Basketball

Alba verpasst die Sensation

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Gegen Tel Aviv scheint ein Basketballwunder lange Zeit möglich. Am Ende fehlt die Kraft

Es war wie ein schöner Traum nach einer bisher traumhaften Saison in der Basketball-Euroleague: Alba Berlin, der deutsche Vizemeister und nur mithilfe einer Wildcard in den Wettbewerb eingezogen, im Viertelfinale, in der Runde der acht besten Vereinsteams des Kontinents. Als erste deutsche Mannschaft, der dies gelang. Und davor: ein gewonnenes Finale um diesen begehrten freien Platz gegen Maccabi Tel Aviv, jenen Klub, der in der vergangenen Saison den Titel gewonnen hatte. Auch 2004 und 2005. Das war der Traum. Er ging nicht auf.

Die Berliner bewahren die Ruhe

Das Meisterteam aus Israel wollte nicht mitspielen. Maccabi Tel Aviv gewann vor 14.133 Zuschauern in der O2 World mit 73:64 (41:34) und schaffte dadurch den Sprung in die Top acht Europas. Allerdings erst nach schwerem Kampf. Beide Mannschaften wurden mit freundlichem Applaus verabschiedet. Die Erleichterung in den Gesichtern der Israelis sprach Bände. Albas Mannschaftskapitän Alex King sagte: „Die Enttäuschung ist jetzt natürlich groß. Wir haben gerade eine riesige Chance vergeben.“ Auf Alba wartet nun das nächste „Do or die“-Spiel, das Halbfinale um den deutschen Pokal am Sonnabend gegen Bamberg.

14.133 Zuschauer, fast ausverkauft, das bedeutete Saisonrekord. Das Publikum sorgte von Beginn an für ein wahres Basketball-Fest. Die Gäste wurden auch von gut 1000 Maccabi-Anhängern angefeuert. Und Tel Aviv wirkte sehr entschlossen, sich nicht die Blöße zu geben, beim Außenseiter auszuscheiden. Von Beginn an trafen die Israelis gut aus der Distanz, allen voran Devin Smith, der insgesamt sieben von zehn Dreiern verwandelte und am Ende auch mit 28 Punkten Topscorer der Partie war. Sofort legten die Israelis vor, die schon nach zweieinhalb Minuten mit sieben Punkten vorn lagen (10:3). Und sie waren sehr gut auf ihren Kontrahenten eingestellt. Sicher lag ihnen noch die 59:66-Niederlage in eigener Halle am 12. Februar im Magen. Sie war ihnen eine Warnung.

Alba hatte nicht nur große Probleme mit den Distanzschüssen seines Gegners, auch mit dessen Zonenverteidigung. Die Berliner kamen kaum einmal unter den Korb Maccabis, wo zudem mit Sofoklis Schortsanitis ein 150-Kilo-Koloss aufräumte. Jamel McLean, sonst Albas stärkste Waffe, rannte sich immer wieder fest. Alba wehrte sich nach Kräften, den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen. Zu Beginn des zweiten Viertels, beim 17:26, betrug er trotzdem neun Zähler. Doch jetzt folgte eine erste Aufholjagd der Gastgeber, die mit dem 30:30 durch einen Dreier von Alex Renfroe belohnt wurde. Die Halle bebte, aber schnell hatten die Gäste-Fans wieder Oberwasser, denn Tel Aviv konterte und ging mit 41:34 in die Kabine.

Wenn Alba in dieser Saison etwas auszeichnete, dann war es die Ruhe, die das Team immer bewahrte, auch wenn einfache Dinge einmal nicht gelingen wollten. Und so begann die zweite Halbzeit mit langsamem Herantasten an Maccabi. Dass die Gäste ihre ersten acht Freiwürfe allesamt vergaben, half Alba dabei sehr. Und dass ihre sehr harte Verteidigung nicht ohne Folgen blieb, half auch. Schortsanitis, Bryan Randle, neben Smith bester Schütze in seinem Team, und Nate Linhart, waren früh mit drei Fouls belastet. Und der Außenseiter schlich sich wieder heran.

Auf Euphorie folgt Ernüchterung

Die Alba-Fans drehten durch, als Leon Radosevic der Ausgleich zum 56:56 gelang. Reggie Redding vergab danach die erste Chance zur ersten Alba-Führung, Jamel McLean die zweite – ärgerlich. Genauso, dass kurz darauf Radosevic ein unsportliches Foul kassierte. Es war vielleicht das entscheidende Momentum in dieser Partie. Statt Führung für die fightenden Berliner hieß es wenig später 66:59 für Tel Aviv. Und: Alba gingen die Kräfte aus. Noch einmal würden sie den Rückstand nicht aufholen.

Sie versuchten es trotzdem. Die letzte Hoffnung starb nach einem Alba-Schnellangriff eineinhalb Minuten vor Schluss. Zunächst vergab Jonathan Tabu einen Korbleger, im Anschluss unterlief McLean das gleiche Missgeschick. Vergebene Chance zum 66:70, verloren. Beste Werfer bei den Berlinern waren Renfroe, McLean und Radosevic (je 10 Punkte). „Das erfahrenere Team hat gewonnen“, sagte Alba-Coach Sasa Obradovic, „wir können daraus lernen und es nächstes Mal besser machen.“ Trotz der Niederlage, trotz des Ausscheidens: Es war eine traumhafte Euroleague-Saison für Alba.