Bundesliga

Auf dem Klappstuhl lebt der Traum vom Triple

| Lesedauer: 4 Minuten

Eine Sitzgelegenheit sorgt für Gesprächsstoff, während die Bayern weiter auf Titeljagd sind

Es ist egal, was Pep Guardiola tut. Irgendwie ist es immer Kunst, oder zumindest Gesprächsstoff. Der Mann scheint eine Art Marcel Duchamp zu sein – ein Readymade-Artist, der jedem noch so profanen Gegenstand die Aura eines Kunstwerks verpassen kann.

Denn es dauerte nicht lange, da redete Mittwochnacht die Fußballrepublik, die ja heute zumeist im Internet zu finden ist, kaum noch über das Weiterkommen von Guardiolas Mannschaft FC Bayern ins Halbfinale des DFB-Pokals nach Elfmeterschießen gegen Bayer 04 Leverkusen (5:3/0:0). Nein man redete nur darüber, dass der Spanier bei jenem finalen Wettschießen auf einem hölzernen Klappstuhl Platz genommen hatte, sich dabei auch mal die Hand vor die Augen hielt, aber besonders über die Sitzgelegenheit. Ist ja toll: Ein Supertrainer auf einem Klappstuhl. Da traf teuer auf billig, Außergewöhnliches auf Alltägliches. Und zum Beweis, dass dieser Stuhl von Guardiola nun ein famoses Eigenleben eingehaucht bekommen hatte, entstand nur kurz nach dem Abpfiff ein eigener Twitterkanal names @derstuhlvonpep. Er hat bereits mehr als hundert Follower.

Sicher, das Spiel selbst hatte nicht allzu viel Kunstvolles zu bieten, dafür aber viel Spannung. Am Ende machte nur Manuel Neuer den Unterschied aus, weil der Bayern-Torhüter den Strafstoß von Leverkusens Josip Drmic parierte. Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer zollte aber vor allem dem Gegner großen Respekt: „Wir haben auch Hochachtung davor, was Leverkusen hier leistet. Wir wissen, dass da ein Konkurrent heranwächst“,sagte er.

Das Nehmen der Hürde Bayer 04 im Pokal hat zur Folge, dass die Münchner weiter auf Rekord- und Titeljagd sind: Als erstes Team stehen sie zum sechsten Mal nacheinander im Halbfinale. Gelingt auch der Sieg im Finale am 30. Mai im Berliner Olympiastadion, wären die Bayern die erste Mannschaft, die drei Mal in Serie den DFB-Pokal gewinnen konnte.

Lob bekam Guardiola: „Der Trainer ist genial. Er hat viele Pläne, nicht nur A, B oder C, sondern ich habe den Eindruck, das ganze Alphabet rauf und runter“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Durch den Einzug ins Pokal-Halbfinale lebt in München auch der Traum weiter, das Kunststück aus dem Jahr 2013 zu wiederholen: Damals gewann der FC Bayern das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. In der Bundesliga liegt man zehn Punkte vor Verfolger Wolfsburg. In der Königsklasse wartet im Viertelfinale am Mittwoch mit dem FC Porto eine lösbare Aufgabe. Im Pokal kommt am 28. April Borussia Dortmund nach München. „Das ist eine Topmannschaft“, sagte Guardiola. Aber: „Wenn du den Pokal gewinnen willst, musst du gegen die besten Mannschaften gewinnen“, so der 44-Jährige.

Klopp freut sich auf die Münchner

Der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp im Übrigen hat sich für die Auslosung am späten Mittwochabend nicht sonderlich interessiert: „Ich habe Law and Order geguckt“, sagte er. Aber er habe sich dennoch über das Los gefreut: „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir heute schon chancenlos wären. Da ist nicht vieles, sondern alles möglich“, so Klopp.

Bei den Münchnern ärgerten sie sich dennoch über etwas: Der Mannschaftsbus war vor der Partie von Ungekannten beschmiert worden. Der Rekordmeister erstellte Anzeige. Zudem droht der nächste Ausfall: Medhi Benatia leidet an einer Muskelverletzung. Der Abwehrspieler war gegen Leverkusen schon in der 34. Minute vom Platz gehumpelt. Den Bayern fehlen bereits Stammkräfte wie Arjen Robben, David Alaba, Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger.