Fußball

Berlin – Endstation Sehnsucht

Der DFB-Pokal bietet für Borussia Dortmund und Trainer Klopp die letzte Chance, die bislang enttäuschende Saison noch zu retten

Jürgen Klopps Endstation Sehnsucht ist der 30. Mai, 20 Uhr. Es ist das Olympiastadion in Berlin. In der Bundesliga Mittelmaß, in der Champions League im Achtelfinale gescheitert – für den BVB-Trainer und seine Dortmunder Fußballer führt der Weg in den Europacup wohl nur noch über den DFB-Pokal. Viertelfinal-Hürde ist Ligakonkurrent TSG 1899 Hoffenheim, vor dem BVB-Boss Hans-Joachim Watzke allerdings einigen Respekt offenbart: „Ich warne davor, uns bereits im Halbfinale zu sehen.“

Fünf Spiele, viermal ohne Treffer

Klopp bezeichnete den Pokal als „unglaublich wichtig“ für den dreimaligen Cupsieger. „Das würde ich unserem Spiel schon gern ansehen“, sagte er. Gegen die Kraichgauer müsse sein Team am Dienstag (20.30 Uhr, ARD/Sky) das, was beim 0:1 in der Bundesliga am Sonnabend gegen Bayern München noch „nicht perfekt war, einfach besser machen“. Leicht angeschlagen ist Nationalspieler Marco Reus. Er habe „ein bisschen Probleme“, erläuterte Klopp, ging aber auf die näheren Umstände nicht ein: „Niemand blickt sorgenvoll.“ Italiens WM-Starter Ciro Immobile hat am Sonntag wieder trainiert. Ob er nach seinen Innenbandproblemen schon eine Option für den Pokal ist, blieb jedoch offen.

Dass Hoffenheim gegen Mönchengladbach 1:4 verlor, helfe „in puncto Selbstvertrauen nicht wahnsinnig – wie bei uns“, ergänzte Klopp. Nach dem 0:1 gegen den Deutschen Meister und Pokalsieger blieben Klopp und Co. nur 72 Stunden, um sich zu besinnen und sich der Vorbereitung auf die 90 oder gar 120 Minuten mit Hoffenheim zu widmen. „Zwei Tage Regeneration, mehr läuft da nicht“, sagte BVB-Kapitän Mats Hummels.

Per Video wollten sich Klopp und seine Spieler anschauen, wie sie die Begegnung angehen wollen. Das gedenken sie mit der gleichen kämpferischen Einstellung wie gegen die Bayern, aber mit einer „durchsetzungskräftigeren Offensive“ zu tun, wie Hummels propagierte. Klopp: „Die Problematik ist uns bekannt.“ Gegen Pep Guardiolas Starensemble erarbeitete sich die BVB-Offensive zu wenig Möglichkeiten und schloss die eine oder andere Situation laut Klopp „vielleicht ein bisschen überhastet ab“. Die Kaliber der Gegner seien indes nicht unbedingt vergleichbar, bemerkte Hummels: Bei allem Respekt vor Hoffenheim habe das Team von Coach Markus Gisdol „nicht ganz die Qualität von Bayern München“.

Das wurde beim Hoffenheimer 1:4 gegen Mönchengladbach deutlich. „Das Spiel muss aus den Köpfen“, forderte 1899-Keeper Oliver Baumann. Nun müsse die Mannschaft eine andere Leistung als bei der Pleite gegen die Borussia vom Niederrhein bringen. Gisdol: „Es ist ein K.o.-Spiel, in dem wir etwas ganz Besonderes leisten müssen.“ Der TSG-Trainer kann wieder auf die zuletzt fehlenden Defensivspieler Ermin Bicakcic (Gelbsperre) und Eugen Polanski (Grippe) zurückgreifen. „Wir fahren voller Vorfreude zum BVB. Wir wollen es schaffen, ins Halbfinale einzuziehen“, betonte Gisdol.

Baumann hofft, dass seine Vorderleute beim BVB weniger Probleme mit der gegnerischen Offensive haben werden. Aber: „Das wird schwierig, weil sie hohe Qualität haben“, fügte der ehemalige Freiburger hinzu. Dabei vergisst Baumann offensichtlich, dass es im Dortmunder Angriff zuletzt doch haperte. Das 0:1 gegen die Bayern war im fünften Pflichtspiel nacheinander bereits das vierte ohne BVB-Treffer.

Klopp weiß, dass die Kernprobleme in der aktuellen Situation bei seiner Mannschaft zu suchen sind. Wieder einmal konnte Dortmund keine Angriffe zu Ende spielen. „Am Ende ist es immer das Gleiche“, meinte der Trainer: „Wir müssen in der letzten Zone griffiger werden.“ Die Gründe, warum dies nicht gelingt, sind ernüchternd: Da ist die Erkenntnis, dass es trotz der in den vergangenen zwei Jahren verpflichteten Offensivspieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, Henrikh Mkhitaryan, Shinji Kagawa, Ciro Immobile, Adrian Ramos und des in der Winterpause für zwölf Millionen Euro geholten Kevin Kampl häufig nicht gelingt, die aufopferungsvolle Laufarbeit der Mannschaft fantasievoll zu veredeln.

Nur Reus empfiehlt sich

Es fehlen Überraschungsmomente und Ideen: Die Pässe, die zu Chancen hätten führen können, waren oftmals ungenau. Einzig und allein Reus, der die einzige Dortmunder Möglichkeit aus dem Spiel heraus kreieren konnte, als er aus aussichtsreicher Position nur das Außennetz traf (60. Minute), hatte am Sonnabend ein Niveau, mit dem er sich für einen Platz im Team des FC Bayern hätte empfehlen können.

So bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass der BVB als mittelmäßiger Klub in der Liga und gescheiterter Champions-League-Teilnehmer in dieser Saison wohl nur noch über den Pokal ins internationale Geschäft einziehen kann.