Basketball

Kraftakt ohne Ende

Albas Basketballteam hat auch nach 52 Saisonspielen noch Energie

Leon Radosevic sollte das erklären, was langsam nicht mehr zu erklären ist. Wie schafft es das Basketballteam von Alba Berlin, sich – trotz eines extrem engen Spielplans – immer wieder zu einer neuen Kraftanstrengung aufzuraffen? So wirklich beantworten konnte der Berliner Basketballprofi die Frage nicht. „Wir hatten in der zweiten Hälfte viel mehr Energie“, sagte der Kroate nur. Der 24-Jährige, auf den Positionen Power Forward und Center einsetzbar, war beim 90:78 gegen die Telekom Baskets Bonn mit 18 Punkten und sieben Rebounds der überragende Mann.

Wie oft hat es das in dieser Saison schon gegeben? Nach einem Spiel in der Europaliga hat die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic kaum Zeit, um etwas zu regenerieren und sich auf die folgende Bundesligapartie vorzubereiten. Diesmal blieben zwischen den Spielen gegen Roter Stern Belgrad und die Bonner 44 Stunden. „Gegen eine solch starke Mannschaft muss man sich eigentlich viel besser vorbereiten“, erklärte Obradovic zu Recht. Aber – wie so oft – drehte Alba auch diesmal das Spiel mit einem Kraftakt nach der Halbzeitpause.

„Man muss aufpassen, dass man die Bundesliga nicht schleifen lässt“, gab Flügelspieler Niels Giffey zu. „Sicher ist die Belastung groß“, sagte sein Kollege Akeem Vargas, „aber bisher haben wir es ganz gut hinbekommen.“ Doch auch er weiß: „Die Saison ist noch lang.“ Das Spiel gegen Bonn war bereits das 52. in dieser Saison. Bundesliga, Europaliga, deutscher Pokal, Champions Cup, der Coup gegen NBA-Champion San Antonio – das alles rast an dieser Mannschaft vorbei. Ein Kraftakt ohne Ende. Wie lange geht das noch gut für Alba, das punktgleich mit Tabellenführer Bamberg auf Rang zwei in der Bundesliga stehen?

„Wir nehmen es so, wie es kommt“, pflegt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi gern zu sagen. Mit dieser Einstellung ist man vor allem in der Europaliga sehr gut gefahren. Alba gehört zu den Überraschungsteams in der europäischen Beletage. Denn dass Berlin zwei Spieltage vor Ende des Top 16 noch Chancen haben könnte, das Play-off-Viertelfinale zu erreichen, hatte wohl kein Experte vorher erwartet.

Viertelfinale? Dazu bedarf es „nur“ zweier Siege am Donnerstag bei Panathinaikos Athen und eine Woche darauf gegen Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv. Der Erfolg gegen Bonn hat Mut gemacht. „Der Sieg war total wichtig“, meinte Baldi, „weil wir gesehen haben, dass wir uns auf uns verlassen können.“

Manchmal mag es schwierig sein für die Mannschaft, sich in der Bundesliga zu motivieren. Gegen Athen gilt das nicht. „Das ist, was Motivation betrifft, ein Selbstgänger“, ist sich Baldi sicher. Für ihn ist das Ganze ein Genuss: „Es ist eine ganz schöne Situation. Niemand hatte uns am Anfang auf dem Zettel – und jetzt können wir als Außenseiter frei spielen.“ Das setzt neue Kräfte frei.