Eigentore

Systematisch zum Punkt gekommen

Zweitligist Union beweist beim Remis in Sandhausen taktische Flexibilität

Eigentore machen im Allgemeinen ärgerlich. Sie nutzen ja nur dem Gegner, blöd aussehen tut es obendrein, wenn jemand den Ball in das eigene Netz befördert. Situationen, in denen solche Treffer irgendwie zu etwas gut sind, gibt es eigentlich nicht. Manchmal aber passieren eben solche Ausnahmen. In Sandhausen und in Berlin musste am Ostersonntag und auch danach niemand mit einem Eigentor hadern, denn es gab ja gleich zwei davon, gerecht verteilt auf jeder Seite. Das bescherte dem 1. FC Union in dem Zweitliga-Auswärtsspiel in der Kurpfalz ein 1:1 und einen Punkt.

Dass ein Fußballspiel auf diese Weise entschieden wird, „das ist schon kurios“, sagte Christopher Trimmel. Der Berliner Rechtsverteidiger stand direkt im Zentrum dieser Aneinanderreihung unglücklicher Umstände. Nach einer Flanke von Manuel Stiefler sprang der Ball von Trimmels Knie kurz nach Spielbeginn ins eigene Tor (6.). Toni Leistner versuchte noch, den Ball zu klären, seine Abwehraktion misslang jedoch. „Ich wurde angeschossen, ich habe den Ball eigentlich gar nicht gesehen“, so der Österreicher. Als er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen hohen Ball auf Michael Parensen in den Strafraum spielte, wurde dessen Kopfball vom Sandhauser Timo Achenbach ins Tor gelenkt (51.). Immerhin wäre hier wohl keine fremde Unterstützung nötig gewesen. „Ich glaube, der Kopfball von Micha wäre ins Tor gegangen“, sagte Trimmel.

So fuhr der Tabellenneunte nicht unzufrieden nach Hause. Die ausgleichende Gerechtigkeit bezüglich der Eigentore führte schließlich auch dazu, dass eine Serie von vier Auswärtsniederlagen beendet werden konnte. „Am Ende können wir mit dem einen Punkt leben“, sagte Trainer Norbert Düwel. Wichtiger dürfte für ihn jedoch gewesen sein, dass seine Maßnahmen griffen. Das war die eigentliche Essenz der Partie. Zum einen unterstrichen die jungen Spieler, die Düwel aufbot, ihren Wert für die Köpenicker. „Wir hatten wieder einen Haufen junger Burschen auf dem Feld, die ihre Sachen gut gemacht haben“, so der Trainer, der Valmir Sulejmani, 19, im linken Mittelfeld erstmals in der Startelf einsetzte. Zum anderen demonstrierte seine Mannschaft taktische Flexibilität und beeinflusste die Partie damit nachhaltig.

Über den Anlass, im System nachjustieren zu müssen, freute sich freilich niemand bei den Berlinern. „Viel weniger als in der ersten Halbzeit geht gar nicht“, sagte Mittelfeldspieler Parensen. Zu weit weg von den Gegenspielern, zu spät in den Zweitkämpfen, zu wenig Bewegung, zu wenig Mut. Die Unzulänglichkeiten im Spiel von Union summierten sich so sehr, dass Trainer Düwel in der Halbzeit reagierte, mit Björn Jopek und Bajram Nebihi zwei neue Spieler brachte und hinten von der Vierer- auf die Dreierkette umbaute, damit im Mittelfeld mehr Leben aufkommt. Genau dieser Zug bewirkte große Veränderungen. „Im zweiten Spielabschnitt haben wir ein deutlich anderes Gesicht gezeigt. Wir haben sehr mutig nach vorn gespielt und großen Willen gezeigt, das Ergebnis zu korrigieren“, sagte Düwel.

Seine Systemoption erarbeitete sich Düwel zu Saisonbeginn, als er zunächst mit einer Dreierkette spielen ließ. „So etwas ist immer gut. Ich glaube, wir sind ganz gut eingestellt, wir wissen, wie wir uns verhalten müssen“, erzählte Trimmel. Ohne Anpassungsschwierigkeiten gelang nun der Übergang zwischen den Systemen mitten im Spiel. Wofür Trimmel aber auch einen speziellen Antrieb ausmachte: „In der ersten Halbzeit ist viel falsch gelaufen, da will man vieles besser machen.“ Junge Spieler wie Jopek, 21, und Eroll Zejnullahu, 20, erledigten dabei im Mittelfeld ihre Aufgaben solide, forderten die Bälle und schafften damit immer wieder Anspielstationen.

Für Düwels Arbeit, die darauf ausgerichtet ist, den Klub für die Zukunft gut aufzustellen, war die Partie in Sandhausen ein Hinweis, dass der Weg stimmt. Darüber kann man sich mehr freuen, als man sich über Eigentore ärgern muss.