Alba Berlin

Nur mal kurz den Frust abschütteln

Nach dem Aus in Europa konzentriert sich Alba auf die Verteidigung des Basketball-Pokals

Sehr still sei es gewesen in der Kabine von Alba Berlin, berichtet Alex Renfroe. „Wir waren alle traurig“, sagt der US-Amerikaner nach der 64:73-Niederlage gegen Maccabi Tel Aviv. „Wir hatten unser Bestes gegeben, wir konnten erhobenen Hauptes gehen. Aber wir wussten: Jetzt ist es vorbei.“ Vorbei die traumhafte Reise mit 24 Spielen kreuz und quer durch Europas größte Basketballhallen. Mit Siegen in Tel Aviv und bei Panathinaikos Athen, daheim gegen den FC Barcelona und Zalgiris Kaunas – allesamt Kontrahenten, die schon die Euroleague gewonnen haben. Es gab wahrlich Grund genug, stolz aufs Erreichte zu sein. Doch da war tief im Inneren noch ein anderes Gefühl. Das Gefühl: Wir hätten einen Schritt weitergehen können. Wir haben diese Chance vergeben.

„Die Enttäuschung ist erst mal riesig“, bestätigt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. „Man hatte nicht das Gefühl, die waren so weit weg, dass man da nie hinkommt. Und das Bewusstsein ist da, dass so eine Gelegenheit vielleicht nicht so oft kommt.“ Mochten die Fans noch so sehr aufzumuntern versuchen. Mochte Trainer Sasa Obradovic seine Mannschaft für ihre „herausragende Saison“ loben, in der sie „den deutschen Basketball auf die bestmögliche Art repräsentiert“ hat. Trotzdem überwog für den Moment große Niedergeschlagenheit. Dennoch gibt es genug Positives für Alba aus dem europäischen Auftritt zu ziehen. Die Mannschaft ist gereift und gewachsen. Sie hat gelernt, mit der harten Belastung umzugehen. Das Wichtigste, sagt Baldi: „Auf die Saison betrachtet, wird uns dieses Spiel sehr viel geben.“ Denn betrachtet man die Euroleague als das, was sie für Alba letztlich ist, nämlich als Kür, biegt die Saison ja jetzt erst in ihre entscheidende Phase ein. Und das sehr schnell. Bereits am Freitagmittag reiste die Berliner Mannschaft Richtung Oldenburg, wo an diesem Wochenende das Top Four um den deutschen Pokal stattfindet. Hier ist nicht Maccabi Titelverteidiger, hier ist es Alba, die Herausforderer sind Bamberg, Bonn, Oldenburg. „Die Euroleague müssen wir jetzt rausschütteln“, wünscht sich Baldi, „es geht gleich weiter.“ Und wie? Der Manager ist da optimistisch, auch wenn Halbfinalgegner Brose Baskets Bamberg (Sonnabend, 17 Uhr) der schwerstmögliche ist: „Unser Team hat sich über die Saison die Mentalität zugelegt, sehr gut mit schwierigen Situationen umzugehen.“

Innerhalb von nur 45 Stunden zweimal „Do or die“, weiterkommen oder ausscheiden – das wird aber sicher eine ganz neue Herausforderung. „Nach so einem Spiel bist du leer“, weiß der frühere Weltklasseprofi Obradovic, „da neue Motivation zu finden, ist nicht einfach für die Spieler.“ Außerdem ist allen klar, was es bedeutet, ausgerechnet gegen Bamberg zu spielen. Haben die Berliner gegen Meister Bayern bisher alle drei Saisonvergleiche gewonnen, kassierten sie in Franken eine deprimierende 69:98-Niederlage. Er respektiere Bamberg und Trainer Andrea Trinchieri, sagt Obradovic, er respektiere ihre Art, Basketball zu spielen.

700 Fans reisen nach Oldenburg

Der Gegner, in Europa in dieser Saison eher kläglich auf der Strecke geblieben, tut jedoch gut daran, es mit Alba ebenso zu halten. „Wir geben nie auf“, warnt der Serbe, allen schwierigen Umständen zum Trotz. Noch kämpferischer gibt sich Baldi. „Wir werden jetzt mit 700 Fans nach Oldenburg fahren“, sagt er, „der Pokal gehört noch uns. Wir werden alles dafür tun, ihn zu verteidigen.“ Selbst Renfroe hat sein Lächeln wiedergefunden. „Wir haben unseren Job gut gemacht. Aber man kriegt eben trotzdem nicht immer, was man gern hätte.“ Wer das nicht anerkennen kann, ist im Sport falsch aufgehoben. Der 28-Jährige sucht jetzt lieber das Gute daran, dass der schöne Traum vorbei ist: „Wir können uns fokussieren auf die Bundesliga“, sagt er, „es wird leichter für uns.“ Und spätestens im Play-off um die Deutsche Meisterschaft schwerer für alle anderen. Vielleicht auch schon in Oldenburg.