeklinkt“ habe er sich am Montag, erzählt Alex King. Der Kapitän von Alba Berlin wollte einfach Abstand bekommen, wollte sich gedanklich und emotional von dem lösen, was er zuletzt erlebt hatte. Das Aus in der Europaliga nach der Niederlage gegen Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv am Donnerstag, keine 48 Stunden später die herbe Niederlage im Pokal-Halbfinale gegen die Brose Baskets Bamberg. Und dann noch, weniger als 20 Stunden danach, das gewonnene Spiel um Platz drei gegen Bonn. Es gab viel zu verarbeiten für die Berliner Basketballprofis. „Ich habe einen freien Kopf gekriegt“, berichtet King. Den ganzen Tag hat er mit seiner Frau Agata in einer Therme verbracht.

Es ist gerade eine schwierige Zeit für Alba. Sicherlich wäre es nachvollziehbar, würde das Team nach den vergangenen Ereignissen erst einmal in ein Loch fallen. Physisch wie psychisch. Mit einem lockeren Tag in der Therme kann man nicht alles hinter sich lassen. „Noch ist alles sehr frisch“, gibt King zu. Doch der Blick muss jetzt nach vorn gehen. Weil es, um mit der Bundeskanzlerin zu sprechen, alternativlos ist. „Was anderes kann man eh nicht machen“, sagt auch Mithat Demirel.

Albas Sportdirektor hat am Dienstagvormittag im Trainingszentrum in der Schützenstraße das erste Training nach dem Pokal-Wochenende in Oldenburg besucht – und hat keine niedergeschlagene Truppe vorgefunden. Um wieder in die Spur zu kommen, sei der Sieg gegen Bonn sehr wichtig gewesen. Allein an der Körpersprache habe man im Training gemerkt, dass die Spieler wieder angreifen wollen. Denn mit dem Heimspiel am Mittwoch gegen Phoenix Hagen (20 Uhr, O2 World) beginnt nun die heiße Endphase der Punkterunde.

„Unser Ziel ist, uns die bestmögliche Position für das Play-off zu erarbeiten, wo der Heimvorteil ein großer Vorteil ist“, sagt Cheftrainer Sasa Obradovic. „Platz eins ist absolut realistisch“, meint King selbstbewusst. Momentan liegen die Berliner – punktgleich mit Bamberg – auf dem zweiten Tabellenplatz. Auf dem dritten Rang, mit vier Minuspunkten mehr auf dem Konto, lauert Meister München. „Jeder hat noch ein hartes Programm“, hat Demirel erkannt.

Ein Blick auf das Restprogramm der drei Topklubs (siehe Info rechts) zeigt, dass Kings Optimismus alles andere als unberechtigt ist. Es ist gut möglich, dass es im letzten Spiel am 3. Mai zum Showdown um Platz eins kommt, wenn sich in Berlin Alba und Bamberg gegenüberstehen. Zweimal trafen die Erzrivalen in dieser Saison bereits aufeinander, zweimal siegten die Franken, nachdem Alba jedes Mal von einem Europaligaspiel angehetzt gekommen war. Für die kommende Auseinandersetzung kündigt Obradovic schon mal an: „Für das nächste Spiel verspreche ich einen anderen Verlauf.“

Erster Platz als Ziel

Als Erster hat man in den Play-off-Runden sicher Heimvorteil bis zum möglichen Finale. In der vergangenen Saison profitierte davon der spätere Champion München. Alba will alles daran setzen, nach den 34 Punktspielen auf dem Platz an der Sonne zu stehen. Demirel spricht vom „Idealfall“.

Was den Spielplan betrifft, haben die Berliner jetzt das Schlimmste hinter sich. Volle Konzentration auf die Meisterschaft ist nun angesagt. „Wir kommen langsam wieder in einen normalen Rhythmus“, erklärt Demirel. Reisen quer durch Europa, Spiele in der Europaliga gehören der Vergangenheit an. „Es kann wieder mehr trainiert werden, eine bessere Vorbereitung auf die Spiele ist auch möglich.“ In den vergangenen Monaten musste manchmal eine Trainingseinheit reichen, um sich auf den Gegner in der Bundesliga vorzubereiten, der seinerseits eine Woche lang Zeit gehabt hatte, um sich zu präparieren.

Obradovic und sein Trainerteam müssen jetzt eine neue Balance finden. „Wir müssen darauf hinarbeiten, dass wir im Play-off wieder das optimale Energielevel haben“, sagt Center Jonas Wohlfarth-Bottermann. Die Akkus müssen wieder gefüllt werden, gleichzeitig können die Spieler aber von Obradovic und Co. im Training wieder mehr gefordert werden. Demirel sieht einen weiteren Vorteil: „Es ist jetzt wieder Zeit, um mit Spielern individuell zu arbeiten, das wird gut tun.“ Da sind nun vor allem die Assistenztrainer Mauricio Parra und Milenko Bogicevic gefragt.

Alex King findet es gut, „dass wir gleich wieder spielen müssen“. Es bleibt nicht lange Zeit zum Grübeln über die Vergangenheit. Nach dem Spiel gegen Hagen hat Alba am kommenden Sonntag in Ulm anzutreten. Eine schwere Aufgabe. Aber erst einmal wartet Phoenix: Die Hagener, vom ehemaligen Alba-Profi Ingo Freyer trainiert, liegen mit 22:36 Punkten jenseits von Gut und Böse auf dem 13. Tabellenplatz. „Weil sie weder absteigen noch das Play-off erreichen können, können die ohne jeden Druck spielen“, sagt Wohlfarth-Bottermann.

Für die Berliner wird ihr 58. Saisonspiel ein bisschen wie ein Neustart. Der Konkurrenz will man am Mittwoch mit einer guten Leistung gegen Hagen zeigen, dass mit Alba noch ganz stark zu rechnen ist. Oder wie es Sasa Obradovic ausdrückt: „Wir wollen ein Statement setzen.“