Golf

Tiger Woods rennen plötzlich die Zuschauer davon

Dabei startet der Golfstar stark verbessert bei den US Masters

So sieht ein harter Arbeitstag aus: Nichts fühlt sich leicht an, jedes Stückchen Fortschritt ist hart erkämpft. Ab und an macht eine Fehlentscheidung kleine Erfolge zunichte. Es ist schwül am ersten Spieltag des US Masters im Augusta National Golf Club. Der Schweiß steht Tiger Woods im Gesicht, als er sich über den Platz kämpft. Er ist konzentriert, ab und an ungeduldig, und spielt die ersten 18 Löcher eins über Par. Platz 41.

Als er auf den zehnten Abschlag wechselt, lichtet sich das Feld der Zuschauer bereits. Die Ströme der heimwärts ziehenden Fans sind vielleicht die beste Erklärung für den Zustand von Woods’ Spiel, das früher Tausende bis zur letzten Minute fesselte. Es ist in Ordnung, solide. Besser als jenes von Martin Kaymer, der eine 76 abliefert. Er liegt auf einer Höhe mit dem 57-jährigen Bernhard Langer, der wie er eine 73 gespielt hat.

21-Jähriger kratzt am Platzrekord

Die Magie von einst, das Sensationelle und Überraschende des einstigen Superstars, hat das Spiel von Tiger Woods aber nicht mehr. Die Runde des 21-jährigen Jordan Spieth, der mit neun Birdies und einer 64 nur um einen Schlag am Platzrekord vorbeischrammte, erinnert an Woods alte Zeiten. Der letzte Spieler, dem in Augusta neun Birdies im Verlauf einer Runde gelangen, war Woods 2011.

Aber kein Mensch konnte diesmal Wunder vom 39-Jährigen erwarten, der in diesem Jahr gerade einmal zwei komplette Turnierrunden absolviert hatte. Vielmehr hatte so mancher der Experten geunkt, Woods könne in Augusta eine furchtbare Niederlage erleiden. „Ich glaube, dass Tiger sich selbst erlaubt hat, zu technisch zu werden, und sich damit wahrscheinlich aus seiner eigenen Karriere gedrängt hat“, prophezeite Ex-Masters-Champion Paul Azinger.

Solchen Kritikern aber spielte der 14-fache Majorsieger nicht in die Karten. Er leistete sich Fehler, das schon: Einen Dreiputt am ersten Loch, einen Schlag ins Wasser am 12. Loch – aber er konterte mit einem Birdie an Bahn zwei und verhinderte an Bahn 12 durch einen exzellenten Annäherungsschlag größere Katastrophen. Perfekt war der Kontakt, wundervoll hoch die Flugbahn, der Ball landete nahezu im Loch – so sieht kein Pitch eines Spielers aus, der unter Yips leidet. Auch dies nämlich hat die Auftaktrunde des Amerikaners ergeben: Unter dem unkontrollierten Muskelzucken, das beim kurzen Spiel rund ums Grün zu verheerenden Schlägen führt, leidet er nicht. Denn Yips lässt sich nicht in wenigen Wochen kurieren – ein Spieler wie Bernhard Langer, der beim Putten früher über Monate darunter litt, könnte darüber reichlich erzählen. „Ich habe mir den A… aufgerissen. Ich habe Tausende von Schlägen gemacht im letzten Monat“, erklärte Woods. Er habe so viel trainiert wie seit Jahren nicht, unzählige neue kurze Schläger, sogenannte Wedges ausprobiert. Die Mühe hat sich gelohnt: Woods beendete den zweiten Tag am Freitag mit einer guten 69er Runde und ist auch am Wochenende dabei.

Martin Kaymer wäre froh, könnte er das Gleiche über seine Leistung sagen. „Dieser Golfplatz ist für mich einfach extrem schwierig. Ich stehe auf vielen Abschlägen und fühle mich beim Anblick der Löcher nicht wohl“, lautete sein Fazit. Zum achten Mal ist er bei den Masters. Die ersten vier Mal hat er den Cut verpasst. Eine Platzierung unter den besten 30 hat er nie geschafft. Auch deshalb ging Kaymer am Donnerstag direkt weiter auf die Driving Range. „Wer sich ausruht, gibt auf“, meinte er mit einem leicht verzweifelten Lächeln. „Ich werde nicht aufgeben. Ich glaube immer noch daran, dass ich hier eines Tages gewinnen werde.“